Typische Fettnäpfchen im Umgang mit trans Menschen, Teil 1

Ich hab es endlich geschafft. Die Idee hab ich schon im Juni 2014 festgehalten, seit knapp eineinhalb Monaten plane ich konkreter und heute geht endlich mein Artikel zu Fettnäpfchen im Umgang mit trans Menschen online. Es ist dazu zu sagen, dass der Artikel bei Weitem nicht fertig ist. Ich habe noch eine lange Liste mit Punkten, die ich dort ansprechen möchte, in der Hinterhand und stolpere immer wieder über weitere Punkte. Nichts desto trotz wollte ich den Artikel schon einmal veröffentlichen und von Zeit zu Zeit neue Fettnäpfchen ergänzen und vielleicht auch dann und wann die Struktur des Artikels überarbeiten, sollte er zu unübersichtlich werden. Ihr findet ihn unter dem Link gerade eben oder in der Navigation dieses Blogs.

Viel Spaß beim Lesen und falls ihr noch Anregungen habt: Immer her damit! 🙂

Alina

Kurztrip nach Bern

Letzte Woche besuchte ich das Kitten in der Schweiz. Bevor ich hier Leute verwirre: Wie es unter anderem auf ask.fm schon mehrfach beantwortet hat, ist das korrekte Pronomen vom Kitten „es“, nicht „er“ oder „sie“. Gemeinsam unternahmen wir am Donnerstag einen Ausflug nach Bern.

Los ging der Ausflug leider mit einer kleinen Enttäuschung: Wir hatten am Vortag geplant, in Bern zu picknicken, haben Brötchen und Aufschnitt dafür gekauft und uns vorgenommen vor der Abreise noch Hähnchenschenkel an einem Stand mit zu nehmen, die laut Kitten die besten sind, die es je gegessen hat – leider hatte der Stand aber genau dann Pause, als wir dort waren. Daher mussten wir uns leider ohne Hähnchen von diesem Stand in den Bus setzen. Als wir jedoch einen Bus und eine Bahn später in Bern waren, sammelten wir am Hauptbahnhof trotzdem Hähnchen ein. Lecker waren auch diese allemal.

Unserer erster Stopp war an der großen Schanze. Die Aussicht über die Stadt bis hin zu den Alpen war spektakulär! Dort ließen wir uns dann auch für eine erste kleine Mahlzeit eine Weile nieder, bevor mir Kitten einen Teil seiner Uni zeigte. Das Gebäude selbst stand direkt an der großen Schanze und war ein ziemlich altes, stilvolles Gebäude, wodurch es ziemlich interessant war, es auch von innen zu sehen. Besonders die Malereien an der Decke waren etwas, dass ich in einer Uni eher nicht erwarten würde.

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Die Aussicht von der großen Schanze. Im Hintergrund die Alpen.

 Nach dem wir aus der Uni wieder raus waren, ging es ein kleines Stück durch die Stadt, über die kleine Schanze zum Bundeshaus. Vom Bundeshaus selbst haben wir leider kein Foto gemacht, interessant war aber, dass Kitten erzählte, dass auf der Fassade des Gebäudes immer wieder märchenhafte Lichtspektakel in Anlehnung an die Geschichte der Schweiz gezeigt werden.  In diese werden wohl die Büsten an der Fassade mit involviert, indem ihnen zum Beispiel passende Kleidung auf den Leib projiziert wird.

Von dort aus ging es dann noch etwas zu Fuß weiter zur Zytglogge – einer astronomischen Uhr. Unterwegs kauften wir noch etwas ein und ich durfte die Lauben bewundern. Kurios war für mich vor allem, dass die meisten Gebäude von der Straße aus zugängliche Keller hatten, in denen es weitere Läden gab. Eine ziemlich urige Atmosphäre!

An der Zytglogge angekommen wussten wir leider nicht so genau, wann an dieser das Figurenspiel stattfinden sollte und wir entschieden daher, nicht allzu lange dort zu verweilen. Stattdessen liefen wir zur Bushaltestelle vor – das nächste Ziel war der Bärenpark. Dort angekommen mussten wir jedoch feststellen, dass dieser aktuell umgebaut wird. Keine Bären für uns 🙁 Der Bärenpark wäre im Wesentlichen ein recht weitläufiges Bärengehege gewesen.

Es ging nun für uns einen Anstieg hinauf zum Rosengarten. Der Aufstieg war ziemlich mühsam und oben angekommen war deshalb erst einmal ein zweites Picknick nötig – und ins Besondere auch reichlich Wasser. Der Ausblick entlohnte jedoch für die Mühen!

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Die Aussicht vom Rosengarten aus war wirklich toll!

Im Anschluss an das Picknick wanderten wir noch ein wenig durch den Rosengarten selbst, bevor wir uns wieder auf den Abstieg machten. Dieser war jedoch aufgrund des steilen Pfades auch nicht ganz ohne Mühen. Wir hätten einfach rollen sollen, aber leider standen da Leute im Weg 😀 Unten wurden wir dann noch von einer Katze begrüßt, bevor wir uns auf den Weg zur Aare machten.

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Katze :3

Die Aare ist ein Fluss, der um die Altstadt von Bern herum fließt. Wir mussten uns durch ein paar Gassen schlängeln, ehe wir sie erreichen konnten und standen dann am unteren Ende des Bärenparks. Von dort aus konnten wir das leere Gehege noch ein mal bewundern. Wirklich schade, dass dort ausgerechnet aktuell umgebaut wird und ich die Bären daher nicht sehen konnte. Wir wären echt nah an sie heran gekommen. Die Aare mit ihrem unglaublich hübschen Wasser entschädigte dafür aber.

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Nach etwas Zeit am Wasser machten wir uns dann auch schon auf den Heimweg. Ich bekam Kreislaufbeschwerden, vermutlich habe ich mir aufgrund des guten Wetters einen leichten Sonnenstich geholt. Zwar war am nächsten Tag wieder alles gut, aber für den Moment reichte es mir dann doch. Wir nahmen daher den nächsten Bus zurück zum Bahnhof und fuhren von dort aus weiter, zurück zu Kittens Wohnung.

Zum Abschluss noch kurz ein anderes Thema: Ich plane schon länger, einen Artikel über typische Fettnäpfchen zu schreiben, in die Menschen, die sich mit Transsexualität nicht auskennen, gern treten. Ich habe auf Twitter schon nach Anregungen gefragt. Gern nehme ich dort oder hier in den Kommentaren weitere Vorschläge an!

Alina

M’era Luna 2015

Nachdem ich letztes Jahr eine Festival-Pause gemacht habe, bin ich dieses Jahr wieder auf das M’era Luna, ein Gothic-Festival in Hildesheim, gefahren.

Die Reise begann für mich bereits am Donnerstag, einen Tag vorm Einlass. Komplett überladen machte ich mich auf den Weg nach Dortmund, um bei Siliel eine Nacht zu verbringen. Die Tour war aufgrund des vielen Gepäcks die Hölle.


