Sind Namen Schal und Rauch?

Hinweis: Dieser Artikel ist veraltet und entspricht nicht mehr meinen aktuellen Ansichten.

So, auf die letzten paar Minuten des Tages endlich der heutige Eintrag für den Adventskalender. Thema sind mal wieder meine Namen.

Ein guter Bekannter, vor dem ich mich vor ein paar Tage geoutet habe, merkte an, dass er gern versuchen würde, zwischen meinen Namen hin und her zu wechseln, er finde aber generell solche Wechsel seltsam, auch bei Nicknames, also Online-Spitznamen. Das hat mich noch einmal zum Nachdenken, warum mir der „korrekte“ Name wichtig ist, gebracht.

Tatsache ist: Meine Lerngruppe hat den Nameswechsel größtenteils noch nicht drauf. Ich habe vor einiger Zeit mal den Link zu meinem alten Post zum Thema Namen  rumgegeben, denke auch, dass sie ihn gelesen haben, aber dran gewöhnt haben sie sich noch nicht. Tatsache ist auch: Es stört mich nur selten und in der Öffentlichkeit mehr als im kleinen Kreis.

Ich denke, dass dies mit einer anderen Erkenntnis zu tun hat, die ich schon vor einer Weile hatte: Von Fremden möchte ich gern als Frau gesehen werden, wenn ich als Alina unterwegs bin, ich möchte bewusst in einer anderen Schublade laden. Von Freunden und guten Bekannten erwarte ich aber, dass sie mich gar nicht erst in Schubladen einordnen. Mit diesen Schubladen gehen auch die Namen einher. Mich in Gesellschaft von Fremden und flüchtigen Bekannten mit „Alina“ anzusprechen (bzw. wenn ich mich so vorstelle) setzt ein Zeichen: „Hey, diese Person ist zwar biologisch ein Mann, möchte aber als Frau anerkannt werden“. Wird mein männlicher Name verwendet kommt dieses Signal nicht, im Gegenteil: Das Signal ist eher, ich hätte einfach nur einen ungewöhnlichen Stil.

Anders gesagt: In der Öffentlichkeit empfinde ich meinen männlichen Namen tatsächlich als störend, wenn ich gerade Alina bin. Im kleinen Kreis würde ich auch Alina bevorzugen, weil ich mich dann anerkannter fühle, aber empfinde es kaum als negativ, wenn mein männlicher Name verwendet wird. Höchstens schade, aber nicht schlimm.

Warum ich überhaupt zwei Namen brauche und mir damit ein kompliziertes hin- und herwechseln wünsche, ist wohl einfach Druck der Gesellschaft: Wer keinen weiblichen Namen hat, ist keine Frau. Dieses Grundprinzip ist einfach in meinem Kopf, wie in den Köpfen von vielen anderen Leuten auch, verwurzelt. Warum ich dann nicht einen geschlechtsneutralen Namen gewählt habe und ihn immer verwende liegt wohl an der Zeit, in der ich mir den Namen gegeben habe, denn damals wollte ich noch eine Trennung zwischen der Frau und dem Mann in mir. Mittlerweile mag ich jedoch auf keinen der Namen mehr verzichten und mal ehrlich: Wenn ich mich plötzlich, egal wie ich unterwegs bin, Alex oder Rene(e)  oder so nennen würde, dann würde es das für Leute, die meinen alten männlichen Namen kannten, auch nicht leichter machen. Und für Leute, denen ich neu begegne, dürfte es auch nicht schwerer fallen, beide Namen zu lernen, als wenn ich einen Doppelnamen hätte. Denke ich…

Wie dem auch sei, jetzt bin ich doch schon zu spät dran. Mist. Ich hoffe, der Endspurt des Adventskalenders wird besser laufen 😉

Alina

P.S.: Ich habe die Uhrzeit dieses Eintrag mal ein wenig zurück gedreht, damit der Eintrag wieder am zugehörigen Tag erscheint und als Entschädigung, dass ich so spät dran bin, den nächsten Eintrag auch gleich veröffentlicht. 😉

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