Warum ich kaum in Trans*-Communities aktiv bin

Ich hab heute mal wieder ein wenig gegoogelt. Ich gebe zu, ich war anfangs vor allem neugierig, wie gut man meinen Blog mit sehr allgemeinen Suchbegriffen finden kann. Leider durfte ich dabei feststellen, dass google meine Suchergebnisse ja personalisierte, weil ich eingeloggt war. Aber dafür bin ich über ein paar Blogs und Webseiten gestoßen, die ich noch nicht kannte, die ich mir dann zu Gemüte führte. Hätte ja was spannendes bei sein können.

Leider aber war das Ergebnis mal wieder ernüchternd. Viele der Blogs hatten nur wenige Beiträge. Von Foren zum Thema „Transgender“ halte ich mich eh seit Langem fern (dazu gleich mehr). „Reine“ Informationsseiten sind für mich heutzutage einfach nicht mehr wirklich interessant, ich hab direktere Quellen, denen ich mehr vertraue.

Ein Blog jedoch, an dem blieb ich einen Moment kleben. Recht viele Einträge, die auf dem ersten Blick zwar sehr kurz waren, aber ganz nett geschrieben. Dann musste ich jedoch folgendes Szenario lesen: Die Bloggerin schrieb drüber, in einem Forum mit einer Transsexuellen Nachrichten hin und her geschrieben zu haben. Sie (die Bloggerin) bezeichnete die Transsexuelle als Möchtegern-Transsexuelle. Ihre Argumentation: Sie besäße ja noch einen Penis und wolle das nicht ändern.

Ich muss dazu sagen, die Transsexuelle kam in dem Ausschnitt des Gesprächs, welches die Bloggerin veröffentlichte (zwar mit unkenntlich gemachten Namen, aber trotzdem ist es ein No-Go so etwas zu veröffentlichen), ziemlich arrogant rüber. Es war etwas in der Richtung „Ich soll nicht transsexuell sein? Schau mich an, ich seh‘ besser aus als Bio-Frauen!“

Und da haben wir letztlich auch den Grund, warum ich mit Trans*-Communities fern halte. Ich halte beide Standpunkte für unglaublich irrational. Was sind denn das bitte für Begründungen? Ich glaube nicht, besser als Bio-Frauen auszusehen (nicht zuletzt, weil Schönheit im Auge des Betrachters liegt und man daher nicht objektiv festlegen kann, wer schöner als jemand anders ist) und ich habe keine Geschlechtsangleichende OP machen lassen (und bin mir immer noch nicht sicher, ob ich es will) – trotzdem bin ich transsexuell. Weil das eine Sache des Zugehörigkeitsgefühls ist. Weil mein Gehirn weiblich tickt. Das ist eine Sache der Psyche, damit haben solche Schwachsinnsargumente nichts zu tun, ‚tschuldigung.

Naja, und es gibt einen zweiten Grund, warum ich diese Communities meide: Auch wenn es ja nett ist, dass sie sich für alle Arten von Transmenschen öffnen und die Grenzen eh so fließend sind, dass es nicht möglich ist, zu sagen „hier nur Transsexuelle“ – leider zieht dies auch Damenwäschefetischisten und Crossdresser an, zwei Personengruppen, die zwar gern weibliche Kleidung tragen und zeitweise eine weibliche Optik nach außen tragen, aber die zum Einen nicht ihr Leben als Frau verbringen, deren Gründe für das weibliche Auftreten zum Anderen ganz andere sind – meist geht es ihnen dabei um Spaß, es bereitet ihnen Freude.

Ich will beide genannten Personengruppen nicht verteufeln, absolut nicht. Sie haben ein Recht darauf, ihr Leben zu leben, wie sie es möchten und dürfen sich von mir aus auch gern darüber austauschen. Das Problem ist, dass diese Menschen sich dann oft in Diskussionen von Transsexuellen einmischen, weil sie nicht begreifen, dass es für uns etwas völlig anderes bedeutet, als Frau zu leben. Da heißt es dann leider viel zu oft sofort: „Du musst das sofort 100% ausleben, sofort Hormone und am besten auch Geschlechtsangleichende-OP, am besten noch Schönheits-OPs und Stimmband-OP hinterher!“