Ja, ich hab das alles getragen bekommen. Nein, ich weiß auch nicht, wie.

Leider verlief die Reise nicht so richtig reibungslos. Ab zehn Minuten vor meinem Ziel musste ich zu einem Schienenersatzverkehr wechseln. Es fuhren dafür zwei Busse. Was ich leider beim Einsteigen übersah, war der Fakt, dass nur einer der beiden die Zwischenhalte ansteuerte, während der, in dem ich saß, zum Hauptbahnhof, den ich bewusst umfahren hatte, durchfuhr. Diese Verwechslung kostete mich alles in allem über eine Stunde. Statt etwa fünf war ich deshalb sogar über sechs Stunden unterwegs.

Aber immerhin: Am Ende bin ich heil angekommen. Erster Schritt nach der Ankunft war dann aber literweise Wasser zu trinken. Bereits eine Stunde nach Aufbruch war meine Wasserflasche leer geworden, da das Schleppen ziemlich durstig gemacht hatte. Den Rest des Abends durfte ich dann aber glücklicherweise zum Entspannen nutzen.

Am nächsten Morgen musste Siliel dann relativ früh aufstehen, um an der Uni, an der er ab kommendem Semester studieren wird, Unterlagen abzugeben. Ich nutze die Zeit, um noch einmal zu duschen, denn mir war klar, dass ich auf dem Festival nicht duschen würde. Auch wenn ich mittlerweile gehört habe, dass die Festivalduschen keine Gruppenduschen sind, sind sie mir doch suspekt. Und bei einem kurzen Wochenende wie dem M’era kann ich mir es auch mal erlauben, nur vorher und nachher zu duschen. Früher habe ich auch eine Woche Wacken Open Air ohne duschen überstanden. (Mittlerweile ist meine Reinlichkeit dann doch größer, aber für die paar Tage war es jetzt okay.)

Im Anschluss gab es dann noch eine kleine Mahlzeit, bevor wir von Ai mit dem Auto abgeholt wurden. Noch einmal Kofferraum-Tetris gespielt, damit alles Gepäck ordentlich verstaut war, aber Ai trotzdem gut gucken konnte und los ging die Reise gen Hildesheim. Ai hatte mich im Voraus gefragt, ob ich notfalls zwischendurch mal das Steuer übernehmen könne, da es noch nicht allzu lange im Besitz des Führerscheins ist, fühlte sich dann aber doch sicher genug, dass es die ganze Strecke fuhr.


Meine kleine Flauschi (links) und Siliels Eicca (rechts) genossen die Aussicht.

Nach einem Zwischenstopp auf einem Rastplatz, um noch mal eine Kleinigkeit zu essen, kamen wir am frühen Abend auf dem Parkplatz des M’era Lunas an. Auf der Fahrt ergab sich, dass Kate und DFYX für uns in ihrem Camp noch Platz hatten. Die beiden holten uns dann auch mit einem Gepäckwagen am Eingang des Campinggeländes ab und halfen mit, unser Gepäck zum Camp zu bringen. Schnell bauten wir dort unsere Zelte auf, entschieden dann aber, dass nach diesem Schleppen erst einmal eine Pause und eine richtige Mahlzeit nötig war. Immerhin hatten wir den Tag Temperaturen von weit über 30°C. Wir schlossen uns daher unseren Campmitgliedern nicht an, als diese zu den Lesungen von unter anderem Markus Heitz gingen. Ich hätte die Lesung zwar gern gesehen, hätte es sich ergeben, aber in dem Moment war ich über etwas Entspannung ganz froh.

Später am Abend, als das Camp wieder vollzählig war, gab es ein zweites Abendessen, zu dem Ai, Siliel und ich dann auch eingeladen wurden. Es gab Bratkartoffeln und gegrilltes Steak. Ich habe noch nie auf einem Festival etwas so gutes gegessen und sowieso noch nie so gutes Steak – eigentlich mag ich Steak gar nicht! Aber ein Mitglied unseres Camps hatte eine für Campingverhältnisse echt schon professionelle Küche dabei – nicht nur Dutzende Gewürze, Saucen und derlei mehr, nein, auch einen großen Gaskocher und Gasgrill. Normalerweise bin ich schlichte, kleine Gaskocher und Dosenfutter gewohnt.


Wir ließen den Abend mit Seifenblasen ausklingen.

Leider gingen mir meine Schuhe bereits beim Schleppen des Gepäcks kaputt – am nächsten Morgen brachen aber glücklicherweise Kate und DFYX zum Outdoor-Laden nahe des Hildesheimer Hauptbahnhofs auf. Ich gab DFYX etwas Geld mit, um dort nach Stiefeln für mich zu schauen. Er hatte glücklicherweise Erfolg und ich bin jetzt um ein paar Stiefel reicher. Zwar hatte ich fast exakt die gleichen Stiefel hier zu Hause stehen gehabt (weiß der Teufel, warum ich die nicht eingepackt habe >.>), aber gut. Wenn die alten dann mal kaputt gehen, hab ich zumindest schon Ersatz.

Bewaffnet mit neuem Schuhwerk ging es dann erst einmal Frühstück an einem der Frühstückszelte kaufen. Die haben da ein eeecht gutes Rührei und auch die anderen Produkte sind voll in Ordnung. Preislich natürlich übliches Festivalniveau, aber das hatte ich eingeplant. Bevor wir (wieder Ai, Siliel und ich, außerdem Flauschi. Ja, die musste mit :D) uns dann auf machten, die ersten Bands zu sehen, bekam ich noch Besuch von einem guten Kumpel, den ich seit Monaten nicht gesehen hatte. Dann ging es aber endlich auf das Festivalgelände, um Lord of the Lost und Deathstars zu sehen.

Wir fanden relativ weit vorne Platz, leider standen aber ein paar große Menschen vor Ai, welches selbst nicht allzu hoch gewachsen ist. Trotzdem war das Lord of the Lost Konzert super! Tatsächlich höre ich die Band noch nicht allzu lange, aber das Konzert überzeugte mich davon, sie mehr zu hören. Für Deathstars suchten wir uns dann doch einen Platz etwas weiter von der Bühne entfernt, in der Hoffnung, dass dort das Publikum etwas lockerer stehen und Ai deshalb insgesamt mehr sehen würde. Ich selbst *sah* von dem Konzert tatsächlich eher weniger, ich war mit Tanzen beschäftigt 😀

Nach diesen Konzerten stand für uns bis zum letzten Act des Tages nichts mehr an, weshalb wir uns auf machten, die Marktstände unsicher zu machen. Ich bin mir nicht mehr sicher, wann wir welche Dinge kauften, aber ich weiß, dass im Laufe des Festivals Ai und Siliel beide Kleidung kauften, Siliel sich außerdem mit CDs und Ohrsteckern eindeckte und ich mir eine Taschenuhr gönnte.


