Wäre doch zu schön, würde Pläne aufgehen

Ich lebe noch! 😀

Wie schon so manches Mal, wenn ich versprochen haben, „bis X fange ich wieder regelmäßiger zu bloggen an“ ist mir auch diesmal etwas dazwischen gekommen. Und bevor ich halbgare Blogposts lieblos hier in den Raum werfe, müsst ihr in solchen Momenten leider damit leben, dass es hier etwas still wird. Mir ist es einfach wichtiger, mir Zeit für meine Artikel zu nehmen, auch wenn darunter leider immer wieder die Regelmäßigkeit leidet. Ich hoffe ihr habt dafür Verständnis.

Grund ist diesmal übrigens meine Bachlorarbeit, die ich noch diesen Monat fertig bekommen musste, da ich Verlängerung, mit der ich fest gerechnet hatte, doch nicht bekommen habe. Bedeutete für mich in den letzten Wochen ziemlichen Stress, aber keine Bange: Ich hab es letztlich alles geschafft.

Damit hab ich jetzt alle Prüfungen und Ähnliches für dieses Semester hinter mir und noch einige Zeit bis die Vorlesungen wieder los gehen. Ich will nichts versprechen, bin aber optimistisch, in naher Zukunft einige schon längere geplante Posts schreiben zu können 🙂

Alina

Umfrage unter queeren Jugendlichen

Noch mag zwar mein Klausurenstress nicht vorbei sein, aber ich bekam gestern eine E-Mail von einem guten Freund, der an einer Studie beteiligt ist, mit der Bitte um Verbreitung eines Textes. Da ich die Sache sehr unterstützenswert finde, möchte ich ihm dabei gerne helfen. Aber lest selbst:

Hallo du,

am Deutschen Jugendinstitut in München wird derzeit die Studie „Coming-out – und dann…?!“ durchgeführt. In dieser sollen erstmalig bundesweit die Erfahrungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans* Jugendlichen und jungen Erwachsenen sichtbar gemacht werden. Dabei geht es vor allem um die eigenen Coming-out-Erfahrungen, Diskriminierungserlebnisse und die Nutzung von Freizeitangeboten sowie um die Frage, was eine_n stärken und unterstützen kann. Dafür wird unter anderem eine Online-Befragung durchgeführt. Bisher haben erst wenige junge Transsexuelle, Transgender, genderqueere und trans*-Menschen teilgenommen. Deswegen versuchen wir nun auf diesem Weg noch weitere Trans*Jugendliche zu erreichen.

Wenn du also zwischen 14 und 27 Jahre alt bist, wäre es super, wenn du an der Online-Befragung teilnehmen würdest. Die Fragen beziehen sich auf dein Coming-out oder deine Erwartungen dazu, falls du dich bisher nicht geoutet hast. Außerdem gibt es Fragen zu Erfahrungen mit Diskriminierung (doofe Sprüche, Ausgrenzung…) und zu deiner Person. Dabei sind alle Angaben nicht auf dich zurückführbar und du bleibst vollkommen anonym. Die Befragung dauert etwa 20 Minuten. Klick dazu einfach auf den unten stehenden Link.

http://www.dji.de/umfrage_coming_out/

Auch wenn du nicht an der Befragung teilnehmen möchtest oder kannst, wäre eine Unterstützung der Studie toll. Leite diese Nachricht gerne an Freund_innen weiter, teile sie auf Facebook, poste sie in passenden Gruppen oder versende sie als Mail an Bekannte. Wir brauchen deine/eure Unterstützung!

Im Anhang gibt es einige weitere Informationen zur Studie. Falls du Fragen haben solltest, wende dich gerne per Mail an coming-out@dji.de oder per Telefon unter 089-62306-310 an das Projektteam.

Herzlichen Dank und viele Grüße

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr dabei helfen könntet, den Text zu verbreiten und vielleicht auch selbst an der Studie teilnehmt, wenn ihr in die Zielgruppe fallt. Ich halte die Studie wie gesagt für eine sehr gute Sache.

