Pen and Paper

Immer mal wieder habe ich in diesem Blog schon von sogenannten Pen and Paper Rollenspielen, oder kürzer P’n’Ps oder P&Ps, gesprochen. Ich habe aber noch nie wirklich erklärt, was diese Spiele eigentlich sind und was für welche ich spiele. Ich verwende in diesem Artikel wieder an einigen Stellen geschlechtsneutrale Sprache.

P&Ps funktionieren sind Spiele, bei denen einer SpielleiterNin eine Geschichte erzählt, während die MitspielerNinnen jeweils einen Charakter spielen. Diese Charaktere sind die ProtagonistNinnen der Geschichte. Während die SpielerNinnen also mit diesen Charakteren Einfluss auf die Geschichte nehmen können, wird diese von diem SpielleiterNin erzählt, xier bestimmt was passiert und was nicht, xier erzählt, wie die Welt aussieht, was die Charaktere wahrnehmen, wie andere Charaktere auf die SpielerNinnencharaktere reagieren und so weiter und so fort. Dier SpielleiterNin ist in den meisten P&P-Systemen allmächtig, darf alles einfach beschließen, aber xieser Aufgabe ist es, eine Geschichte zu erzählen, an der alle beteiligten Spaß haben.

Ich erwähnte gerade so nebenher, dass es verschiedene “Systeme” gibt – die meisten dieser Systeme sind eine Mischung aus Weltbeschreibung und Regelwerk. Schauen wir uns diese beiden Dinge doch mal etwas genauer an.

Regelwerke sind wichtig, da die obrige Beschreibung, wie ein P&P abläuft noch sehr von SpielleiterNinnenwillkür dominiert ist. Wenn dier SpielleiterNin einfach entscheiden darf, welche Aktion der SpielerNinnencharaktere funktionieren und welche scheitern, kann es sich für die SpielerNinnen unfair anfühlen und vor Allem weiß dier SpielleiterNin vielleicht auch gar nicht immer, was klappen kann und was nicht. Dafür gibt es sogenannte Proben und bei diesen kommt der namensgebende Aspekt von Papier und Stift zur Geltung:

Die SpielerNinnen besitzen sogenannte Charakterbögen, die im Wesentlichen Zettel sind, auf denen einige verschiedene Eigenschaften des zugehörigen Charakters notiert sind, oft mit zugehörigen Werten. Aus diesen Werten wiederum werden Proben abgeleitet, die meistens durch Würfelwürfe durchgeführt werden. Das Schwarze Auge, kurz DSA, ein System, dass ich viel spiele, handhabt das zum Beispiel so, dass ich bei einfachen Proben einfach auf meinem Charakterbogen den passenden Wert suche und dann versuche mit einem zwanzigseitigem Würfel den Wert zu treffen oder zu unterbieten. Habe ich einen Mut-Wert von 14, dann bedeutet das, dass eine 1 bis 14 auf einem zwanzigseitigem Würfel einer gelungenen Mut-Probe entsprechen, während 15 bis 20 ein scheitern bedeuten. Diese Probe werden immer dann zu Rate gezogen, wenn dier SpielleiterNin unsicher ist, wie ein Ereignis ausgeht: Bin ich geschickt genug den Baum herauf zu klettern? Bin ich stark genug, eine Tür aufzubrechen?

Die meisten Systeme bieten aber wie gesagt nicht nur einen Regelkatalog, sondern beschreiben oft auch eine erfundene Welt. Bei DSA ist das zum Beispiel die Welt Dere und vor allem der Kontinent Aventurien, der beschrieben wird. Dadurch, dass die Autoren des Systems die Welt schon ziemlich detailiert beschrieben haben, weiß ich zum Beispiel, dass in der südlichen Hälfte Aventuriens eine große Wüste liegt und das es verschiedene zauberbegabte Wesen gibt. Ich weiß, dass die Welt an das Mittelalter angelehnt ist, es aber Drachen und andere Fabelwesen gibt. Ich kann nachschlagen, wie teuer genau diese eine Taverne in diesem einem Ort ist und kann vielleicht sogar erfahren, dass der Wirt dort mit seiner Frau drei Kinder hat. Ja, DSA geht an einigen Stellen tatsächlich so weit in die Tiefe. Einerseits ist das ein Vorteil, weil sich andere die Mühe gemacht haben, eine möglichst konsistente Welt zu erfinden, andererseits kann dieser Detailgrad auch einengen. Wie sehr eins sich also an offizielle Quellen hält, ist Geschmackssache. (Die Konsistenz ist übrigens natürlich trotzdem nicht perfekt; es gab Publikationen zu DSA, die den Preis von Weizen teurer ansetzten als den der Menge Brot, welches aus diesem hergestellt werden konnte. Bäcker müssten also Verluste machen.)

Es gibt immer wieder Systeme, die ohne Regelwerk oder ohne Welt daher kommen. Die Systeme ohne Welt versuchen meist, die Regeln so offen zu halten, dass sie in beliebigen Welten spielbar sind. Zumindest im kommerziellen Bereich sind Systeme ohne Regeln dafür eher selten. Vermutlich, weil potentielle Kunden dann auch noch ein System mit Regeln dazu kaufen müssten, was viele verschrecken könnte. Was es häufiger gibt, sind jedoch Abenteuer, die an kein System gebunden sind.

Abenteuer sind im Wesentlichen einzelne Geschichten. Dort steht dann drin, das die Königin auf die SpielerNinnencharaktere zukommt, weil ihr einziges Kind von einem Drachen entführt wurde und beschreibt möglichst alles, was für die Rettung nötig ist, inklusive des Plottwists, dass in Wahrheit der Spross der Königsfamilie den Drachen entführt hat, nicht umgekehrt. Abenteuer sind oft für bestimmte Systeme und ihre Regeln und Welten beschrieben, aber gerade bei HobbyautorNinnen finden sich oft Abenteuer, die an kein System gebunden sind. Dazu gehört auch Tiefenrausch, ein Abenteuer in einem Horror-Setting, das zwar ein System vorschlägt, aber nicht in der offiziellen Welt spielt und auch mit beliebigen anderen Regeln gespielt werden könnte. Tiefenrausch hat Trial, hier im Blog in den Zeiten, in denen ich keine Namen nannte auch als “Der Biertige” bekannt, erfunden und ich bin gerade dabei dieses Abenteuer zu überarbeiten und in einen Zustand zu übertragen, in dem es vielleicht sogar veröffentlicht werden könnte.