Eine wunderhübsche Taschenuhr. Und sie gehört jetzt mir :3

Wir wollten dann eigentlich noch über den Mittelaltermarkt schlendern, entschieden uns aber dazu, nach dem Knoblauchbrot, welches wir dort aßen, doch erst einmal ins Camp zurück zu kehren. Auch dieser Tag war ziemlich warm und ich brauchte dringend was zu trinken, sah aber nicht ein, die Festivalpreise dafür zu bezahlen, wenn wir doch ausreichend Wasser im Camp hatten.

Am Abend wurden wir dann wieder bekocht. Es gab Nudeln mit Tomatensauce, letztere sogar mit Rotwein gekocht. Wie gesagt, ich hab nie zuvor auf einem Festival so gut gegessen.

Rechtzeitig vor ASP gingen wir zu dritt noch einmal auf den Markt, ich glaube, hier müsste sich Siliel dann sein neues Hemd und eine neue Hose gekauft haben. Ai ging dann noch einmal ins Camp zurück, um sein Schuhwerk zu wechseln, und stieß wieder zu Siliel und mir, als das ASP-Konzert bereits lief. Wir standen ziemlich weit hinten, was mir aber die Gelegenheit gab, etwas zu tun, dass ich bisher nie auf einem Konzert meiner Lieblingsband tun konnte: Ich tanzte mir die Seele aus dem Leib. Ernsthaft. Ich war am Ende fix und fertig und habe mindestens auf die Umstehenden so gewirkt, als ob ich mich in Trance getanzt hätte. Vielleicht habe ich das sogar ein Stück weit. Es war jedenfalls eines der besten ASP-Konzerte, die ich je erlebt habe, eben wegen des großen Abstandes zur Bühne und der Möglichkeit zu tanzen.


Flauschi auf Erkundungstour.

Der nächste Tag begann für mich mit Schlafmangel – Siliel und ich hatten uns nachts ziemlich festgequatscht. Ich entschied daher, die Lesung von Kai Meyer zusammen mit Asp (dem Frontsänger von ASP) doch nicht zu besuchen. Ich hab mittlerweile gehört, dass die verdammt gut gewesen sein soll, aber gut, Pech gehabt. So konnte ich mir mit Wach werden Zeit lassen, denn mein nächster Programmpunkt war erst am frühen Nachmittag: Tanzwut, gefolgt von Joachim Witt – letzterer ist mit dem goldenen Reiter auch außerhalb von Gothic-Kreisen in der Neuen Deutschen Welle ziemlich bekannt geworden. Beide Konzerte besuchte ich allein. Für mich waren aber beide unglaublich toll, auch wenn ich mir hier einen ziemlichen Sonnenbrand einfing.

Ich ging noch einmal ins Camp zurück, um dort zu Abend zu Essen. Zum ersten (und einzigem) Mal auf diesem M’era Luna musste ich jetzt selbst kochen, weil bis auf Ai, Siliel und ich alle schon am Packen waren. Wir waren die einzigen, die noch eine Nacht hier campen wollten, der Rest unseres Camps wollte noch in dieser Nacht nach Nightwish, dem Headliner, abreisen. Schnell machte ich mir eine Dose Ravioli – der Festivalklassiker schlechthin! – warm, dann ging es auch schon direkt weiter mit Mono Inc. Ai und Siliel schlossen sich mir an, um sich aufs Festivalgelände zu begeben, sahen sich Mono Inc. aber nicht an, sondern gingen noch einmal über den Markt.

Mono Inc. überzeugten wie immer mit ihrer sympathischen Art, ins Besondere blieb aber das Drum-Solo hängen, bei dem nach und nach die ganze Band auf irgendwelchen Drums rum trommelte, nicht nur die Drummerin. Die Einstürzenden Neubauten, ein Urgestein der deutschen Gothic-Szene, spielten als nächstes. Auch diese genoss ich allein. Die Band schaffte es, wie erwartet, mich mit ihrer Musik schon wieder fast in Trance zu versetzen. Sie machen eine sehr, sehr eigene Musik, die ziemlich experimentell ist. Schwer zu beschreiben. Aber das Konzert würde ich zu meinen persönlichen Highlights des Festivals zählen.

Im Anschluss begab ich mich dann zum mit Ai und Siliel ausgemachten Treffpunkt, um mit ihnen von dort aus Nightwish, die letzte Band des Festivals, zu genießen. Wieder standen wir auf Empfehlung von Siliel recht weit hinten, um die Light- und Feuershow als ganzes betrachten und genießen zu können – wozu wir dann aber kaum kamen, denn wir wurden von einer Maus abgelenkt. Vielleicht zwei bis drei Meter vor uns huschte eine Maus auf dem Boden herum, die immer wieder in einem Loch verschwand, wenn ein Fuß ihr zu nah kam. Rund ein Dutzend schwarz gekleidete, auch-so-böse Gothics waren von der Maus viel gebannter als vom Konzert und versuchten immer wieder, die Maus aus ihrem Loch zu locken. Ja, ja, wir Gothics sind schon echt schlimme, grausame Menschen. Nicht 😀

Eine letzte Nacht verbrachten wir noch auf dem M’era Luna Campground, bevor wir am nächsten Tag unsere Zelte einpackten. Das heißt… zwei packten wir ein. Das dritte… nun. Es blieb dort.



RIP Zelt. (oben links ich, oben rechts Siliel)

Das Zelt hatte in der ersten Nacht nicht ganz dicht gehalten und das nicht zum ersten Mal. Da es auch schon über zehn Jahre auf dem Buckel hat und zwischendurch auch mit Schimmel zu kämpfen hatte, entschied ich mich, mir auf dem Rückweg zumindest etwas Gepäck zu sparen und das in den Müll zu geben. Wir hatten ziemlich Spaß dran, das Zelt vorher noch etwas zu zerstören, wie eins auf den Bildern gut sieht 😀

Eine Dusche später fiel die Entscheidung, dass ich noch eine Nacht bei Siliels Familie verbringen könnte, was ich gern nutzte. Am nächsten Tag ging es dann für mich nach Hause. Diesmal Komplikationsfrei, selbst der Schienenersatzverkehr war nicht mehr nötig, so das ich die übliche Strecke fahren konnte. Wieder einmal bewahrheitete sich mein alter Aberglaube: Jedes Mal, wenn ich verreise, geht genau eine Strecke schief – diesmal die Hinfahrt zu Siliel, weshalb die Fahrten hin und weg vom M’era und von Siliel nach Hause reibungsfrei klappen mussten 😀

Alina

P.S.: Eine Anekdote noch: Ich bin auf dem M’era Luna ins Gesamt sieben mal auf mein Ohnezahn-Shirt, welches auf dem vorletzten Bild zu sehen ist, angesprochen worden. Ein achtes Mal wurde ich wegen des Fotos auf das Shirt angesprochen, bevor ich dieses P.S. schrieb 😀

Spontanität

Ich hab ja im letzten Beitrag schon geschrieben, dass es einige Dinge gibt, die ich wegen meiner Depression nicht geschafft habe, für die die Energie fehlte. Spontanität war eines dieser Dinge.