Bald ist meine Klausurenphase übrigens rum und ich werde wieder mehr hier schreiben. Geplant ist schon ein bisschen was 🙂

Alina

Lernstress

Hallo ihr Lieben 🙂

Zwar habe ich aktuell einige Themen, über die ich gerne bloggen würde, nur bleibt mir aktuell dazu wenig Zeit. Ich stecke aktuell in der Klausurenphase und werde die nächsten Wochen auch noch viel verreisen, da komme ich privat zu wenig. Aber freut euch auf den September, denn da hab ich dann wieder mehr Zeit und habe, wie gesagt, bereits einige Themen in der Hinterhand, die ich dann niederschreiben möchte.

Also, bis spätestens September, hoffentlich auch schon vorher,

Alina

Mein Weg zum Nachlesen

Heute hat mein Blog Geburtstag! Seit mittlerweile drei Jahren begleitet er mich und ich schreibe hier meine Gedanken nieder. Nicht nur, aber doch recht viel zum Thema Transsexualität.

Und weil der Weg mittlerweile doch recht lang ist und ich zwischendurch viel Halbwissen gebloggt habe, veröffentliche ich heute eine Zusammenfassung meines Weges, in der steht, wie es denn nun tatsächlich ablief. Die drei Themen, die ich damit vorerst abdecke, sind die Logopädie zwecks Stimmbildung, die Hormontherapie und meine Namensänderung.

Dieses „Geschenk“ wird vermutlich nicht für alle meine Leser wirklich interessant sein, aber für andere Transsexuelle, die sich mit diesen Themen noch nicht allzu sehr beschäftigt haben, hoffentlich hilfreich sein. Ich weiß, ich tat mich bei diesen Themen damals irgendwie schwer, alle nötigen Informationen zusammen zu sammeln und hoffe daher, dass es anderen genau dabei hilft. Und wer weiß: Vielleicht findet es der ein oder andere ja auch so ganz interessant, einmal zu lesen, wie viel Arbeit es für eine Transsexuelle eigentlich ist, einfach nur vernünftig zu leben. 😉

Hoffentlich komme ich demnächst dann auch wieder mehr zum Bloggen, auch wenn ich davon ausgehe, dass es sich dann wieder einmal weniger um Trans*-Themen gehen wird. Auch da ist zwar ein bisschen etwas in Gange (ich will ja gern Bart-frei leben und will mich daher bald um eine dauerhafte Barthaarentfernung kümmern), aber es wird vermutlich eine Weile dauern, bis ich dort etwas zu berichten hab. Aber hey, es ist nicht umsonst das Chaos Kompendium, ich blogge hier halt nicht nur über ein Thema. 😀

Bis also hoffentlich bald,

Alina

Endlich offiziell

Nach rund einem halben Jahr, in dem ich weitestgehend gewartet hab und nur hin und wieder mal hierin, mal dorthin Post verschicken musste und zwischendurch zwei Psychologen besucht habe, war es vor einer Woche endlich soweit: Ich habe den rechtskräftigen Beschluss des Amtsgerichts über meine Namens- und Geschlechtszugehörigkeitsänderung in der Post gefunden. Ich war den ganzen Tag deshalb hibbelig und konnte nicht still sitzen, was eigentlich gar nicht meine Art ist, aber ich war und bin unglaublich glücklich 🙂

Ich hab’s letzte Woche dann auch gleich geschafft, mich bei der Uni und beim Bürgerbüro umzumelden – sprich: Ich habe jetzt einen neuen Studentenausweis und auch schon einen neuen, vorläufigen Personalausweis. Dass ich einen vorläufigen Perso bekomme, war mir dabei sehr wichtig, weil ich für nächste Woche fest geplant habe, dass Thermen-Problem zu überwinden. Anders gesagt: Ich will schwimmen gehen und fühle mich einfach weit wohler, wenn ich schon einen Ausweis als Frau habe. Dann gibt es zumindest von rechtlicher Seite kein Diskussion, welche Dusche ich verwenden soll.

