Der große Topf des Gender-Nonconformings

Ich hab in diesem Blog hin und wieder erwähnt, dass ich so meine Probleme habe mit Menschen, die aus verschiedenen Gründen in die Rolle eines anderen Geschlechts schlüpfen, ohne sich diesem zugehörig zu fühlen. Ich möchte direkt an dieser Stelle erwähnen: Ich möchte niemandem verbieten, dies zu tun. Ich möchte es auf keinen Fall schlecht reden. Aber ich sehe leider problematische Strukturen, die sich entwickelt haben und möchte an dieser Stelle erklären, wie ich diese Strukturen verstehe, und warum ich sie als problematisch erachte. Noch einmal: Ich möchte nicht die Tätigkeiten an sich verteufeln.

Der Artikel „Warum ich kaum in Trans*-Communities aktiv bin“ schlägt in eine ähnliche Bresche wie dieser Artikel, auch wenn meine Wortwahl dort noch sehr anders war. (Wow, hat sich mein Stil in den letzten 1,5 Jahren verändert! :O) Heute möchte ich den Fokus aber etwas anders setzen. Ich möchte dazu die Rocky Horror Show als Beispiel nehmen.

In der Rocky Horror Show gibt es den Charakter Frank N. Furter, welcher in dem Stück als Transvestit bezeichnet wird. Leider sagt dieser selbst, er käme aus „Transsexual, Transsylvania“ – gemeint ist hier wohl, dass Frank N. Furter vom Planeten „Transsexual“ aus der Galaxie „Transsylvania“ stammt, aber die Formulierung ist leicht falsch zu interpretieren, als sei transsexual hier ein Attribut für Transsylavia. „Ich komme aus dem transsexuellen Transsylvanien“.

Furter ist wie die ganze Show ziemlich überdreht und zu ihm passt meiner Meinung nach mit seinem Auftreten und seinen Outfits das Label Drag Queen. Eine sehr extrovertierte Persönlichkeit und aufreizende Kleidung machen ihn in meinen Augen aus.

Das Problem das ich damit habe? Zu oft werden Personen in Drag und Transsexuelle in einen Topf geworfen. Ich hab mit Personen in Drag an sich kein Problem, aber ein Problem damit, dass dies in der Öffentlichkeit als repräsentativ für Transsexualität missverstanden wird und ich mich damit nicht identifizieren kann. Ich finde es bedenklich, dass dies nicht getrennt wird, denn es fehlen jungen transsexuellen Menschen damit Vorbilder. Ich hab in meiner Pubertät jahrelang ausgeschlossen, trans zu sein, weil ich nur Personen in Drag kannte und wusste, dass ich so nicht bin. Ich hielt Personen in Drags für transsexuell und die einzige Form, in der eins aus dem zugewiesenen Geschlecht ausbrechen könnte.

Diese Probleme führten dazu, dass ich bis heute Personen in Drag nichts abgewinnen kann. Wie gesagt, ich möchte es nicht verteufeln oder gar verbieten. Menschen haben Spaß daran und ich finde das absolut in Ordnung. Aber diese Strukturen sind ein Problem, bei dem ich selbst nicht so recht weiß, wie dies angegangen werden könnte. Ich glaube, transsexuelle Menschen kämpfen schon oft dagegen an, als Personen in Drag dargestellt zu werden. Ich weiß nicht, wie oft es Personen in Drag umgekehrt passiert und wie sehr sie dagegen kämpfen. Letztlich kann ich wahrscheinlich nur hoffen, dass durch einen offeneren Umgang mit trans Themen die Unterschiede mehr ins öffentliche Bewusstsein dringen.

In diesem Artikel bin ich jetzt vor allem auf den Unterschied zwischen Personen in Drag und Transsexuellen eingegangen beziehungsweise auf die Probleme, die ich als Transsexuelle mit falschen Labels habe. Ich bin aber sicher, dass das nicht nur für diese Gruppen gilt. Transvestiten, Cross-Dresser und andere Menschen die, dauerhaft oder zeitweise, mit ihrem zugewiesenen Geschlecht brechen, werden vermutlich ähnliche Probleme haben. Meinem Eindruck nach werden wir alle in einen großen Topf geschmissen, der uns in der Öffentlichkeit sämtliche Diversität raubt. Ich hoffe, dass dieser Artikel dazu betragen kann, dieses Problem in den Fokus zu rücken um Lösungen dafür zu finden.

Alina

P.S.: Fall jemand einen schönen, griffigen, genderneutralen Begriff für „Personen in Drag“ hat, wäre ich darum sehr dankbar, ich kenne leider keinen 🙁

2 Gedanken zu „Der große Topf des Gender-Nonconformings

  1. Hm. Ich finde, Kings/Queens hat noch ein bisschen was „royaleres“ als einfach „People“. Aber dann könnte vielleicht Drag Royals oder so funktionieren…

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