Nun hatte ich die letzten Wochen viel Uni-Stress und deshalb schlicht keine Zeit und bin danach direkt auf’s M’era Luna gefahren (Festivalbericht folgt vermutlich heute Abend oder morgen). Heute ist der erste wirklich freie Tag seit langem. Und siehe da: Ich bin in rund 40 Minuten verabredet. Ausgemacht vor nicht mal 10 Minuten.

Geht doch! Ich hab meine Spontanität echt vermisst. 🙂

Viel Neues

Contentwarning: Dieser Artikel umfasst die folgenden Themen: Depressionen

In über sieben Monaten hat sich viel getan. Ich werde versuchen, hier einigermaßen chronologisch die Dinge zu erzählen, die mir schon lange auf der Zunge brennen.

Ich schrieb zuletzt davon, mir aufgrund meiner Depressionen einen Platz in einer psychiatrischen Tagesklinik gesichert zu haben. Ich war dort im Januar und Februar für fünf Wochen und hab dort viele nützliche Dinge gelernt. Zum einen habe ich in der Zeit gelernt, viel bewusster zu kommunizieren, habe gelernt, wie wichtig es ist, Dinge, die mir wichtig sind, anzusprechen und mit ihnen offen umzugehen. Diese Sachen hatte ich in der Vergangenheit oft für mich behalten und versucht, sie selbst zu lösen oder Zeichen zu machen, was ich will, ohne es konkret anzusprechen. Oder ich habe unschöne Dinge hingenommen statt sie anzusprechen.

Ein gutes Beispiel dafür ist, als ich in der Klinik eines vormittags von jemandem mit Pronomen „er“ betitelt wurde. Es war recht offensichtlich, dass die Person damit nicht so recht zufrieden war, aber sich nicht zu helfen wusste. Ich sprach sie im Anschluss des Programmpunktes unter (mehr oder weniger) vier Augen darauf an, dass ich das unschön fand und um „sie“ als Pronomen bitten würde. Die Person reagierte verlegen und entschuldigte sich nicht nur einmal für das falsche Pronomen. Ich wiederum erklärte, dass es schon okay für mich sei, solange sie jetzt drauf achten würde. Ich bin mir ja bewusst, dass mir einige Menschen meine Transsexualität ansehen und nie gelernt haben, wie sie damit umgehen sollen. Danach konnten wir beide diese Sache abschließen und waren zufrieden.

Abseits vom Kommunizieren lernte ich auch einige Skills, die mir helfen, wenn es mir gerade akut schlecht geht. Insbesondere Stabilisierungs-/Imaginationsübungen helfen mir auch heute noch, negative Gefühle leichter aufzuarbeiten. („Auch heute noch?“ werdet ihr fragen. Aber Gemach, liebe LeserNinnen. Dazu komme ich noch.) Wenn die Konzentration nicht reichte, um diese Übungen durchzuführen, half mir Origami, diese Konzentration zu gewinnen. Beim Falten von mir bereits vertrauten Figuren brauchte ich keine wirkliche Konzentration auf das, was ich tat, aber musste meinen Fokus auf das Papier richten. Nach ein, zwei Figuren war mein Kopf dann eigentlich immer zumindest für eine kurze Zeit einigermaßen klar, so dass ich dann die Stabilisierungsübungen angehen konnte, die mir halfen, zumindest für die nächsten Stunden diese Freiheit von negativen Gefühlen zu halten – genug Zeit zu versuchen, den Auslöser der Emotionen zu ergründen und beheben.

Der Aufenthalt in der Tagesklinik hat mir also definitiv etwas gebracht. Jedoch…

Die nächsten vier Wochen waren bei mir Klausurenphase. Diese Zeit war deshalb so besonders, weil nur zwei Klausuren mich von meinem Bachelor-Titel trennten. Zumindest eine der Klausuren würde aber erst ein Semester später wieder angeboten werden, sollte ich durchfallen – das würde nicht nur ein Semester länger im Bachelor bedeuten, sondern finanzielle Probleme mit sich bringen, da ich auf keine weitere Verlängerung des BAföGs hoffen konnte. Entsprechend legte ich mich beim Lernen ins Zeug. Die erste Klausur lief dann auch ganz gut, die zweite jedoch gar nicht. Zu viel Stoff wurde abgefragt, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Ich hatte das Gefühl nicht einmal die Hälfte aller Punkte gesammelt zu haben und bekam Panik, dass ich ausgerechnet diese Klausur, die erst ein Semester später wieder angeboten wurde, in den Sand gesetzt hatte. Meine Depressionen kamen mit dieser Angst zurück.

Zwar durfte ich etwa eine Woche später feststellen, dass die Angst unnötig war (offenbar hatte jeder mit dieser Klausur Probleme und die Bestehensgrenze wurde entsprechend angepasst), aber auch wenn die Angst damit verflog, die Depression blieb. Und das über Monate.

Es ist nicht so, dass ich in dieser Zeit gar nicht glücklich sein konnte. Aber es brauchte immer einen Auslöser. Ich war nicht „einfach so“ glücklich. Versagensängste wurden mein ständiger Begleiter. Ich konnte meine Erfolge nicht mehr sehen, wenn ich nicht mit der Nase drauf gestoßen wurde, nahm nur die Fehler wahr. Ich kämpfte antriebslos mit meinem Studium und war einige Male kurz davor es einfach hinzuschmeißen, obwohl der Stress rückblickend kein großer war. Es gab durchaus Momente, in denen ich hätte platzen können vor Glück, vor Freude. Aber nie hielt es lange. Ich hatte das Gefühl, dass Energie, Antrieb eine Flüssigkeit war und ich ein löchriger Eimer. Ich konnte die Energie einfach nie lange halten. Und wenn etwas nicht so lief, wie erhofft, riss mich dies immer häufiger so weit runter, dass ich keine Energie mehr hatte, auch nur zu falten oder eine Stabilisierungsübung zu machen. In diesen Momenten kam ich nur noch mit einem Medikament aus meinem Loch, welches ich genau für solche Situationen mitbekommen hatte.

Bis Ende Mai wurde es immer schlimmer und ich entschied mich, mich erneut an die Tagesklinik zu wenden. Zwar wollte ich das laufende Semester noch irgendwie abschließen und erst im Wintersemester wieder in die Klinik, aber ich brauchte irgendein Licht am Ende des Tunnels. Anfang Juni nutzte ich dann einen Moment, in dem ich zumindest etwas Kraft hatte, um in der Klinik anzurufen. Mittlerweile ist mir dort ein Platz im September sicher, um den ich als Absicherung sehr froh bin. Aber es hat sich mehr ergeben.