Aber ganz allgemein fühl ich mich jetzt einfach nochmal ein gutes Stück wohler. Klar, ich hab noch ne lange Liste an Organisationen, denen ich den neuen Namen auch noch melden muss, aber dafür darf ich endlich ganz offiziell den Namen verwenden, den ich seit über zwei Jahren trage und gehöre auch endlich rechtlich dem dazu passenden, dem zu mir passendem Geschlecht an. Das ist einfach ein tolles, befreiendes Gefühl 🙂

Alina

Gastbeitrag: Die Sicht der Eltern

Ich möchte in Zukunft eine Reihe von Gastartikeln hier veröffentlichen, welche von Freunden und Familienmitgliedern geschrieben werden. Diese Beiträge sollen beleuchten, wie mein Umfeld mich wahrnimmt und vielleicht auch für den einen oder anderen Angehörigen oder Freund einer transsexuellen Person, eine Hilfestellung sein. Diese Artikel werden unter dem Tag „Gastartikel“ zu finden sein. Diesen ersten Artikel erzählt davon, wie die beiden Personen mit meiner Transsexualität umgehen, ohne die ich heute nicht hier bloggen könnte, ohne die ich nicht einmal auf der Welt wäre: Meine Eltern.

Alina

Hallo,

ich bin die Mutter von Alina. Während Alinas Besuch bei uns haben wir über ihre Seite im Internet gesprochen und überlegt, dass es vielleicht auch für andere Eltern interessant sein könnte, wie wir als Eltern Alinas Leben bis heute erlebt haben 🙂

Alina ist unser erstes Kind, später bekamen wir noch einen Sohn. Während der Schwangerschaft mit Alina gab es eine Zeit mit vorzeitigen Wehen, aber ansonsten verlief die Schwangerschaft gut und die Geburt verlief auch normal.

In ihrer Kindheit hatten unsere Kinder natürlich Lego und Playmobilspielzeug, Stofftiere und was sie sonst interessierte, Spielzeugwaffen oder auch Barbiepuppen, mit denen der Bruder stundenlang spielte, während Alina kein Interesse an Puppen zeigte, sie baute gern mit Lego.

Einmal zu einem Faschingsfest im Kindergarten wollte Alina gern als Mädchen verkleidet gehen, dies habe ich ihr dann „ausgeredet“, weil ich Angst hatte, dass sie als Junge in einer Mädchenverkleidung geärgert wird. Ansonsten ist mir bis ich sie einmal in meinem Body vor meinem Kleiderschrank entdeckt habe, nichts besonderes an ihrem Verhalten aufgefallen. Gut, zu dieser Zeit hatte sie bereits ihr Interesse an Gothic und Live-Rollenspielen entdeckt, ab diesem Zeitpunkt durften ihre Haare nicht mehr geschnitten werden 🙂

Natürlich war ich geschockt, es war schon merkwürdig, meinen „Sohn“ in meinem Body vor dem Schrankspiegel zu sehen. Auch sie war geschockt. Ich habe dann nach Rücksprache mit meinem Mann einen Termin bei einer Beratungsstelle vereinbart und dort mit einem Psychologen gesprochen. Dieser meinte ich sollte dies Erlebnis nicht so ernst nehmen, dass wäre ganz normal, dass ein Junge mal fühlen wolle, wie es sich anfühlt, solche Kleidung zu tragen. Er meinte dann, dass es jetzt die Aufgabe des Vaters wäre, unseren Sohn zu verbieten an meine Kleidung zu gehen, nicht nur weil diese kaputtgehen, da unser Kind größer als ich ist, sondern auch weil man nicht einfach Kleidung von der Mutter nimmt.

Wir haben es so gemacht, doch irgendwie fühlte es sich nicht richtig an. Ich hatte zu der Zeit schon hin und wieder in Zeitungen und Zeitschriften von Transsexuellen gelesen und war mir nicht sicher, ob Alina nur mal ausprobiert hat oder mehr dahinter steckt. Wenn ich versucht habe, sie darauf anzusprechen hat sie aber „dicht gemacht“. Sie wüsste nicht, warum sie die Sachen angezogen hat, sie wollte nicht darüber sprechen und ich solle sie in Ruhe lassen. Ich hatte aber immer wieder das Gefühl, dass sie wieder an meinem Kleiderschrank war. Nach einigem Hin und Her und auch einiger Zeit, wo mein Mann und ich es wieder verdrängt hatten, kam dann der Zeitpunkt, wo ich mir wieder sicher war, dass Alina sich Sachen aus meinem Schrank anzog, so dass ich Alina anbot, jedes mal, wenn ich Kleidung aussortiere, sie sich nehmen kann, was ihr gefällt.