Nun habe ich zumindest zwei “Systeme” bereits erwähnt, die ich spiele: DSA spiele ich wöchentlich und auch für Tiefenrausch habe ich aktuell wieder eine Runde. Bei DSA bin ich Spielerin, Tiefenrausch leite ich. Weiterhin spiele ich Dungeons and Dragons, ein Urgestein unter den Rollenspielen mit starken Fokus aufs Kämpfen. Es spielt zwar wie DSA an in einer Fantasy-Welt, aber es spielt sich durch den anderen Fokus vollkommen anders. Eine Weile ausprobiert habe ich noch Vampire: The Masquerade und Shadowrun. Vampire spielt in einer Variation der Realität, in der es Vampire gibt, die im Hintergrund die Fäden ziehen und versuchen ihre Parallelgesellschaft geheim zu halten, während Shadowrun dem Cyberpunk-Genre angehört – es spielt auf der Erde in rund 50 bis 60 Jahren, in einer Welt, in die Magie eingekehrt ist, die aber gleichzeitig hochtechnologisiert und dazu unglaublich korrupt ist. Immer Mal wieder probiere ich aber auch hier und dort andere Systeme aus, zum Beispiel Ratten!, Los Muertos oder Dungeon Slayers. Unbedingt mal ausprobieren will ich Plüsch, Power & Plunder, bei dem eins Plüschtiere spielt.

Soviel zum Rundumschlag zum Thema Rollenspiele. Wenn ich in Zukunft von P&Ps berichte, wisst ihr, wovon ich spreche 😀

Alina

Ein wenig Geschichte, Teil 5: Erkenntnisse und erste Schritte

Wer schon 2011 mitgelesen hat, kennt vielleicht noch die Reihe “Ein wenig Geschichte”, die ich damals im Adventskalender angefangen habe und in der ich meine Entwicklung im Bezug auf meine Transsexualität festgehalten habe. Wer sie nicht kennt: Hier findet ihr Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4. Wer die Einträge erst jetzt nachliest, sei gewarnt: Mein Schreibstil ist meiner Meinung nach deutlich schlechter in diesen alten Beiträgen. Außerdem sind viele Ansichten nicht mehr Up-To-Date, aber ich möchte sie nicht überarbeiten, sondern unverfälscht stehen lassen, wie ich die Dinge damals gesehen habe.

Der vierte Teil der Reihe endete 2011 damit, dass ich mich kurz nach dem Ende einer Beziehung befand, die ich damals als Stütze empfunden hatte und in der ich geglaubte hatte, mich frei entfalten zu können. Rückblickend muss ich sagen: Das stimmt nicht so richtig. Auch in der Beziehung habe ich mehrfach zu hören bekommen, dass Transvestie zwar in Ordnung ginge, und über das Thema waren die Gespräche definitiv offener, aber Transsexualität wurde auch in der Beziehung als Trennungsgrund bezeichnet. Wie schon all die Jahre vorher habe ich daher jeden Gedanken daran, dass ich vielleicht doch wirklich transsexuell sein könnte, weit von mir geschoben. Ich wollte die Beziehung nicht gefährden.

Verloren habe ich die Beziehung dann aber letzten Endes doch.

Es dauerte nach Ende der Beziehung tatsächlich nicht allzu lange, nur etwa zwei Monate, bis ich realisierte, dass ich transsexuell bin. Ich erlaubte mir zum ersten Mal seit Jahren, diese Option ernsthaft in Betracht zu ziehen und realisierte schnell, dass ich nur dann “als Mann” unter die Leute ging, wenn meine weibliche Kleidung zur Neige ging. Ich hatte damals nicht viel Kleidung aus der Frauenabteilung und muss zugeben: Noch heute fühle ich mich in Sachen aus eben dieser Abteilung wohler, selbst wenn es Mode ist, die selbst von der Gesellschaft kein Geschlechts-Etikett aufgedrückt bekommt. (Heute bin ich allgemein der Meinung, jedmensch solle einfach tragen, was xier gut findet, eine Unterteilung der Mode in “männlich” und “weiblich” ist in meinen Augen einfach seltsam. Trotzdem – ich bin leider so sehr von der Gesellschaft geprägt, dass Kleidung aus der Frauenabteilung bis heute für mein Wohlbefinden ziemlich wichtig ist.)

Ich realisierte also, dass ich nur noch dann als Mann auftrat, wenn ich das Gefühl hatte, nicht überzeugend als Frau auftreten zu können. Ich realisierte, dass ich mich als Frau wohler fühlte als als Mann, dass ich mich mehr “Ich selbst” fühle. Ich realisierte, transsexuell zu sein.

Die Erkenntnis kam Ende Januar  2012 und ich habe seit her nur ein einziges Wochenende, das genau nach dieser Erkenntnis, überhaupt noch “als Mann” verbracht. Insbesondere im ersten Jahr hatte ich noch viele Probleme mit Misgendering, also dem beim-falschen-Pronomen-genannt-werden, später wurde es deutlich weniger. Genau gegensätzlich verhielt sich meine Empfindlichkeit auf Misgendering. War es anfangs für mich nur etwas nervig, aber nicht weiter tragisch, misgendert zu werden, so tat es immer mehr weh. Mit jedem Tag, mit dem ich mir sicherer war, dass das Leben als Frau für mich genau der richtige Weg war und ist, tat es mehr weh, ein “er” als Pronomen zu hören. Kurioserweise hatte ich dabei aber selten Probleme in bürokratischen Angelegenheiten meinen alten Namen zu verwenden. Das kam erst deutlich später, mit der Namensänderung.

Ich hatte das Glück, 2012 ein paar weitere trans Frauen in meiner Altersgruppe kennen zu lernen, die bereits Erfahrung mit Therapie, Hormonen, Namensänderung und ähnlichen Themen hatten. Im Austausch mit diesen stellte ich schnell fest, dass ich mich mit dem verbreitesten Weg recht gut anfreunden konnte – einzig einer Geschlechtsangleichenden OP stand ich immer skeptisch gegenüber und fühle mich bis heute ohne wohl. Durch die beiden nahm ich Kontakt zu meiner Therapeutin auf, die mich bis heute begleitet, und erfuhr auch von einer Studie in Aachen, bei der es um Stimmen und Stimmwahrnehmung von trans Menschen ging und durch die ich eine Heilmittelverordnung für Logopädie bekam. Ob ich zuerst mit der Logopädie oder der Therapie anfing, weiß ich gar nicht mehr sicher, auch wenn ich glaube, dass es die Logopädie war.

Für mich waren dies die ersten großen Schritte. Über die Therapie erhoffte ich mir, irgendwann eine Indikation für eine Hormontherapie zu bekommen, was letztlich ja auch klappte, die Logopädie half mir sehr dabei, eine Stimme zu finden, die zu meinem Passing passt. Hab ich früher zwar keine tiefe, aber doch markant nach Stimmbruch klingende Stimme gehabt, so spreche ich heute deutlich sanfter und meine Stimme wird damit in aller Regel als weiblich wahrgenommen.