Ebenfalls Anfang Juni hatte ich einen Termin bei meiner Endokrinologin. Ich sprach mit ihr erneut darüber, dass die Depressionen in den letzten zwei Jahren deutlich zugenommen haben und fragte, ob es die Möglichkeit gebe, andere Medikamente zu verwenden. Die gab es und ich tauschte Androcur gegen Utrogest als Testosteronblocker.  Bereits nach 2-3 Wochen merkte ich eine deutliche Veränderung. Ich habe deutlich mehr Energie – dass ich endlich mal wieder blogge, ist nur einer von vielen Beweisen, wie viel besser es mir geht. In meinem Freundeskreis, ja selbst in meinen Livestreams bin ich darauf angesprochen worden, dass ich wie ausgewechselt wirke, deutlich glücklicher wirke. Dies deckt sich mit meinem Empfinden. Und genau deshalb sage ich, ich bin froh, einen Termin in der Klinik in der Hinterhand zu haben, aber ich rechne mittlerweile damit, ihn nicht zu benötigen. Ich warte noch ab, ob sich doch wieder etwas verändert.

Hätte ich vor 1-2 Monaten noch gesagt, die Hormone seien mir wichtiger als meine geistige Gesundheit, muss ich das jetzt revidieren. Ich hatte vergessen, wie es ist, glücklich zu sein und Energie zu haben. Sollte sich herausstellen, dass die aktuelle Dosis an Utrogest noch falsch ist und nach oben korrigiert werden müssen und sollten dadurch die Depressionen zurückkehren, werde ich erneut das Medikament wechseln. Und wenn alles nichts hilft, dann werde ich keine Hormone mehr nehmen. Das würde natürlich viele Veränderungen, die ich hier schon häufiger angesprochen habe, wieder rückgängig machen, aber bevor ich mich mit solchen inneren Dämonen quäle, kaschiere ich lieber meinen Körper.

Natürlich heißt das alles nicht, dass ich jetzt keine Probleme mehr habe oder nicht von Zeit zu Zeit weine. Es sind in den letzten Wochen einige Dinge passiert, die mich zum Weinen gebracht haben. Ich möchte auf die Details nicht groß eingehen. Was ich aber sagen möchte, ist, dass ich dies nun wieder überstehe, ohne auch nur an das Notfallmedikament denken zu müssen. Der Schmerz ist nicht mehr übermächtig, ich habe die Energie, ihn ohne Hilfe zu überstehen. Und um auch diesen Kreis zu schließen: Ich nutze trotzdem immer noch gerne die Stabilisierungsübungen. Nicht, um es in den akuten Momenten aus dem Schmerz zu schaffen, sondern viel mehr um an mir zu arbeiten. Ich nutze sie zum Beispiel, um an bleibenden Gefühlen zu arbeiten, die sich untergründig über lange Zeit erstrecken, um diese schneller überwinden zu können.

Ich hoffe, dass das Kapitel „Depressionen“ damit für mich endlich abgeschlossen ist. Die Zeit wird es zeigen. Wenn nicht, weiß ich aber, wo ich Hilfe bekommen kann und werde es hoffentlich nicht wieder so schlimm werden lassen, wie es war.

Vielleicht noch ein paar Worte zu Dingen, die ich bisher nur andeutete:

Ich habe mittlerweile offiziell den Bachelor of Science in Informatik abgeschlossen. Selbst das erste von hoffentlich vier Semestern des Masters ist so gut wie abgeschlossen und mittlerweile hab ich dabei auch wieder ein gutes Gefühl und Spaß am Studium. Auch ansonsten sieht mein Leben eigentlich echt gut aus. Ich habe tolle Menschen an meiner Seite, die mich unterstützen, tolle Freunde und eine ebenso tolle Familie. Meine sozialen Kontakte waren die letzten Monate, wenn nicht Jahre, zurückgegangen und beschränkten sich auf geplante Veranstaltungen. Davon gab es zwar genug, dass ich mich nicht isoliert habe, aber ich habe mich quasi nicht mehr spontan mit Freunden getroffen, was früher üblich war. Ich werde die nächste Zeit versuchen, was das angeht wieder Fuß in meinem Freundeskreis zu fassen und wieder mehr zu unternehmen. Ich denke, jetzt, wo ich dafür wieder Energie habe, sollte das gut machbar sein.

Soviel zum Rundumschlag. Ich denke, dass ist so das wichtigste der letzten Monate. Als nächstes könnte ich dann ja endlich mal das Layout des Blogs überarbeiten und ihn auf mobilen Geräten vernünftig lesbar machen 😀

Bis bald,

Alina

Wieder ein Jahr vorbei

Contentwarning: Dieser Artikel umfasst die folgenden Themen: Depressionen (am Rande erwähnt)

Nun ist bereits Dezember und damit schon wieder ein Jahr fast rum. Gerade die letzten Monate wurde es auf meinem Blog wieder sehr ruhig. Das hat zwei Gründe: Zum einen gab es nicht viel, von dem ich hier hätte bloggen wollen. Ich hab in letzter Zeit viele tolle Dinge erlebt, aber so richtig etwas großes, das ich gern gebloggt hätte, gab es nicht wirklich. Zum Anderen… nun ja. Schrieb ich vor zwei Monaten noch im Artikel über Depressionen, dass ich hoffte, meine seien Überwunden, erwischten sie mich kurz darauf doch wieder. Sie sind gefühlt ähnlich schlimm wie die, die ich letztes Jahr erlebt habe, aber dieses Mal hab ich die oben erwähnten tollen Erfahrungen, die mich noch gut über Wasser halten. Die Depressionen haben aktuell wenig Einfluss auf meinen Alltag, halten mich aber in meiner Freizeit davon ab, meinen Hobbys groß nach zu gehen. Stattdessen pflege ich meine sozialen Kontakte, ein weiterer wichtiger, stützender Faktor.

Ich kann mich aber darauf nicht ausruhen. Soziale Kontakte und gute Ablenkung mögen mich vorerst stützen, aber das wird natürlich nicht ewig gut gehen. Aus diesem Grunde habe ich mich mittlerweile an eine Tagesklinik gewendet und werde dort im Januar einen Platz bekommen – im Dezember stehen noch einige Termine an, die ich unbedingt wahrnehmen möchte, um vorher etwas Kraft zu tanken. Dazu gehören vor Allem Weihnachten bei meinen Eltern und das erste Furious Feedback – Konzert. Furious Feedback ist das musikalische Projekt von Daniel, den ich ja auch schon hin und wieder hier im Blog erwähnte, und ich verfolge das Projekt vom ersten Demo-Song an mit Begeisterung. Zwischendurch werde ich mich außerdem wieder mit vielen tollen Leuten treffen, die ich sonst viel zu selten sehe.