Alina hat sich nach dem Kauf unseres Hauses ein Zimmer im Dachgeschoss ausgesucht, (sie wurde kurz nach dem Kauf 15 Jahre alt) dort hat sie sich dann als Mädchen/Frau eingeschlossen. Zu dieser Zeit haben wir uns schon mal gefragt, ob wir etwas falsch gemacht haben, ob es vielleicht nur eine Phase ist. Wir haben Kinderfotos angesehen und doch, auf den Bildern sieht sie glücklich aus. Das hat uns beruhigt.

Ich hatte ihr zwischendurch angeboten, mit ihr neue Kleidung einkaufen zu gehen, damit sie mal etwas bekommt, dass ihrem eigenen Geschmack entspricht, aber mit mir wollte sie das nicht. Ich denke der Gedanke war ihr unangenehm. Zu dieser Zeit betitelte sie sich als Cross-Dresser.

Dann bekam sie eine Freundin, die mit ihr einkaufen ging und auch die Schminktipps, die sie von Freundinnen bekam, freuten mich. Doch wir wussten nicht, wie es weitergehen würde – mal Junge mal Mädchen. Zu Hause in ihrem Zimmer war es Mädchen/Frau und im „normalen“ Alltag ein Junge/Mann. Das Mädchen hat sich aber immer in ihrem Zimmer aufgehalten, zu dieser Zeit wolle sie noch nicht, dass es andere erfahren. Selbst ihr Bruder wusste lange nichts von Alina.

Dadurch, dass Alina sich als Mädchen in ihrem Zimmer einschloss, habe eigentlich nur ich sie als Mädchen gesehen. Mein Mann wusste zwar davon, jedoch hat er sie fast nie gesehen, so dass es einmal für beide ziemlich unangenehm wurde als die zwei allein zu Hause waren. Alina kam als Mädchen zum Abendbrot herunter und mein Mann war ziemlich „überrumpelt“, da er noch Besuch erwartete und gab ihr zu verstehen, dass sie sich umzuziehen hatte. Ihm tat es anschließend total leid, sich im Ton vergriffen zu haben und Alina war zuerst in ihren Gefühlen verletzt, hat aber nach einem Gespräch verstanden, dass es für meinem Mann merkwürdig war, sie so zu sehen.

Irgendwann wurde sie von Freunden mit nach Hamburg mitgenommen, zu diesen Tanzveranstaltungen fuhr sie als Frau und erzählte mir am nächsten Tag total glücklich, wie gut es sich angefühlt hat.

Nun lebt und studiert sie seit etwa 2 1/2 Jahren in Baden-Württemberg und dies als Frau. Unsere größten Sorgen waren im Laufe der Zeit eigentlich immer, dass sie von anderen Menschen abgelehnt wird. Natürlich haben wir uns auch Gedanken über unsere Freunde, unsere Familie und unsere Arbeitskollegen und deren Reaktionen gemacht. Wir haben unsere Familie, Freunde und auch Nachbarn informiert, dass wir nun eine Tochter haben, natürlich waren die meisten im ersten Moment „geschockt“ und doch haben sie alle super reagiert und niemand hat sich zurückgezogen. Unser 85jähriger Nachbar meinte erst, dies sei doch nicht richtig. Ich habe ihm gesagt, sie hat es sich nicht ausgesucht, und wenn jemand sagt, dass ist nicht von Gott gewollt, warum hat Gott Alina so auf die Welt geschickt? Der Nachbar hat heute keine Probleme mit ihr und fragt auch oft wie es ihr geht.

Inzwischen wissen es  immer mehr Leute, aber natürlich nicht alle, die wir kennen, so dass es manchmal schon merkwürdig ist, wenn z. B. die Grundschullehrerin nach unserem Sohn fragt, aber dann erzähle ich nicht von Alina, weil ich denke, es muss nicht jeder wissen. Wir haben aber auch schon erlebt, dass andere nicht so gute Bekannte schon von Alina gehört haben und sich nicht getraut haben, uns deswegen anzusprechen, weil es uns deshalb vielleicht schlecht gehen könnte. Wenn uns jemand direkt drauf anspricht, haben wir aber auch kein Problem damit, von Alina zu erzählen – es ist so wie es ist!!!