Im sechsten Teil dieser Reihe möchte ich auf die noch jüngeren Entwicklungen eingehen, ins Besondere auf die Auswirkungen der Hormone und die Namensänderung, aber auch darauf, wie sich allgemein mein Denken über Transsexualität verändert hat. Gerade das letzte Jahr hat mich sehr geprägt.

Alina

Vom Telefonieren

Wer meinen Blog schon länger liest, wird sich vielleicht noch daran erinnern, dass ich vor einigen Jahren einen “Adventskalender” hatte – jeden Tag ein Blogpost. Ich möchte das auch dieses Jahr wieder probieren. Es ist zwar gerade schon 23:44 und es wird eng, diesen Blogpost wirklich noch heute fertig zu bekommen, aber ich gebe mir Mühe 😀

Einleiten will ich diesen Advent mit einem Artikel, der mir schon seit Monaten auf dem Herzen liegt, weil es etwas ist, dass mich selbst betroffen hat und wenig Beachtung findet.

In der Zeit meiner schlimmen Depression ist mir etwas besonders bewusst geworden, was mir auch vorher schon bekannt war, aber sich ohne die Depression überwinden ließ und durch sie zu einem ernsten Problem für mich wurde: Ich mag nicht mit fremden Leuten telefonieren, wenn ich ein Anliegen habe. Wenn ich angerufen werde oder es um ein Gespräch mit mir vertrauten Menschen geht, ist das kein Problem, aber wenn nicht, ist telefonieren für mich eine Überwindung. An guten Tagen brauche ich nur einige Augenblicke um mich zu sammeln und auf den grünen Hörer zu drücken, an weniger guten Tagen habe ich die Nummer gewählt und brauche mehrere Minuten, bis ich wirklich anrufe, an schlechten Tagen ist mir telefonieren schlicht nicht möglich.

Das ist keine Sache, die sich mit einem “Reiß dich doch mal zusammen, da beißt schon niemand” beheben lässt – das Telefonieren ist einfach anstrengend für mich. Anstrengender als so mancher 10 Stunden Uni Tag. Selbst das geistig drauf Einstellen ist manchmal derart anstrengend, dass ich den Versuch abbrechen muss und den Rest des Tages für nichts anderes mehr Energie habe.

Ich weiß, dass das für Menschen, die so etwas nie erlebt haben, schwer vorstellbar ist. Ich weiß, dass es danach klingt, als suche ich nur ausreden, weil ich faul sei. Aber die allermeisten Telefonate sitzen mir dann ewig im Nacken und es belastet mich, sie nicht hinter mir zu haben. Ich will an solchen Tagen nichts lieber, als das Telefonat hinter mich zu bringen, aber mit der Depression war das oft einfach unmöglich, so sehr ich es auch wollte.

In dieser Zeit ist mir eine Sache bewusst geworden: Ich bin damit bei weitem nicht allein. Es gibt viele Menschen, denen es aus verschiedensten Gründen unangenehm ist, zu telefonieren. Das sind nicht nur Menschen mit Depressionen, ich weiß auch von einigen neurologisch-typischen Menschen ohne psychische Leiden, die trotzdem eine Abneigung gegen das Telefonieren haben. Und trotzdem, obwohl es mir ziemlich weit verbreitet scheint, gibt es dort selten Alternativen. Ärzte sind fast ausschließlich telefonisch erreichbar. Kurioserweise sogar psychiatrische Einrichtungen, die mit diesem Problem eigentlich vertraut sein sollten. Ich weiß nicht wie oft ich in der ersten Jahreshälfte E-Mails geschrieben habe, dort möglichst detailliert mein Anliegen geschildert habe und nur die Antwort “bitte rufen Sie uns an!” bekam. Oft hab ich dann nicht angerufen. Es ging in der Zeit nicht.

Ich bin über diese starke Ausprägung hinweg. Telefonieren ist etwas, was ich immer noch ungern tu, aber ich bekomme es hin, wenn es nötig ist. Aber ich weiß, dass das nicht allen so geht. Für viele Menschen ist das ein unüberwindbares Hindernis und ich finde es mehr als Schade, dass E-Mails sich noch immer nicht als Ersatzmedium etabliert haben. Ja, natürlich, die Antworten sind damit in aller Regel etwas zeitverzögert, aber oft werden Anfragen per Post bearbeitet, aber nicht per Mail. Damit ist das Argument eigentlich hinfällig.

Ich hab auf dieses Thema wenig Einfluss. Ich kann nicht dafür sorgen, dass plötzlich die ganze Welt Mails statt Anrufe akzeptiert. Aber ich hoffe schon, dass dies vielleicht ein, zwei Menschen sehen, die sich noch nie darüber Kopf gemacht haben, wie anstrengend für manch anderen Menschen telefonieren ist, und dafür vielleicht etwas mehr Verständnis haben. Mir hätte das einiges an Problemen erspart.

Alina

Misgendering im eigenen Kopf

Ins Besondere auf ask.fm und Twitter habe ich in letzter Zeit immer wieder eine Frage mitbekommen: “Manchmal gebe ich mir in Gedanken das Pronomen, das früher für mich verwendet wurde. Heißt das, dass ich ich gar nicht trans bin?”

Ich kann euch beruhigen. Das heißt es nicht. Quasi alle Antworten, die ich auf diese Frage gelesen habe, waren sich einig: Das passiert uns allen. Und es ist kaum verwunderlich: Ich zum Beispiel hab rund 20 Jahre mit dem Pronomen “er” gelebt. Natürlich hat sich das ziemlich eingebrannt. Natürlich dauert es dann, bis eins sich umgewöhnt hat und für sich selbst konsequent das Pronomen verwendet, welches sich besser anfühlt.

Für mich ist es bis heute so, dass ich mich immer noch hin und wieder misgendere. Das passiert besonders, wenn ich an Situationen zurückdenke, bei denen ich das Gefühl habe, sie wären anders verlaufen, hätte ich schon damals gezeigt, dass ich kein Junge bin. Ins Besondere kommt mir da spontan meine Zivildienstzeit in den Sinn. Mal ganz davon ab, dass ich keinen Zivildienst hätte machen müssen, wäre ich damals schon als Frau anerkannt worden, hatte ich dort auch transfeindliche Mitarbeiter. Diese haben glücklicherweise nie erfahren, dass ich schon damals mein Geschlecht hinterfragte, aber sie haben nicht nur zu trans Menschen, sondern auch insbesondere zu Schwulen und Lesben so viel Hass verbreitet, dass ich weiß, dass ich Schwierigkeiten bekommen hätte. Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, dann drängen sich mir für mich mein falscher Name und das falsche Pronomen auf.