Ein paar Dinge möchte ich aber doch noch erzählen, die mir in letzter Zeit widerfahren sind. Sie sind alle keinen eigenen Blogpost wert, aber vielleicht trotzdem ganz interessant.

Meine Gesichtszüge werden zunehmend weicher. Vor ein paar Tagen lernte ich eine junge Frau kennen, die mir im Laufe des Abends das Kompliment machte, ich habe so ein schönes Gesicht. Später sprach ich sie darauf an, ob sie gemerkt habe, dass ich Transsexuell bin – ja, hatte sie, aber nur, weil sie mit der Thematik vertraut ist. Insbesondere hob sie hervor, dass sie der festen Überzeugung ist, dass Menschen, die sich nicht mit Transsexualität auskennen, mein Gesicht garantiert als weiblich identifizieren würden.

Vor ein paar Wochen war ich für ein Wochenende in Österreich. Dort traf ich auf ein Pärchen, welches meinte, mich zu erkennen. Nach einigem hin und her wurde uns klar, woher: Die beiden lesen meinen Blog. Hallo an euch zwei 🙂 Ich fand es echt faszinierend, aber auch etwas irritierend, plötzlich und ohne Vorwarnung an einem Ort, an dem ich nie zuvor war, zwei Menschen zu treffen, die meinen Blog lesen und mich dann sogar erkennen. Auf jeden Fall eine sehr interessante Erfahrung!

Nach einigem Hin und Her ist meine Bachelorarbeit durch und dieses Semester stehen nur noch zwei Vorlesungen an, bis ich dann auch meinen ersten akademischen Abschluss (Bachelor of Science in Informatik) habe. Auch war meine finanzielle Absicherung zwischendurch wackelig, hat sich nun aber gefangen und ich habe ein recht entspanntes (Rest-)Semester vor mir. Das ist auch gut so, schließlich hab ich ab Januar ja auch noch ein bisschen mehr um die Ohren.

Ansonsten gibt es, denke ich, nicht viel, das erzählenswert wäre, daher belasse ich es an dieser Stelle einfach dabei. Die nächsten Wochen und Monate wird’s dann hier vermutlich wegen dem Rumreisen und dem Klinikaufenthalt auch weniger von mir zu hören geben, aber vielleicht hab ich danach dann wieder mehr interessantes zu erzählen.

Alina

Gastartikel: Die Sicht des Bruder

Endlich gibt es wieder einen Gastartikel. Diesmal habe ich meinen Bruder dazu überreden können, ein bisschen was darüber zu schreiben, wie er zu meiner Transsexualität steht.

Für mich begann alles etwa im Sommer 2011. Unsere Mutter sagte mir, dass Alina die Tage mal mit mir reden müsse. Ich wusste natürlich nicht worum es ging. Als der Tag kam, saßen Alina (damals für mich noch mein Bruder) und ich in der Küche am Esstisch. Ihr Blick ging mehr auf den Tisch als auf mich, woraus ich schließen konnte, wie schwer es ihr eigentlich fiel mir das zu erzählen. Damals outete sie sich mir als „Cross-Dresser“. Unsere Eltern wussten es schon lange und einige Freunde von Alina auch, nur ich wusste nichts davon, bis zu dem Zeitpunkt. Aufmerksam hörte ich mir an was sie sagte. Gestört hat es mich nicht. Für mich hat sich ihr gegenüber nichts verändert oder um es anders zu sagen: es war mir egal. Für mich war und ist sie die selbe Person wie auch vorher. Schließlich ändert sich ihre Art mir gegenüber doch nicht.

Doch das alles war wohl nur die Selbstfindungsphase. Sie wusste wohl damals selbst noch nicht genau was sie nun ist. Schließlich kam der Tag an dem sie sich mit ihrer Transsexualität uns gegenüber geoutet hat. Auch das war mir egal. Sie ist und bleibt meine Familie.

Während dessen war ich noch in der Ausbildung und schnell sprach sich in der Firma herum, dass meine Schwester transsexuell ist. Ich habe daraus auch kein Geheimnis gemacht. Es wirkt aber bis jetzt nicht so als wenn meine Kollegen damit ein Problem hätten. Ab und zu kommen mal „deine Schwester“ Witze, über die ich meistens auch lachen kann, aber wenn es mal zu weit geht, bekommen sie es auch zu spüren. Es kam zwar noch nicht oft vor, dass einer zu weit ging, aber jedes mal hat derjenige sich auch hinter dafür entschuldigt. Meine Arbeitskollegen wissen aber auch, wie locker ich mit dem Thema umgehe. Es gab aber leider auch Ausnahmen. Leute die damit nicht umgehen könnten und genau diese Leute lass ich es auch spüren, dass ich mit Ihnen absolut nichts zu tun haben will! Wenn jemand was gegen meine Schwester hat, will und werde ich auch nichts mit Ihm zu tun haben. Diese Leute sind schlicht weg zurückgeblieben und sind es nicht wert, dass ich mich mit Ihnen beschäftige! Schließlich sucht sich niemand aus transsexuell, homosexuell oder heterosexuell zu sein. Man ist es einfach. Es ist doch keine Entscheidung. Es sind Gefühle. Toleranz und Akzeptanz sollten doch in unser doch modernen und aufgeklärten Welt, in unserer Gesellschaft normal sein. Aber genau das ist leider noch nicht der Fall.

Egal was auch passiert, egal was kommt, ich werde immer zu 100% hinter Alina stehen. Hinter meiner Familie.

Depressionen und der Umgang damit

Contentwarning: Dieser Artikel umfasst die folgenden Themen: Depressionen
Hinweis: Dieser Artikel ist veraltet und entspricht nicht mehr meinen aktuellen Ansichten.

Zunächst möchte ich an dieser Stelle eine Contentwarnung aussprechen. Ich hoffe zwar, dass sie unnötig ist, aber kann nicht ausschließen, dass dieser Artikel bei xiem einen oder anderen Unbehagen oder Ähnliches auslöst. Ich möchte hier offen über das Thema Depressionen reden, weil ich es für ein wichtiges halte, über das zu oft geschwiegen wird. (Dies bedeutet nicht, das eins ständig allen Menschen erzählen soll, wie schlecht eins es hat, aber dazu später mehr.) Außerdem verwende ich ab diesem Artikel die geschlechtsneutralen Pronomen und Binnen-N-Schreibweise, wie im letzten Artikel angekündigt.

Dieses Thema brennt mir schon lange unter den Nägeln, den ich selbst lebe mit Winterdepressionen. Nein, ich leide nicht unter ihnen. Zumindest nicht ständig. Ich sorge dafür, kämpfe darum, dass ich nicht unter ihnen leide. Es gibt sicher Zeiten, da werfen sie mich komplett aus der Bahn, aber im Wesentlichen lebe ich ein ganz normales Leben und habe die Depressionen in Griff. Aber dieses Glück hat nicht jedmensch.