Es ist für uns gerade am Anfang oft komisch gewesen, wenn wir Alina in „Frauenkleidung“ gesehen haben, denn wir haben in ihr noch lange unseren erstgeborenen Sohn gesehen (jahrelang eintrainiert), die Gesichtszüge werden jetzt durch die Hormone weicher. Aber gerade weil wir Alina nicht mehr oft sehen, mussten wir uns an die „Veränderung“ gewöhnen. Auch war es anfangs komisch mit ihr bei uns im Dorf unterwegs zu sein, wo man immer auf Bekannte treffen konnte und nicht wusste, wie diese reagieren würden. Heute ist es uns egal, wie die Leute reagieren, denn wir wissen, dass es Alina als Frau besser geht und letztendlich ist es egal ob Junge oder Mädchen, sie ist unser Kind und wir sind stolz auf sie, dass sie so mutig ist und ihr Leben als Alina trotz der Probleme mit den Hormonen lebt und sogar ihr Studium gut im Griff hat.  Und wir sind dankbar, dass Alina so gute Freunde hat, denen es egal ist, das sie transsexuell ist.

Für uns hat Alina einen guten Weg gewählt um sich selbst, uns und unsere Umwelt auf Alina vorzubereiten und sie so zu akzeptieren wie sie ist. Ich denke, es braucht seine Zeit sich an die „Veränderung“ zu gewöhnen, man kann es nicht von heute auf morgen erzwingen als Frau angenommen zu werden, aber wir haben immer gesagt, Alina gibt das „Tempo“ an, sie entscheidet, wann und wie sie ihr Umfeld informiert und wir können sie während der Veränderung ihres Körpers nur begleiten und für sie da sein, wenn sie uns braucht. Ich denke, da sie während ihres letzten Jahres auf dem Gymnasium mitbekommen hat, wie ihre Mitschüler auf das Outing eines Schulkollegen, dass er schwul sei, reagiert haben, war ihr klar, dass es hier auf dem „Dorf“ für sie viel schlimmer werden würde als für diesen Jungen. Da sie selbst lange nicht wusste, was mit ihr ist und glaubte, als Junge dürfe sie so nicht fühlen, denke ich, dass sie selbst diese Zeit brauchte, um sich zu akzeptieren und mit diesem Selbstbewusstsein diesen schweren Weg zu gehen.

Wir möchten uns auf diesem Weg bei all ihren Freunden bedanken, dass sie für Alina da sind und ihr helfen, wenn es ihr mal nicht so gut geht. Es ist für uns schön zu wissen, dass sie so gute Freunde hat, da wir nicht um die Ecke wohnen.

Vielleicht hilft dieser Beitrag anderen Eltern mit transsexuellen Kindern, vielleicht auch nicht, aber wenn jemand noch Fragen dazu hat, darf er sich gern melden.

Das Royal Baby und Geschlechterrollen

Contentwarning: Dieser Artikel umfasst die folgenden Themen: Nennung von Genitalien
Hinweis: Dieser Artikel ist veraltet und entspricht nicht mehr meinen aktuellen Ansichten.

Was haben der jüngste Zuwachs der englischen Königsfamilie und Geschlechterrollen gemeinsam? Das Bild hier.

Für diejenigen, die den Link nicht anklicken wollen sei kurz zusammengefasst: Dort sieht man einige Dutzend Tweets, also Kurznachrichten, welche auf Twitter veröffentlicht wurden, die sich darüber aufregen, dass jenes genanntes Kind ein „Junge“ genannt wird – schließlich sei es doch noch etwas früh, das Gender des Kindes zu bestimmen.

Nun muss man wissen, Gender lässt sich zwar mit „Geschlecht“ übersetzten, meint dabei aber das Zugehörigkeitsgefühl, das psychologische Geschlecht, wenn man so will. Es gibt dann noch den Begriff Sex, der im englisch neben der wohl am häufigsten ausgetragenen Sportart, die dabei zumeist auch noch im bequemen Bett stattfindet, auch das Geschlecht – in diesem Fall jedoch das anatomische Geschlecht.

Und genau darum geht es jenen Twitterern – sie sagen, ein Junge ist eine Person, dessen Gender männlich ist, unabhängig vom Sex. Und auch wenn ich dem zustimme, so habe ich trotzdem ein Problem mit diesen Tweets.