Mir ist außerdem aufgefallen, dass ich erwarte, beim falschen Namen gerufen zu werden, wenn ich in meinem Elternhaus bin. Das passiert dort nicht und ich bin auch froh drüber, aber ich habe bis heute die Erwartungshaltung, mit diesem Namen angesprochen zu werden. Gedanklich fange ich dort auch immer wieder selbst genau damit an.

Bin ich deshalb weniger Frau? Nein. 20 Jahre haben mich jedoch definitiv geprägt und Erwartungshaltungen trainiert. Ich fühle mich so unglaublich viel freier, seit ich als Frau lebe, für mich steht dieses Misgendering nicht im Widerspruch zum Frau-sein. Unangenehm ist es aber dennoch und ich bin froh, dass das mittlerweile nur noch selten passiert.

Typische Fettnäpfchen im Umgang mit trans Menschen, Teil 1

Ich hab es endlich geschafft. Die Idee hab ich schon im Juni 2014 festgehalten, seit knapp eineinhalb Monaten plane ich konkreter und heute geht endlich mein Artikel zu Fettnäpfchen im Umgang mit trans Menschen online. Es ist dazu zu sagen, dass der Artikel bei Weitem nicht fertig ist. Ich habe noch eine lange Liste mit Punkten, die ich dort ansprechen möchte, in der Hinterhand und stolpere immer wieder über weitere Punkte. Nichts desto trotz wollte ich den Artikel schon einmal veröffentlichen und von Zeit zu Zeit neue Fettnäpfchen ergänzen und vielleicht auch dann und wann die Struktur des Artikels überarbeiten, sollte er zu unübersichtlich werden. Ihr findet ihn unter dem Link gerade eben oder in der Navigation dieses Blogs.

Viel Spaß beim Lesen und falls ihr noch Anregungen habt: Immer her damit! 🙂

Alina

Viel Neues

Contentwarning: Dieser Artikel umfasst die folgenden Themen: Depressionen

In über sieben Monaten hat sich viel getan. Ich werde versuchen, hier einigermaßen chronologisch die Dinge zu erzählen, die mir schon lange auf der Zunge brennen.

Ich schrieb zuletzt davon, mir aufgrund meiner Depressionen einen Platz in einer psychiatrischen Tagesklinik gesichert zu haben. Ich war dort im Januar und Februar für fünf Wochen und hab dort viele nützliche Dinge gelernt. Zum einen habe ich in der Zeit gelernt, viel bewusster zu kommunizieren, habe gelernt, wie wichtig es ist, Dinge, die mir wichtig sind, anzusprechen und mit ihnen offen umzugehen. Diese Sachen hatte ich in der Vergangenheit oft für mich behalten und versucht, sie selbst zu lösen oder Zeichen zu machen, was ich will, ohne es konkret anzusprechen. Oder ich habe unschöne Dinge hingenommen statt sie anzusprechen.

Ein gutes Beispiel dafür ist, als ich in der Klinik eines vormittags von jemandem mit Pronomen “er” betitelt wurde. Es war recht offensichtlich, dass die Person damit nicht so recht zufrieden war, aber sich nicht zu helfen wusste. Ich sprach sie im Anschluss des Programmpunktes unter (mehr oder weniger) vier Augen darauf an, dass ich das unschön fand und um “sie” als Pronomen bitten würde. Die Person reagierte verlegen und entschuldigte sich nicht nur einmal für das falsche Pronomen. Ich wiederum erklärte, dass es schon okay für mich sei, solange sie jetzt drauf achten würde. Ich bin mir ja bewusst, dass mir einige Menschen meine Transsexualität ansehen und nie gelernt haben, wie sie damit umgehen sollen. Danach konnten wir beide diese Sache abschließen und waren zufrieden.

Abseits vom Kommunizieren lernte ich auch einige Skills, die mir helfen, wenn es mir gerade akut schlecht geht. Insbesondere Stabilisierungs-/Imaginationsübungen helfen mir auch heute noch, negative Gefühle leichter aufzuarbeiten. (“Auch heute noch?” werdet ihr fragen. Aber Gemach, liebe LeserNinnen. Dazu komme ich noch.) Wenn die Konzentration nicht reichte, um diese Übungen durchzuführen, half mir Origami, diese Konzentration zu gewinnen. Beim Falten von mir bereits vertrauten Figuren brauchte ich keine wirkliche Konzentration auf das, was ich tat, aber musste meinen Fokus auf das Papier richten. Nach ein, zwei Figuren war mein Kopf dann eigentlich immer zumindest für eine kurze Zeit einigermaßen klar, so dass ich dann die Stabilisierungsübungen angehen konnte, die mir halfen, zumindest für die nächsten Stunden diese Freiheit von negativen Gefühlen zu halten – genug Zeit zu versuchen, den Auslöser der Emotionen zu ergründen und beheben.

Der Aufenthalt in der Tagesklinik hat mir also definitiv etwas gebracht. Jedoch…

Die nächsten vier Wochen waren bei mir Klausurenphase. Diese Zeit war deshalb so besonders, weil nur zwei Klausuren mich von meinem Bachelor-Titel trennten. Zumindest eine der Klausuren würde aber erst ein Semester später wieder angeboten werden, sollte ich durchfallen – das würde nicht nur ein Semester länger im Bachelor bedeuten, sondern finanzielle Probleme mit sich bringen, da ich auf keine weitere Verlängerung des BAföGs hoffen konnte. Entsprechend legte ich mich beim Lernen ins Zeug. Die erste Klausur lief dann auch ganz gut, die zweite jedoch gar nicht. Zu viel Stoff wurde abgefragt, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Ich hatte das Gefühl nicht einmal die Hälfte aller Punkte gesammelt zu haben und bekam Panik, dass ich ausgerechnet diese Klausur, die erst ein Semester später wieder angeboten wurde, in den Sand gesetzt hatte. Meine Depressionen kamen mit dieser Angst zurück.

Zwar durfte ich etwa eine Woche später feststellen, dass die Angst unnötig war (offenbar hatte jeder mit dieser Klausur Probleme und die Bestehensgrenze wurde entsprechend angepasst), aber auch wenn die Angst damit verflog, die Depression blieb. Und das über Monate.

Es ist nicht so, dass ich in dieser Zeit gar nicht glücklich sein konnte. Aber es brauchte immer einen Auslöser. Ich war nicht “einfach so” glücklich. Versagensängste wurden mein ständiger Begleiter. Ich konnte meine Erfolge nicht mehr sehen, wenn ich nicht mit der Nase drauf gestoßen wurde, nahm nur die Fehler wahr. Ich kämpfte antriebslos mit meinem Studium und war einige Male kurz davor es einfach hinzuschmeißen, obwohl der Stress rückblickend kein großer war. Es gab durchaus Momente, in denen ich hätte platzen können vor Glück, vor Freude. Aber nie hielt es lange. Ich hatte das Gefühl, dass Energie, Antrieb eine Flüssigkeit war und ich ein löchriger Eimer. Ich konnte die Energie einfach nie lange halten. Und wenn etwas nicht so lief, wie erhofft, riss mich dies immer häufiger so weit runter, dass ich keine Energie mehr hatte, auch nur zu falten oder eine Stabilisierungsübung zu machen. In diesen Momenten kam ich nur noch mit einem Medikament aus meinem Loch, welches ich genau für solche Situationen mitbekommen hatte.