Ich habe bis vor einem Jahr meine Winterdepressionen als „leicht“ eingestuft. Seit mindestens meiner Pubertät kenne ich sie und habe glücklicherweise recht schnell gemerkt, wie ich sie in den Griff bekommen. Mein Patentrezept war bis dahin, einen gut gefüllten Terminkalender zu haben. Der Trick war es, zwar keinen Stress zu haben, der die Depression begünstigt hätte, aber auch keine Zeit zum Nachdenken. Gerade wenn ich viel mit meinen FreundNinnen unternehme, ist das alles andere als Stress, aber eine Ablenkung von Gedanken, die nur allzu schnell düster werden, wenn ich nicht aufpasse.

Es ging selten soweit, dass ich darüber nachgedacht hätte, mir etwas an zu tun. Getan habe ich mir aber nie tatsächlich etwas.

Mir hat es geholfen, wenn es mir akut schlecht ging, mit engen Vertrauten zu reden. Selten waren das meine Eltern, meist eher FreundNinnen. Oft hat es mir auch geholfen, eine Weile traurige Musik zu hören, mich einmal in meine Depressionen hineinzusteigern, mich auszuweinen. Danach ging es mir meist besser, weil ich meinen Frust, meine Probleme rauslassen konnte.

Dies hat sich alles seit ich die Hormone nehme verschlimmert.

Im letzten Winter hatte ich das erste Mal Gedanken daran, mich umzubringen. In den Momenten fühlte es sich so an, als seien die fehlenden Mittel das einzige, was mich davon abgehalten hat. Mensch sagt gern, wenn sich jemensch umbringen will, fände xier einen Weg, aber ich habe höllische Angst vor Schmerzen und es kam auch in den Momenten nur ein schneller, möglichst schmerzfreier Tod für mich in Frage. Heute glaube ich zwar, dass mein Überlebenswille stärker gewesen wäre, und ich mir auch mit entsprechenden Mitteln nicht das Leben genommen hätte, in den Momenten fühlte es sich aber nicht danach an.

Seit dieser Zeit hilft es mir kaum noch, mit Leuten zu reden. Ich tu es immer noch, aber es tut mir weniger gut als früher. Was mir hilft, ist, von engen Vertrauten in den Arm genommen zu werden und mich ausweinen zu dürfen, denn alleine oder „nur“ mit trauriger Musik bekomme ich kaum noch Tränen heraus. Das Weinen-Können und -Dürfen ist dann unglaublich befreiend für mich.

Auch meine bisherige Vermeidungsstrategie funktionierte letzten Winter nicht mehr – ich hatte kaum die Kraft, meinen Terminplan ausreichend mit Ablenkung zu füllen. Hätte ich von Anfang an mehr hierauf geachtet, wäre der Winter unter Umständen leichter gewesen, aber es gab einige Momente, in denen ich getriggert wurde – Situationen also, die meine Depression nahezu unmittelbar hervorriefen. Spätestens in diesen Situationen, die die eigentlich schlimmen waren, wäre der Winter trotzdem gleich verlaufen.

Nun ist der letzte Winter überstanden, der nächste steht jedoch langsam aber sicher vor der Tür. Da ich mir mittlerweile Gedanken um den kommenden Winter mache und nicht will, dass sich der letzte wiederholt, wollte ich eigentlich versuchen, ein Rezept für Notfallmedikamente zu bekommen, wurde hierfür jedoch an Psychaterninnen verwiesen. Da in der näheren Umgebung aber Psychatermangel gibt, habe ich keine Chance, rechtzeitig einen Termin zu bekommen. Mein Plan B besagt daher jetzt, dass ich immer Baldrian im Haus haben werde. Baldrian hat mir über das Jahr hinweg schon mehrfach über Stimmungstiefs hinweg geholfen, wenn ich es allein nicht geschafft habe. Außerdem werde ich meinen Terminplan wieder füllen. Meine Livestreams sind hierbei eine Hilfe. An ihnen habe ich Spaß und Ablenkung und kann sie spontan starten, wenn ich nichts anderes vor habe.

Wenn der Winter auch nur im Ansatz so schlimm wird wie der letzte, werde ich mich nächstes Jahr weiterhin um einen Therapieplatz speziell für meine Winterdepression bemühen.

Kurzum: Nein, es ist nicht schön mit Winterdepressionen. Aber auch nein, niemand muss sich deshalb Sorgen um mich machen. Ich habe einen Schlachtplan und bin mir sicher, diesen Winter die Depression wieder niederzuringen.

Ich kenne aber auch die andere Seite der Medaille. Ich kenne einige Leute, die mit ihrer Depression mehr zu kämpfen haben als ich. Über die Jahre hinweg habe ich einige Menschen kennen gelernt, bei denen die Depression mit verschiedenen anderen Symptomen einher ging, oftmals Selbstverletzendem Verhalten (SVV). Die Geschichten dahinter sind dabei die unterschiedlichsten.

Während einige dieser Leute sich wieder und wieder darum bemühen, ihre Depression zu überwinden, viele davon trotz mehrmaligem Scheiterns, gibt es jedoch leider einige Menschen, die sich auf ihren Problemen ausruhen. Manchmal sind sie sich darüber im Klaren, dass ihre permanente Trauer krankhaft ist, manchmal nicht, in beiden Fällen suchen sie aber nicht nach Hilfe. Statt dessen müssen FreundNinnen herhalten, auf deren Ratschläge selten gehört wird. Statt nach einer Lösung zu suchen, suchen sie nach Bestätigung. Diese Menschen sind meiner Erfahrung nach Gott sei Dank die Minderheit. Ich gehe ihnen mittlerweile konsequent aus dem Weg, auch wenn es nicht immer ganz einfach ist, denn tragische Schicksale stecken meist trotzdem dahinter. Nur habe ich die Erfahrung gemacht, dass es eine Verschwendung der Kraft ist, die ich selbst gut gebrauchen kann, um nicht selbst in Trauer zu fallen.

Es gibt noch eine ähnliche Verhaltensweise, der ich konsequent aus dem Weg gehe, die ich vor Allem im Internet beobachte. Es gibt Menschen, die in sozialen Netzen in alle Welt heraus posaunen, wie schlecht es ihnen geht, die dann aber auf Rückfragen nicht antworten wollen oder sogar aggressiv werden. Auf der einen Seite muss diesen Menschen klar sein, damit unter Umständen viele Leute zu erreichen, auf der anderen wird Hilfe aber wieder abgeleht, siehe oben.

Zwar bin ich grundsätzlich für eine Enttabuisierung der Thematik, aber ich bin der Meinung, eins sollte über die eigenen Probleme nur mit Vertrauten Menschen reden – mit solchen, von denen mensch weiß, dass sie einen nicht dafür verurteilen, Probleme zu haben und denen gegenüber eins sich öffnen kann. Gerade auf Twitter sehe ich oft bereits in Profilen von Menschen, dass sie dort Dinge wie „sucht Liebe“ oder „immer traurig“ oder direkt „depressiv“ stehen haben. Sie drängen damit ihrem Umfeld ihre Probleme auf und reduzieren sich damit letztlich selbst darauf. Dadurch wirkt es mindestens auf mich auch „abstoßend“ im Sinne von „ich will mit so jemenschen nichts zu tun haben“.