Das Problem, dass ich habe, ist, dass die Gesellschaft nicht dafür bereit ist, Kindern kein Gender zuzuweisen. Ja, daran könnte man mal was ändern, aber das wäre ein weiter Weg und ich glaube nicht, dass ich Zeit meines Lebens erleben werde, dass Kleinkinder nur als Kleinkinder und nicht als Jungen oder Mädchen gesehen werden. In der heutigen Welt braucht ein Kind ein Gender, denn es wird erwartet. Der Name richtet sich nach dem Gender.

Ist das denn wirklich ein Problem, dass ein Gender nötig ist? Ich bin mir dessen nicht sicher. Einerseits wird vermutet, dass Transsexualität nur bei maximal 0,2% der Menschen auftritt – dadurch, dass viele aber nicht drüber reden, kann man nur schätzen; geoutet haben sich weit weniger. Selbst wenn man andere Menschen, die sich in ihrer durch das anatomische Geschlecht bestimmte Geschlechterrolle nicht wohl fühlen, hinzurechnet, wird die Zahl ziemlich sicher bei weniger als 5% bleiben, vermutlich wird sie selbst die 2% nicht knacken. Andersrum formuliert kann man also mit vermutlich 95-98%-iger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass das Royal Baby sich als Junge wohl fühlen wird.

Aber! Aus der einmal zugewiesenen Geschlechterrolle auszubrechen, ist nicht leicht. Obwohl ich in meinem Bekanntenkreis wohl den einfachsten „transsexuellen Weg“ hatte, keine Zurückweisungen erlebt habe und auch sonst alles glatt lief, war es nicht einfach, den Schritt zu gehen, überhaupt zuzugeben, dass ich transsexuell bin – obwohl ich sicher wahr, ich würde Rückhalt haben. Hier erwarte ich durchaus, dass ich noch erleben werde, dass die Gesellschaft offener für Transsexualität ist und Outings dadurch einfacher werden, aber aktuell ist das nicht leicht. Das ist schon eine Sache, weshalb ich mir denke, die reinen Prozentzahlen, die reine Chance, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Kind transsexuell ist, sollte nicht das einzige ausschlaggebende Kriterium sein.

Wie ich es machen würde? Das Gender des Kinder als „passend“ zum Sex annehmen – wenn das Kind einen Penis hat, ist es ein Junge, wenn nicht, dann ein Mädchen. Aber ich würde auf Anzeichen achten, würde versuchen, es vorurteilsfrei zu erziehen und es ausprobieren lassen, wie sein Gender wirklich ist. Und wenn es Anzeichen gibt, dass Sex und Gender doch nicht zusammenpassen, dann würde ich mit ihm reden und es drüber aufklären, dass es eben auch Mädchen mit Penissen und Jungen mit Vaginas und Brüsten gibt.

Kurzum: Ich denke, hier wurde auf Twitter viel Wind um nichts gemacht. Ich halte die Einstellung, dass das Kind doch bitte sein Gender selbst herauszufinden hat, zwar löblich, aber die verlangte Umsetzung ist einfach nicht machbar.

Gerade bei dieser Thematik interessiert mich aber: Wie seht ihr das? Was habt ihr noch für Argumente? Ich würde mich sehr über ein paar Kommentare freuen! 🙂

Alina

P.S.: Vielen Dank an RubinrotXx für’s aufmerksam machen aufs Bild 🙂

Status der Namensänderung

Es gibt mal wieder ein bisschen was zu berichten! 🙂

Am vergangenen Dienstag hatte ich um 11:00 endlich meinen Termin beim Amtsgericht, der für mich letzte Schritt zur Namensänderung. Überpünktlich und vollkommen nervös kam ich dort an und ließ mir am Schalter sagen, wie ich denn das gesuchte Zimmer finde. War letztlich auch nicht schwer zu finden, auch wenn es am gefühlt anderen Ende des Gebäudes war. Dort traf ich dann endlich mal persönlich auf den Richter, den ich bisher nur aus Briefen kannte. In einem hellen Büroraum wurde ich von ihm sehr freundlich empfangen.