Bis Ende Mai wurde es immer schlimmer und ich entschied mich, mich erneut an die Tagesklinik zu wenden. Zwar wollte ich das laufende Semester noch irgendwie abschließen und erst im Wintersemester wieder in die Klinik, aber ich brauchte irgendein Licht am Ende des Tunnels. Anfang Juni nutzte ich dann einen Moment, in dem ich zumindest etwas Kraft hatte, um in der Klinik anzurufen. Mittlerweile ist mir dort ein Platz im September sicher, um den ich als Absicherung sehr froh bin. Aber es hat sich mehr ergeben.

Ebenfalls Anfang Juni hatte ich einen Termin bei meiner Endokrinologin. Ich sprach mit ihr erneut darüber, dass die Depressionen in den letzten zwei Jahren deutlich zugenommen haben und fragte, ob es die Möglichkeit gebe, andere Medikamente zu verwenden. Die gab es und ich tauschte Androcur gegen Utrogest als Testosteronblocker.  Bereits nach 2-3 Wochen merkte ich eine deutliche Veränderung. Ich habe deutlich mehr Energie – dass ich endlich mal wieder blogge, ist nur einer von vielen Beweisen, wie viel besser es mir geht. In meinem Freundeskreis, ja selbst in meinen Livestreams bin ich darauf angesprochen worden, dass ich wie ausgewechselt wirke, deutlich glücklicher wirke. Dies deckt sich mit meinem Empfinden. Und genau deshalb sage ich, ich bin froh, einen Termin in der Klinik in der Hinterhand zu haben, aber ich rechne mittlerweile damit, ihn nicht zu benötigen. Ich warte noch ab, ob sich doch wieder etwas verändert.

Hätte ich vor 1-2 Monaten noch gesagt, die Hormone seien mir wichtiger als meine geistige Gesundheit, muss ich das jetzt revidieren. Ich hatte vergessen, wie es ist, glücklich zu sein und Energie zu haben. Sollte sich herausstellen, dass die aktuelle Dosis an Utrogest noch falsch ist und nach oben korrigiert werden müssen und sollten dadurch die Depressionen zurückkehren, werde ich erneut das Medikament wechseln. Und wenn alles nichts hilft, dann werde ich keine Hormone mehr nehmen. Das würde natürlich viele Veränderungen, die ich hier schon häufiger angesprochen habe, wieder rückgängig machen, aber bevor ich mich mit solchen inneren Dämonen quäle, kaschiere ich lieber meinen Körper.

Natürlich heißt das alles nicht, dass ich jetzt keine Probleme mehr habe oder nicht von Zeit zu Zeit weine. Es sind in den letzten Wochen einige Dinge passiert, die mich zum Weinen gebracht haben. Ich möchte auf die Details nicht groß eingehen. Was ich aber sagen möchte, ist, dass ich dies nun wieder überstehe, ohne auch nur an das Notfallmedikament denken zu müssen. Der Schmerz ist nicht mehr übermächtig, ich habe die Energie, ihn ohne Hilfe zu überstehen. Und um auch diesen Kreis zu schließen: Ich nutze trotzdem immer noch gerne die Stabilisierungsübungen. Nicht, um es in den akuten Momenten aus dem Schmerz zu schaffen, sondern viel mehr um an mir zu arbeiten. Ich nutze sie zum Beispiel, um an bleibenden Gefühlen zu arbeiten, die sich untergründig über lange Zeit erstrecken, um diese schneller überwinden zu können.

Ich hoffe, dass das Kapitel “Depressionen” damit für mich endlich abgeschlossen ist. Die Zeit wird es zeigen. Wenn nicht, weiß ich aber, wo ich Hilfe bekommen kann und werde es hoffentlich nicht wieder so schlimm werden lassen, wie es war.

Vielleicht noch ein paar Worte zu Dingen, die ich bisher nur andeutete:

Ich habe mittlerweile offiziell den Bachelor of Science in Informatik abgeschlossen. Selbst das erste von hoffentlich vier Semestern des Masters ist so gut wie abgeschlossen und mittlerweile hab ich dabei auch wieder ein gutes Gefühl und Spaß am Studium. Auch ansonsten sieht mein Leben eigentlich echt gut aus. Ich habe tolle Menschen an meiner Seite, die mich unterstützen, tolle Freunde und eine ebenso tolle Familie. Meine sozialen Kontakte waren die letzten Monate, wenn nicht Jahre, zurückgegangen und beschränkten sich auf geplante Veranstaltungen. Davon gab es zwar genug, dass ich mich nicht isoliert habe, aber ich habe mich quasi nicht mehr spontan mit Freunden getroffen, was früher üblich war. Ich werde die nächste Zeit versuchen, was das angeht wieder Fuß in meinem Freundeskreis zu fassen und wieder mehr zu unternehmen. Ich denke, jetzt, wo ich dafür wieder Energie habe, sollte das gut machbar sein.

Soviel zum Rundumschlag. Ich denke, dass ist so das wichtigste der letzten Monate. Als nächstes könnte ich dann ja endlich mal das Layout des Blogs überarbeiten und ihn auf mobilen Geräten vernünftig lesbar machen 😀

Bis bald,

Alina

Wieder ein Jahr vorbei

Contentwarning: Dieser Artikel umfasst die folgenden Themen: Depressionen (am Rande erwähnt)

Nun ist bereits Dezember und damit schon wieder ein Jahr fast rum. Gerade die letzten Monate wurde es auf meinem Blog wieder sehr ruhig. Das hat zwei Gründe: Zum einen gab es nicht viel, von dem ich hier hätte bloggen wollen. Ich hab in letzter Zeit viele tolle Dinge erlebt, aber so richtig etwas großes, das ich gern gebloggt hätte, gab es nicht wirklich. Zum Anderen… nun ja. Schrieb ich vor zwei Monaten noch im Artikel über Depressionen, dass ich hoffte, meine seien Überwunden, erwischten sie mich kurz darauf doch wieder. Sie sind gefühlt ähnlich schlimm wie die, die ich letztes Jahr erlebt habe, aber dieses Mal hab ich die oben erwähnten tollen Erfahrungen, die mich noch gut über Wasser halten. Die Depressionen haben aktuell wenig Einfluss auf meinen Alltag, halten mich aber in meiner Freizeit davon ab, meinen Hobbys groß nach zu gehen. Stattdessen pflege ich meine sozialen Kontakte, ein weiterer wichtiger, stützender Faktor.