Ja, natürlich ist das überspitzt. Aber die Richtung ist die selbe. Es wird ignoriert, dass diese Dinge einfach gar nicht alle machbar sind. Die Geschlechtsangleichende-OP ist erst möglich, wenn man einige Jahre Hormone nimmt. Schönheits- und Stimmband-OPs kosten viel und es ließen sich anders für den Körper schonendere Lösungen finden (Stimme -> Logopädie, Schönheit -> Ernährung, Training, den Hormonen Zeit geben für körperliche Änderungen). Und vor allem: Oft, ich will fast sagen: Meistens ist es nicht möglich, sofort von 0 auf 100 zu gehen. Sei es Arbeit, Schule, Studium, Freunde, Bekannte – all diese Personen muss man schonend drauf vorbereiten. Man kann nicht einfach „sofort 100% ausleben“. Man muss sich outen, mit Zurückweisung rechnen und gerade wenn man im Beruf steht auch noch um den Job fürchten. Wenn man sich sofort umstellt, wird dies die meisten Leute verschrecken und von sich treiben. Wenn man das Umfeld vorbereitet und aufklärt, kann es immer noch passieren, dass Leute den Kontakt abbrechen und gerade wenn dies der Chef oder ein vermeintlich guter Freund ist, ist das hart.

Diese Probleme haben aber Menschen, die ihren Hang zum Weiblich-Sein nur manchmal und/oder nur heimlich ausleben, nicht. Leider ist es ihnen außerdem oftmals nicht möglich, sich in eine Person mit diesen Problemen hineinzuversetzen. Und genau weil ich auf diese Erfahrungen keine Lust habe, halte ich mich von solchen Communities fern. Ich habe einen guten Freundeskreis, der 100% zu mir steht und mich bekräftigt, habe einige transsexuelle Freunde, die mir helfen, meinen Weg zu finden. Ich bin auf diese Communities nicht angewiesen und auch wenn ich mich gern mehr zu Transgenderthemen austauschen würde: Leider schrecken mich diese Communities zu sehr ab.

Und damit ist ein Artikel, den ich eigentlich recht kurz halten wollte, ziemlich ausgeartet. Ich hoffe, es gibt überhaupt Leute, die ihn bis zum Ende lesen 😉

Alina

4 Gedanken zu „Warum ich kaum in Trans*-Communities aktiv bin

  1. Ja, ich hab den Artikel bis zum Ende gelesen und ich kann dir eigentlich nur zustimmen. Ich hab mich jetzt z.B. aus dem Forum, daß ich mal mit moderiert habe, verabschiedet, weil mir die angebliche Community tierisch auf die Nerven ging (und das ist noch höflich ausgedrückt). Mag sein, daß ich ein zu emotionaler Mensch bin und vieles zu schnell zu persönlich bin, aber regelmäßiges Stänkern und Sticheln gegen mich, das war mir ganz einfach zu viel.
    Ich weiß nicht diese Community oder auch nur „Peer-Group“, die ist nicht wirklich sozial. Zwei Sachen fallen mir da eigentlich krass ins Auge, zum einen wird man von vielen anderen Transsexuellen als Freak, behindert, abartig oder gar Hure verunglimpft, nur weil man nicht operiert ist. Sorry, aber das geht gar nicht, daß man gegen Menschen, die dem Thema OP anders gegenüber, so behandelt bzw. so über die redet. Und die andere Sache betrifft die von dir genannten anderen Transgender-Formen. Wenn ich z.B. über meine Erfahrungen und Probleme bei der Job-Suche berichtet, und das ist als Transsexuelle alles andere als Leicht, dann brauche ich keine Fetischten, die mich anmotzen, daß ich mich nicht so anstellen solle und gefälligst wieder als Mann gehen solle. Ja, schon, krass nicht nur das meine Transsexualität völlig ignoriert wird, mir wird ja damit auch noch indirekt unterstellt, ich würde gar nicht arbeiten wollen.
    Auf so eine Community verzichte ich gerne, wenn man aus den eigenen Reihen angegriffen wird ist das einfach nur noch hässlich.

  2. Ja, ich kannte das Video tatsächlich schon. Aber das ändert nichts daran, dass es eine sehr gute und interessante Dokumentation ist. 🙂

  3. Ich glaub das ist der Grund warum ich nicht in gruppen gehen wollte und auch nicht in Foren, weil ich wie im Post und in den Kommentaren beschrieben wird, angst hatte sowas abzubekommen und das hätte damals mit meiner Unsicherheit garnicht gut getan…

    Ich finde es ja schon krass das in einer (ich mag das wort selber nicht weil es für mich negativ behaftet ist, nenne es dennoch um meinen Standtpunkt klar zu machen) Randgruppe die von der Gesellschaft disrkiminiert wird, innerhalb selbs diskrimminierungen stattfinden. Leute die dann sagen und vorgeben das man nur transexuell ist wenn man genauso alles erfüllt, das ist einfach nur schwachsinnig. Die Leute scheinen wohl zu vergessen, das man ein Mensch ist, ein individuum, ein Lebewesen mit einer einzigartigen vergangenheit und zukunft. Jeder geht einen weg den niemand vorher gegangen ist, weil jdeder einzigartig ist.

    Die Schattenseite des Inetrnet mit seinen selbst ernannten „Experten“

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