Das Gespräch mit dem Richter war sehr ungezwungen. Er fragte mich, ob ich den Gutachten zustimmen würde oder ob es Punkte gab, die so gar nicht korrekt seien und frage mich dann noch etwas über mein Leben und meine aktuelle Lebenssituation aus. Ein wenig wirkte es stellenweise für mich wie ein abfragen, ob die Informationen, die ich ihm nannte, mit denen der Gutachten übereinstimmten, aber da ich weder ihn noch die Gutachter belogen hatte, waren die Antworten natürlich zueinander passend. Letztlich wurde ich gefragt, ob ich mir der Konsequenzen bewusst sei, wenn mein Name und meine Geschlechtszugehörigkeit geändert würden, was durchaus der Fall war. Er erklärte mir dann noch kurz, wie das ganze jetzt weiterlaufen würde.

Ich habe einen vorläufigen Beschluss direkt mitbekommen. Der eigentliche Beschluss wird jetzt zum Landesgericht (ich denke zumindest, dass es das Landesgericht war) geschickt, wird dort noch einmal abgesegnet (auch wenn das reine Formsache ist), dann geht er zurück ans Amtsgericht und ist dann rechtskräftig.

Sprich: Ich kann langsam Schreiben aufsetzen, dass Krankenkassen, Uni und co. doch bitte ihre Daten anpassen sollen. Oh, und ich könnte Dokumente wie mein Zeugnis neu beantragen, auf den neuen Namen. Oder anders gesagt: Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ich wirklich und offiziell als Frau mit Namen Alina anerkannt bin. Feiern tu ich jetzt schon, auch wenn es noch ein paar Tage dauert, bis es endgültig rechtskräftig ist 🙂

Alina

Warum ich kaum in Trans*-Communities aktiv bin

Ich hab heute mal wieder ein wenig gegoogelt. Ich gebe zu, ich war anfangs vor allem neugierig, wie gut man meinen Blog mit sehr allgemeinen Suchbegriffen finden kann. Leider durfte ich dabei feststellen, dass google meine Suchergebnisse ja personalisierte, weil ich eingeloggt war. Aber dafür bin ich über ein paar Blogs und Webseiten gestoßen, die ich noch nicht kannte, die ich mir dann zu Gemüte führte. Hätte ja was spannendes bei sein können.

Leider aber war das Ergebnis mal wieder ernüchternd. Viele der Blogs hatten nur wenige Beiträge. Von Foren zum Thema „Transgender“ halte ich mich eh seit Langem fern (dazu gleich mehr). „Reine“ Informationsseiten sind für mich heutzutage einfach nicht mehr wirklich interessant, ich hab direktere Quellen, denen ich mehr vertraue.

Ein Blog jedoch, an dem blieb ich einen Moment kleben. Recht viele Einträge, die auf dem ersten Blick zwar sehr kurz waren, aber ganz nett geschrieben. Dann musste ich jedoch folgendes Szenario lesen: Die Bloggerin schrieb drüber, in einem Forum mit einer Transsexuellen Nachrichten hin und her geschrieben zu haben. Sie (die Bloggerin) bezeichnete die Transsexuelle als Möchtegern-Transsexuelle. Ihre Argumentation: Sie besäße ja noch einen Penis und wolle das nicht ändern.

Ich muss dazu sagen, die Transsexuelle kam in dem Ausschnitt des Gesprächs, welches die Bloggerin veröffentlichte (zwar mit unkenntlich gemachten Namen, aber trotzdem ist es ein No-Go so etwas zu veröffentlichen), ziemlich arrogant rüber. Es war etwas in der Richtung „Ich soll nicht transsexuell sein? Schau mich an, ich seh‘ besser aus als Bio-Frauen!“

Und da haben wir letztlich auch den Grund, warum ich mit Trans*-Communities fern halte. Ich halte beide Standpunkte für unglaublich irrational. Was sind denn das bitte für Begründungen? Ich glaube nicht, besser als Bio-Frauen auszusehen (nicht zuletzt, weil Schönheit im Auge des Betrachters liegt und man daher nicht objektiv festlegen kann, wer schöner als jemand anders ist) und ich habe keine Geschlechtsangleichende OP machen lassen (und bin mir immer noch nicht sicher, ob ich es will) – trotzdem bin ich transsexuell. Weil das eine Sache des Zugehörigkeitsgefühls ist. Weil mein Gehirn weiblich tickt. Das ist eine Sache der Psyche, damit haben solche Schwachsinnsargumente nichts zu tun, ‚tschuldigung.