Ich kann mich aber darauf nicht ausruhen. Soziale Kontakte und gute Ablenkung mögen mich vorerst stützen, aber das wird natürlich nicht ewig gut gehen. Aus diesem Grunde habe ich mich mittlerweile an eine Tagesklinik gewendet und werde dort im Januar einen Platz bekommen – im Dezember stehen noch einige Termine an, die ich unbedingt wahrnehmen möchte, um vorher etwas Kraft zu tanken. Dazu gehören vor Allem Weihnachten bei meinen Eltern und das erste Furious Feedback – Konzert. Furious Feedback ist das musikalische Projekt von Daniel, den ich ja auch schon hin und wieder hier im Blog erwähnte, und ich verfolge das Projekt vom ersten Demo-Song an mit Begeisterung. Zwischendurch werde ich mich außerdem wieder mit vielen tollen Leuten treffen, die ich sonst viel zu selten sehe.

Ein paar Dinge möchte ich aber doch noch erzählen, die mir in letzter Zeit widerfahren sind. Sie sind alle keinen eigenen Blogpost wert, aber vielleicht trotzdem ganz interessant.

Meine Gesichtszüge werden zunehmend weicher. Vor ein paar Tagen lernte ich eine junge Frau kennen, die mir im Laufe des Abends das Kompliment machte, ich habe so ein schönes Gesicht. Später sprach ich sie darauf an, ob sie gemerkt habe, dass ich Transsexuell bin – ja, hatte sie, aber nur, weil sie mit der Thematik vertraut ist. Insbesondere hob sie hervor, dass sie der festen Überzeugung ist, dass Menschen, die sich nicht mit Transsexualität auskennen, mein Gesicht garantiert als weiblich identifizieren würden.

Vor ein paar Wochen war ich für ein Wochenende in Österreich. Dort traf ich auf ein Pärchen, welches meinte, mich zu erkennen. Nach einigem hin und her wurde uns klar, woher: Die beiden lesen meinen Blog. Hallo an euch zwei 🙂 Ich fand es echt faszinierend, aber auch etwas irritierend, plötzlich und ohne Vorwarnung an einem Ort, an dem ich nie zuvor war, zwei Menschen zu treffen, die meinen Blog lesen und mich dann sogar erkennen. Auf jeden Fall eine sehr interessante Erfahrung!

Nach einigem Hin und Her ist meine Bachelorarbeit durch und dieses Semester stehen nur noch zwei Vorlesungen an, bis ich dann auch meinen ersten akademischen Abschluss (Bachelor of Science in Informatik) habe. Auch war meine finanzielle Absicherung zwischendurch wackelig, hat sich nun aber gefangen und ich habe ein recht entspanntes (Rest-)Semester vor mir. Das ist auch gut so, schließlich hab ich ab Januar ja auch noch ein bisschen mehr um die Ohren.

Ansonsten gibt es, denke ich, nicht viel, das erzählenswert wäre, daher belasse ich es an dieser Stelle einfach dabei. Die nächsten Wochen und Monate wird’s dann hier vermutlich wegen dem Rumreisen und dem Klinikaufenthalt auch weniger von mir zu hören geben, aber vielleicht hab ich danach dann wieder mehr interessantes zu erzählen.

Alina

Gastartikel: Die Sicht des Bruder

Endlich gibt es wieder einen Gastartikel. Diesmal habe ich meinen Bruder dazu überreden können, ein bisschen was darüber zu schreiben, wie er zu meiner Transsexualität steht.

Für mich begann alles etwa im Sommer 2011. Unsere Mutter sagte mir, dass Alina die Tage mal mit mir reden müsse. Ich wusste natürlich nicht worum es ging. Als der Tag kam, saßen Alina (damals für mich noch mein Bruder) und ich in der Küche am Esstisch. Ihr Blick ging mehr auf den Tisch als auf mich, woraus ich schließen konnte, wie schwer es ihr eigentlich fiel mir das zu erzählen. Damals outete sie sich mir als „Cross-Dresser“. Unsere Eltern wussten es schon lange und einige Freunde von Alina auch, nur ich wusste nichts davon, bis zu dem Zeitpunkt. Aufmerksam hörte ich mir an was sie sagte. Gestört hat es mich nicht. Für mich hat sich ihr gegenüber nichts verändert oder um es anders zu sagen: es war mir egal. Für mich war und ist sie die selbe Person wie auch vorher. Schließlich ändert sich ihre Art mir gegenüber doch nicht.

Doch das alles war wohl nur die Selbstfindungsphase. Sie wusste wohl damals selbst noch nicht genau was sie nun ist. Schließlich kam der Tag an dem sie sich mit ihrer Transsexualität uns gegenüber geoutet hat. Auch das war mir egal. Sie ist und bleibt meine Familie.

Während dessen war ich noch in der Ausbildung und schnell sprach sich in der Firma herum, dass meine Schwester transsexuell ist. Ich habe daraus auch kein Geheimnis gemacht. Es wirkt aber bis jetzt nicht so als wenn meine Kollegen damit ein Problem hätten. Ab und zu kommen mal „deine Schwester“ Witze, über die ich meistens auch lachen kann, aber wenn es mal zu weit geht, bekommen sie es auch zu spüren. Es kam zwar noch nicht oft vor, dass einer zu weit ging, aber jedes mal hat derjenige sich auch hinter dafür entschuldigt. Meine Arbeitskollegen wissen aber auch, wie locker ich mit dem Thema umgehe. Es gab aber leider auch Ausnahmen. Leute die damit nicht umgehen könnten und genau diese Leute lass ich es auch spüren, dass ich mit Ihnen absolut nichts zu tun haben will! Wenn jemand was gegen meine Schwester hat, will und werde ich auch nichts mit Ihm zu tun haben. Diese Leute sind schlicht weg zurückgeblieben und sind es nicht wert, dass ich mich mit Ihnen beschäftige! Schließlich sucht sich niemand aus transsexuell, homosexuell oder heterosexuell zu sein. Man ist es einfach. Es ist doch keine Entscheidung. Es sind Gefühle. Toleranz und Akzeptanz sollten doch in unser doch modernen und aufgeklärten Welt, in unserer Gesellschaft normal sein. Aber genau das ist leider noch nicht der Fall.

Egal was auch passiert, egal was kommt, ich werde immer zu 100% hinter Alina stehen. Hinter meiner Familie.

Depressionen und der Umgang damit

Contentwarning: Dieser Artikel umfasst die folgenden Themen: Depressionen
Hinweis: Dieser Artikel ist veraltet und entspricht nicht mehr meinen aktuellen Ansichten.