Menschen, die sich von diesen letzten Absätzen angesprochen fühlen, würde ich dazu raten, ihre Probleme (und das sind in diesem Moment nicht zwingend nur das, was mensch klassischerweise als Depression bezeichnen würde) nicht öffentlich zu machen, zumindest nicht die akuten. Ich halte es unter Gewissen Umständen, gerade zur Aufklärung, sinnvoll, offen mit diesen Problemen umzugehen. Wenn es einem aber gerade akut schlecht geht, sollte eins sich lieber mit engen Vertrauen austauschen. Diese können einem viel besser beistehen und einen besser verstehen, als ein Kollektiv, in dem sich letztlich doch selten jemensch und noch seltener dier Richtige aufgefordert fühlt, zu helfen. Hat eins einen solchen Vertrauten nicht, kann es trotzdem in meinen Augen sinnvoll sein, zumindest eine Weile die Probleme zu verheimlichen und sich jemenschen zu suchen, dier helfen kann – in schlimmen Fällen einen Therpeutnin, in weniger schlimmen einen Vertrauten, den eins in der Zwischenzeit findet.

Natürlich gilt bei diesem Artikel wie immer, dass dies alles meine Meinung ist. Ich bin mir sicher, dass einige LeserNinnen stellenweise andere Ansichten vertreten werden. Gerade bei diesem Post würde ich mich daher sehr über Kommentare freuen.

Alina

Geschlechtsneutrale Pronomen, Artikel und Substantive

Erinnert sich noch jemand daran, wie unglaublich wütend ich war, als ich von der Gender Gap erfahren habe?

Während sich meine Einstellung zur Gender Gap wenig geändert hat, ich empfinde sie immer noch als eine Art Schweigeminute und damit als unangemessen, bin ich längst zum Schluss gekommen, dass das generische Maskulinum eigentlich auch nicht wirklich toll ist. Ja, ich stehe zum Argument, dass das generische Maskulinum ein grammatikalisches Phänomen ist, das halt irgendeine Form für generische Formulierungen gewählt werden musste.

Aber dennoch sehe ich mittlerweile das Problem, dass mit dem generischen Maskulinum meist trotzdem primär Männer verknüpft werden. Spreche ich davon, dass ein Schüler immer aufmerksam sein sollte, dann werden die meisten Menschen einen Jungen oder jungen Mann vor sich sehen, der aufmerksam sein soll. Alternativen habe ich lange nicht wirklich gesehen oder gekannt.

Als ich aber auf Mädchenmannschaft über den Artikel „Pronomen ohne Geschlecht“ stolperte, wurde ich hellhörig. Dort wird zwar nicht direkt auf Alternativen zur Gender Gap eingegangen, die ja Nomen betrifft, aber auf Pronomen und Artikel. Statt von „er“ oder „sie“ zu reden, machen es diese Pronomen möglich von „xier“ zu reden – xier kann immer dort verwendet werden, wo er oder sie verwendet werden könnten, sagt dabei aber nichts über das Geschlecht aus.

Ich recherchierte etwas weiter, denn nun wollte ich bitte auch eine Alternative zur Gender Gap, mit der ich zufrieden sein konnte. Neben Schreibweisen mit Sternchen (Schül* (gesprochen: „Schülstern“) oder Schüler*In (ich weiß bisher nicht, wie dies ausgesprochen wird)), gab es noch das Binnen-N der Syvain-Konvention (SchülerNinnen). Da ich finde Schül* klingt gesprochen eher seltsam und ich bei Schüler*In nicht einmal sicher weiß, wie man es denn nun ausspricht, habe ich mich entschieden, zukünftig die Binnen-N-Schreibweise sowie die oben genannten Pronomen ohne Geschlecht nach AnnaHeger hier im Blog zu verwenden.

Das bedeutet nicht, dass ich auf die klassischen Pronomen jetzt verzichten werde, denn die meisten meiner Freunde, die ich hier erwähne, ordnen sich meines Wissens nach einem der klassischen Geschlechter zu. Da werde ich auch weiterhin das entsprechende Pronomen verwenden. Generalisiere ich aber oder rede von Leuten, deren Geschlecht ich nicht kenne oder nicht preisgeben möchte, so werde ich die Pronomen ohne Geschlecht verwenden (und im generalisierenden Fall auch die Binnen-N-Schreibweise).

Das wird sicherlich anfangs ungewohnt – für mich wie auch für vermutlich viele meiner Leser. Und niemand kann mir sagen, ob diese Kombination, die ich verwenden werde, sich durchsetzen wird. Trotzdem finde ich es mittlerweile wichtig, dass sich die Sprache hier weiterentwickelt. Die Vielfalt, für deren Anerkennung ich kämpfe, sollte sich auch sprachlich wiedergeben lassen, ohne, dass ich dafür Englisch oder Schwedisch sprechen muss – unter anderem diese beiden Sprachen kennen nämlich bereits Pronomen ohne Geschlecht.

Ich werde mich bei Zeiten drum bemühen, meine Begriffe-Seite mal aufzuräumen und um Verweise auf die Pronomen und das Binnen-N zu machen. Bis dahin findet ihr bei Verständnisproblemen aber ja hier die wichtigen Links.

Alina

Wäre doch zu schön, würde Pläne aufgehen

Ich lebe noch! 😀

Wie schon so manches Mal, wenn ich versprochen haben, „bis X fange ich wieder regelmäßiger zu bloggen an“ ist mir auch diesmal etwas dazwischen gekommen. Und bevor ich halbgare Blogposts lieblos hier in den Raum werfe, müsst ihr in solchen Momenten leider damit leben, dass es hier etwas still wird. Mir ist es einfach wichtiger, mir Zeit für meine Artikel zu nehmen, auch wenn darunter leider immer wieder die Regelmäßigkeit leidet. Ich hoffe ihr habt dafür Verständnis.

Grund ist diesmal übrigens meine Bachlorarbeit, die ich noch diesen Monat fertig bekommen musste, da ich Verlängerung, mit der ich fest gerechnet hatte, doch nicht bekommen habe. Bedeutete für mich in den letzten Wochen ziemlichen Stress, aber keine Bange: Ich hab es letztlich alles geschafft.

Damit hab ich jetzt alle Prüfungen und Ähnliches für dieses Semester hinter mir und noch einige Zeit bis die Vorlesungen wieder los gehen. Ich will nichts versprechen, bin aber optimistisch, in naher Zukunft einige schon längere geplante Posts schreiben zu können 🙂

Alina