Naja, und es gibt einen zweiten Grund, warum ich diese Communities meide: Auch wenn es ja nett ist, dass sie sich für alle Arten von Transmenschen öffnen und die Grenzen eh so fließend sind, dass es nicht möglich ist, zu sagen „hier nur Transsexuelle“ – leider zieht dies auch Damenwäschefetischisten und Crossdresser an, zwei Personengruppen, die zwar gern weibliche Kleidung tragen und zeitweise eine weibliche Optik nach außen tragen, aber die zum Einen nicht ihr Leben als Frau verbringen, deren Gründe für das weibliche Auftreten zum Anderen ganz andere sind – meist geht es ihnen dabei um Spaß, es bereitet ihnen Freude.

Ich will beide genannten Personengruppen nicht verteufeln, absolut nicht. Sie haben ein Recht darauf, ihr Leben zu leben, wie sie es möchten und dürfen sich von mir aus auch gern darüber austauschen. Das Problem ist, dass diese Menschen sich dann oft in Diskussionen von Transsexuellen einmischen, weil sie nicht begreifen, dass es für uns etwas völlig anderes bedeutet, als Frau zu leben. Da heißt es dann leider viel zu oft sofort: „Du musst das sofort 100% ausleben, sofort Hormone und am besten auch Geschlechtsangleichende-OP, am besten noch Schönheits-OPs und Stimmband-OP hinterher!“

Ja, natürlich ist das überspitzt. Aber die Richtung ist die selbe. Es wird ignoriert, dass diese Dinge einfach gar nicht alle machbar sind. Die Geschlechtsangleichende-OP ist erst möglich, wenn man einige Jahre Hormone nimmt. Schönheits- und Stimmband-OPs kosten viel und es ließen sich anders für den Körper schonendere Lösungen finden (Stimme -> Logopädie, Schönheit -> Ernährung, Training, den Hormonen Zeit geben für körperliche Änderungen). Und vor allem: Oft, ich will fast sagen: Meistens ist es nicht möglich, sofort von 0 auf 100 zu gehen. Sei es Arbeit, Schule, Studium, Freunde, Bekannte – all diese Personen muss man schonend drauf vorbereiten. Man kann nicht einfach „sofort 100% ausleben“. Man muss sich outen, mit Zurückweisung rechnen und gerade wenn man im Beruf steht auch noch um den Job fürchten. Wenn man sich sofort umstellt, wird dies die meisten Leute verschrecken und von sich treiben. Wenn man das Umfeld vorbereitet und aufklärt, kann es immer noch passieren, dass Leute den Kontakt abbrechen und gerade wenn dies der Chef oder ein vermeintlich guter Freund ist, ist das hart.

Diese Probleme haben aber Menschen, die ihren Hang zum Weiblich-Sein nur manchmal und/oder nur heimlich ausleben, nicht. Leider ist es ihnen außerdem oftmals nicht möglich, sich in eine Person mit diesen Problemen hineinzuversetzen. Und genau weil ich auf diese Erfahrungen keine Lust habe, halte ich mich von solchen Communities fern. Ich habe einen guten Freundeskreis, der 100% zu mir steht und mich bekräftigt, habe einige transsexuelle Freunde, die mir helfen, meinen Weg zu finden. Ich bin auf diese Communities nicht angewiesen und auch wenn ich mich gern mehr zu Transgenderthemen austauschen würde: Leider schrecken mich diese Communities zu sehr ab.

Und damit ist ein Artikel, den ich eigentlich recht kurz halten wollte, ziemlich ausgeartet. Ich hoffe, es gibt überhaupt Leute, die ihn bis zum Ende lesen 😉

Alina

Spamrichtlinien überarbeitet

Ein kleiner Hinweis in eigener Sache: Ich hab heute mal mein Anti-Spam-Plugin gewechselt, da ich mit dem alten Unzufrieden war – sollten Kommentare von euch nie freigeschaltet worden sein, obwohl ihr am Captcha vorbei gekommen seid, sollte dieses Problem zukünftig nicht mehr bestehen. Ich werde vorerst außerdem das Captcha deaktivieren und ausprobieren, ob es überhaupt aktuell nötig ist.

Alina