Zunächst möchte ich an dieser Stelle eine Contentwarnung aussprechen. Ich hoffe zwar, dass sie unnötig ist, aber kann nicht ausschließen, dass dieser Artikel bei xiem einen oder anderen Unbehagen oder Ähnliches auslöst. Ich möchte hier offen über das Thema Depressionen reden, weil ich es für ein wichtiges halte, über das zu oft geschwiegen wird. (Dies bedeutet nicht, das eins ständig allen Menschen erzählen soll, wie schlecht eins es hat, aber dazu später mehr.) Außerdem verwende ich ab diesem Artikel die geschlechtsneutralen Pronomen und Binnen-N-Schreibweise, wie im letzten Artikel angekündigt.

Dieses Thema brennt mir schon lange unter den Nägeln, den ich selbst lebe mit Winterdepressionen. Nein, ich leide nicht unter ihnen. Zumindest nicht ständig. Ich sorge dafür, kämpfe darum, dass ich nicht unter ihnen leide. Es gibt sicher Zeiten, da werfen sie mich komplett aus der Bahn, aber im Wesentlichen lebe ich ein ganz normales Leben und habe die Depressionen in Griff. Aber dieses Glück hat nicht jedmensch.

Ich habe bis vor einem Jahr meine Winterdepressionen als “leicht” eingestuft. Seit mindestens meiner Pubertät kenne ich sie und habe glücklicherweise recht schnell gemerkt, wie ich sie in den Griff bekommen. Mein Patentrezept war bis dahin, einen gut gefüllten Terminkalender zu haben. Der Trick war es, zwar keinen Stress zu haben, der die Depression begünstigt hätte, aber auch keine Zeit zum Nachdenken. Gerade wenn ich viel mit meinen FreundNinnen unternehme, ist das alles andere als Stress, aber eine Ablenkung von Gedanken, die nur allzu schnell düster werden, wenn ich nicht aufpasse.

Es ging selten soweit, dass ich darüber nachgedacht hätte, mir etwas an zu tun. Getan habe ich mir aber nie tatsächlich etwas.

Mir hat es geholfen, wenn es mir akut schlecht ging, mit engen Vertrauten zu reden. Selten waren das meine Eltern, meist eher FreundNinnen. Oft hat es mir auch geholfen, eine Weile traurige Musik zu hören, mich einmal in meine Depressionen hineinzusteigern, mich auszuweinen. Danach ging es mir meist besser, weil ich meinen Frust, meine Probleme rauslassen konnte.

Dies hat sich alles seit ich die Hormone nehme verschlimmert.

Im letzten Winter hatte ich das erste Mal Gedanken daran, mich umzubringen. In den Momenten fühlte es sich so an, als seien die fehlenden Mittel das einzige, was mich davon abgehalten hat. Mensch sagt gern, wenn sich jemensch umbringen will, fände xier einen Weg, aber ich habe höllische Angst vor Schmerzen und es kam auch in den Momenten nur ein schneller, möglichst schmerzfreier Tod für mich in Frage. Heute glaube ich zwar, dass mein Überlebenswille stärker gewesen wäre, und ich mir auch mit entsprechenden Mitteln nicht das Leben genommen hätte, in den Momenten fühlte es sich aber nicht danach an.

Seit dieser Zeit hilft es mir kaum noch, mit Leuten zu reden. Ich tu es immer noch, aber es tut mir weniger gut als früher. Was mir hilft, ist, von engen Vertrauten in den Arm genommen zu werden und mich ausweinen zu dürfen, denn alleine oder “nur” mit trauriger Musik bekomme ich kaum noch Tränen heraus. Das Weinen-Können und -Dürfen ist dann unglaublich befreiend für mich.

Auch meine bisherige Vermeidungsstrategie funktionierte letzten Winter nicht mehr – ich hatte kaum die Kraft, meinen Terminplan ausreichend mit Ablenkung zu füllen. Hätte ich von Anfang an mehr hierauf geachtet, wäre der Winter unter Umständen leichter gewesen, aber es gab einige Momente, in denen ich getriggert wurde – Situationen also, die meine Depression nahezu unmittelbar hervorriefen. Spätestens in diesen Situationen, die die eigentlich schlimmen waren, wäre der Winter trotzdem gleich verlaufen.

Nun ist der letzte Winter überstanden, der nächste steht jedoch langsam aber sicher vor der Tür. Da ich mir mittlerweile Gedanken um den kommenden Winter mache und nicht will, dass sich der letzte wiederholt, wollte ich eigentlich versuchen, ein Rezept für Notfallmedikamente zu bekommen, wurde hierfür jedoch an Psychaterninnen verwiesen. Da in der näheren Umgebung aber Psychatermangel gibt, habe ich keine Chance, rechtzeitig einen Termin zu bekommen. Mein Plan B besagt daher jetzt, dass ich immer Baldrian im Haus haben werde. Baldrian hat mir über das Jahr hinweg schon mehrfach über Stimmungstiefs hinweg geholfen, wenn ich es allein nicht geschafft habe. Außerdem werde ich meinen Terminplan wieder füllen. Meine Livestreams sind hierbei eine Hilfe. An ihnen habe ich Spaß und Ablenkung und kann sie spontan starten, wenn ich nichts anderes vor habe.

Wenn der Winter auch nur im Ansatz so schlimm wird wie der letzte, werde ich mich nächstes Jahr weiterhin um einen Therapieplatz speziell für meine Winterdepression bemühen.

Kurzum: Nein, es ist nicht schön mit Winterdepressionen. Aber auch nein, niemand muss sich deshalb Sorgen um mich machen. Ich habe einen Schlachtplan und bin mir sicher, diesen Winter die Depression wieder niederzuringen.

Ich kenne aber auch die andere Seite der Medaille. Ich kenne einige Leute, die mit ihrer Depression mehr zu kämpfen haben als ich. Über die Jahre hinweg habe ich einige Menschen kennen gelernt, bei denen die Depression mit verschiedenen anderen Symptomen einher ging, oftmals Selbstverletzendem Verhalten (SVV). Die Geschichten dahinter sind dabei die unterschiedlichsten.

Während einige dieser Leute sich wieder und wieder darum bemühen, ihre Depression zu überwinden, viele davon trotz mehrmaligem Scheiterns, gibt es jedoch leider einige Menschen, die sich auf ihren Problemen ausruhen. Manchmal sind sie sich darüber im Klaren, dass ihre permanente Trauer krankhaft ist, manchmal nicht, in beiden Fällen suchen sie aber nicht nach Hilfe. Statt dessen müssen FreundNinnen herhalten, auf deren Ratschläge selten gehört wird. Statt nach einer Lösung zu suchen, suchen sie nach Bestätigung. Diese Menschen sind meiner Erfahrung nach Gott sei Dank die Minderheit. Ich gehe ihnen mittlerweile konsequent aus dem Weg, auch wenn es nicht immer ganz einfach ist, denn tragische Schicksale stecken meist trotzdem dahinter. Nur habe ich die Erfahrung gemacht, dass es eine Verschwendung der Kraft ist, die ich selbst gut gebrauchen kann, um nicht selbst in Trauer zu fallen.

Es gibt noch eine ähnliche Verhaltensweise, der ich konsequent aus dem Weg gehe, die ich vor Allem im Internet beobachte. Es gibt Menschen, die in sozialen Netzen in alle Welt heraus posaunen, wie schlecht es ihnen geht, die dann aber auf Rückfragen nicht antworten wollen oder sogar aggressiv werden. Auf der einen Seite muss diesen Menschen klar sein, damit unter Umständen viele Leute zu erreichen, auf der anderen wird Hilfe aber wieder abgeleht, siehe oben.

Zwar bin ich grundsätzlich für eine Enttabuisierung der Thematik, aber ich bin der Meinung, eins sollte über die eigenen Probleme nur mit Vertrauten Menschen reden – mit solchen, von denen mensch weiß, dass sie einen nicht dafür verurteilen, Probleme zu haben und denen gegenüber eins sich öffnen kann. Gerade auf Twitter sehe ich oft bereits in Profilen von Menschen, dass sie dort Dinge wie “sucht Liebe” oder “immer traurig” oder direkt “depressiv” stehen haben. Sie drängen damit ihrem Umfeld ihre Probleme auf und reduzieren sich damit letztlich selbst darauf. Dadurch wirkt es mindestens auf mich auch “abstoßend” im Sinne von “ich will mit so jemenschen nichts zu tun haben”.

Menschen, die sich von diesen letzten Absätzen angesprochen fühlen, würde ich dazu raten, ihre Probleme (und das sind in diesem Moment nicht zwingend nur das, was mensch klassischerweise als Depression bezeichnen würde) nicht öffentlich zu machen, zumindest nicht die akuten. Ich halte es unter Gewissen Umständen, gerade zur Aufklärung, sinnvoll, offen mit diesen Problemen umzugehen. Wenn es einem aber gerade akut schlecht geht, sollte eins sich lieber mit engen Vertrauen austauschen. Diese können einem viel besser beistehen und einen besser verstehen, als ein Kollektiv, in dem sich letztlich doch selten jemensch und noch seltener dier Richtige aufgefordert fühlt, zu helfen. Hat eins einen solchen Vertrauten nicht, kann es trotzdem in meinen Augen sinnvoll sein, zumindest eine Weile die Probleme zu verheimlichen und sich jemenschen zu suchen, dier helfen kann – in schlimmen Fällen einen Therpeutnin, in weniger schlimmen einen Vertrauten, den eins in der Zwischenzeit findet.

Natürlich gilt bei diesem Artikel wie immer, dass dies alles meine Meinung ist. Ich bin mir sicher, dass einige LeserNinnen stellenweise andere Ansichten vertreten werden. Gerade bei diesem Post würde ich mich daher sehr über Kommentare freuen.

Alina

Geschlechtsneutrale Pronomen, Artikel und Substantive

Erinnert sich noch jemand daran, wie unglaublich wütend ich war, als ich von der Gender Gap erfahren habe?

Während sich meine Einstellung zur Gender Gap wenig geändert hat, ich empfinde sie immer noch als eine Art Schweigeminute und damit als unangemessen, bin ich längst zum Schluss gekommen, dass das generische Maskulinum eigentlich auch nicht wirklich toll ist. Ja, ich stehe zum Argument, dass das generische Maskulinum ein grammatikalisches Phänomen ist, das halt irgendeine Form für generische Formulierungen gewählt werden musste.

Aber dennoch sehe ich mittlerweile das Problem, dass mit dem generischen Maskulinum meist trotzdem primär Männer verknüpft werden. Spreche ich davon, dass ein Schüler immer aufmerksam sein sollte, dann werden die meisten Menschen einen Jungen oder jungen Mann vor sich sehen, der aufmerksam sein soll. Alternativen habe ich lange nicht wirklich gesehen oder gekannt.

Als ich aber auf Mädchenmannschaft über den Artikel “Pronomen ohne Geschlecht” stolperte, wurde ich hellhörig. Dort wird zwar nicht direkt auf Alternativen zur Gender Gap eingegangen, die ja Nomen betrifft, aber auf Pronomen und Artikel. Statt von “er” oder “sie” zu reden, machen es diese Pronomen möglich von “xier” zu reden – xier kann immer dort verwendet werden, wo er oder sie verwendet werden könnten, sagt dabei aber nichts über das Geschlecht aus.

Ich recherchierte etwas weiter, denn nun wollte ich bitte auch eine Alternative zur Gender Gap, mit der ich zufrieden sein konnte. Neben Schreibweisen mit Sternchen (Schül* (gesprochen: “Schülstern”) oder Schüler*In (ich weiß bisher nicht, wie dies ausgesprochen wird)), gab es noch das Binnen-N der Syvain-Konvention (SchülerNinnen). Da ich finde Schül* klingt gesprochen eher seltsam und ich bei Schüler*In nicht einmal sicher weiß, wie man es denn nun ausspricht, habe ich mich entschieden, zukünftig die Binnen-N-Schreibweise sowie die oben genannten Pronomen ohne Geschlecht nach AnnaHeger hier im Blog zu verwenden.

Das bedeutet nicht, dass ich auf die klassischen Pronomen jetzt verzichten werde, denn die meisten meiner Freunde, die ich hier erwähne, ordnen sich meines Wissens nach einem der klassischen Geschlechter zu. Da werde ich auch weiterhin das entsprechende Pronomen verwenden. Generalisiere ich aber oder rede von Leuten, deren Geschlecht ich nicht kenne oder nicht preisgeben möchte, so werde ich die Pronomen ohne Geschlecht verwenden (und im generalisierenden Fall auch die Binnen-N-Schreibweise).

Das wird sicherlich anfangs ungewohnt – für mich wie auch für vermutlich viele meiner Leser. Und niemand kann mir sagen, ob diese Kombination, die ich verwenden werde, sich durchsetzen wird. Trotzdem finde ich es mittlerweile wichtig, dass sich die Sprache hier weiterentwickelt. Die Vielfalt, für deren Anerkennung ich kämpfe, sollte sich auch sprachlich wiedergeben lassen, ohne, dass ich dafür Englisch oder Schwedisch sprechen muss – unter anderem diese beiden Sprachen kennen nämlich bereits Pronomen ohne Geschlecht.

Ich werde mich bei Zeiten drum bemühen, meine Begriffe-Seite mal aufzuräumen und um Verweise auf die Pronomen und das Binnen-N zu machen. Bis dahin findet ihr bei Verständnisproblemen aber ja hier die wichtigen Links.

Alina