Das letzte Jahr

Contentwarning: Dieser Artikel umfasst die folgenden Themen: Depression, Suizidgedanken, Tod

Ein Jahr.

Ein Jahr ist es schon wieder her, seit ich zuletzt etwas hier geschrieben habe. Nicht zum ersten Mal. Und trotzdem besuchen immer noch immer wieder Menschen diese Seite und lesen, was ich so schreibe. Vielen Dank dafür!

Ein Wort der Warnung: Die Contentwarnings beschreiben ja schon, worum es grob gehen wird, aber ich möchte noch einmal betonen, dass ich auf viele Aspekte der genannten Themen sehr offen eingehen werde. Ich weiß, dass das für einige Menschen sehr anstrengend sein kann.

Wer mir auf Twitter folgt, weiß, dass 2016 für mich ein anstrengendes Jahr war. Ich würde gern vorne anfangen, aber ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr so genau, was überhaupt in der ersten Jahreshälfte passiert ist. Um es mit einem Bild zu beschreiben: Stellt euch einen bewölkten Himmel im Winter vor. Keine weißen, flauschigen Fluff-Wolken, keine bedrohlich schwarzen Gewitterwolken, sondern ein grau in grau in grau, soweit das Auge sieht.

Mit etwas mehr ernst und dafür weniger Melodramatik: Rückblickend kann ich kaum noch einzelne Tage benennen, an denen besondere Dinge passierten. Es war ein trostloser Alltag, höchstens von Tagen unterbrochen, an denen es mir schlechter ging als sonst.

Irgendwann fing ich an, eben diese Tage zu protokollieren, legte eine Art Stimmungstagebuch an. Als ich damit anfing, stellte ich fest, dass diese schlechten Tage fast exakt alle zwei Wochen vorkamen. Das hielt sich jedoch nur vielleicht zwei Monate, bevor die schlechten Tage immer weiter aneinander heran rückten.

Als im Juni und Juli dann auch noch Unistress und Schwierigkeiten in der Liebe dazu kamen, verzweifelte ich ziemlich. Ich musste jede wache Minute an zwei Abgaben arbeiten, deren Deadlines innerhalb weniger Tage lagen und konnte mich von meiner Freizeit verabschieden.

Als der Stress hinter mir lag, war ich erst froh, wieder durchatmen zu können. Ich hatte in der Zeit mehrere emotionale Zusammenbrüche und ging davon aus, dass jetzt alles besser werden würde. Wurde es nicht, ganz im Gegenteil.

In meinem Leben breitete sich in der Zeit eine Leere aus. Ich zog mich aus Allem zurück, mit dem Gedanken, dass ich etwas Erholung und Entspannung brauchte. Ich fand aber nicht zurück. In der Zeit brachen alle meinen sozialen Kontakte ein – meine regelmäßige Rollenspielrunde pausierte über die Vorlesungsfreie Zeit, zu anderen Aktivitäten wurde ich kaum eingeladen und hatte auch nicht die Löffel, selbst Initiative zu ergreifen und mich mit Freunden zu treffen. Es war ein Teufelskreis. Ohne soziale Kontakte fiel es mir immer schwerer, Kontakt zu Leuten aufzubauen, was zu noch weniger Kontakt führte. Kurzum: Ich isolierte mich.

Die Isolation begann die Depression zu begünstigen und umgekehrt. Ich kämpfte nicht nur mit den üblichen Selbstzweifeln, die ich fast immer habe, sondern glaubte ihnen, war mir sicher, ich sei unbedeutsam und unwichtig. Natürlich machte das es noch schwerer, wieder aus meinem Loch raus zu kommen.

Dass ich damals noch nicht begriff, warum es mir schlechter und schlechter ging, dass ich nicht verstand, dass ich mich isolierte und mir das nicht gut tat, sorgte dafür, dass ich aus eigener Kraft einfach keinen Ausweg sah.

Anfang August setzte ich mir aus Verzweiflung ein Ultimatium. An jenem Tag kämpfte ich mit schlimmen Suizidgedanken, nicht zum ersten Mal in dieser Zeit, und entschied, dass sich dringend etwas ändern müsse – oder mein Leben wirklich keinen Sinn mehr hätte. Ich war mir in dem Moment sehr bewusst, dass ich diesen Gedanken nicht immer Gehör schenkte und legte deshalb ein Datum fest. Wenn es mir an diesem Datum Ende August nicht deutlich besser ginge, so würde es sicher auch nicht besser werden. Und wenn es mir in der Zwischenzeit wirklich besser ginge: Umso besser.

Ich ging erst davon aus, dass ich dieses Ultimatum bald vergessen würde. Ich habe mir solche Untimaten schon häufiger gesetzt und in der Regel sah schon am Tag darauf die Welt ganz anders aus. Solche Ultimaten halfen mir, in akut depressiven Momenten meinen Kopf frei zu bekommen. Ich konnte die negativen Gedanken beiseite schieben und in aller Regel war es danach so gut, dass ich das Ultimatium schnell vergaß.

Im August war das anders.

Ich verbrachte die nächste Zeit damit, eine Liste aufzubauen mit Dingen, die ich unbedingt erleben oder erledigen wollte, sollte ich mich Ende August dazu entschließen, mein Leben zu beenden. Ich sortierte Dinge aus dieser Liste, die nicht mehr realistisch machbar waren. Am Ende standen weniger als zehn Dinge auf der Liste – und ich fing an, sie systematisch abzuarbeiten.

Kurz vor dem gewählten Datum hatte ich tatsächlich all diese Dinge erledigt, längst einen Plan ausgearbeitet, wie ich meinen letzten Tag verbringen würde und wusste, wie ich mir das Leben nehmen wollte. Ich weiß nicht, wann und warum ich sicher war, dass ich nicht mehr leben wollte, aber irgendwann im August war ich an diesem Punkt angekommen.

Eine Weile vor dem gewählten Datum bat ich einige Freunde um Hilfe. Ich gestand ihnen, dass ich nicht mehr allein zurecht kam und bat sie, auf mich aufzupassen. Eine Woche vor Monatsende gestand ich ihnen dann auch, dass ich sogar Suizidpläne hatte. In einem klaren Moment bat ich darum, mit ihnen an dem Abend etwas zu unternehmen, bis ich müde ins Bett fallen würde. Ich war mir in dem Moment zwar sicher, dass ich nicht sterben wollte und mir nichts tun würde, wollte aber auf Nummer sicher gehen. Zwei gute Freunde stimmten zu und halfen mir, den Abend gut zu überstehen. Ich hab an dem Abend sogar viel Spaß gehabt.

Am nächsten Abend saß ich an meinem Tisch und versuchte mir Mut anzutrinken, um mir das Leben zu nehmen. Ich fand den Mut nicht.

Unter Tränen berichtete ich mitten in der Nacht der Gruppe an Freunden, was ich gerade versucht hatte und bat darum, dass sie mir helfen würden, mich einzuweisen. In den folgenden Tagen ging ich mit einer engen Freundin zur Krisenambulanz der Psychiatrie, bat dort um Hilfe, bekam für die nächste Woche ein Bett auf einer offenen Station versprochen und das Angebot direkt auf eine geschlossene Station zu kommen, wenn nötig. Nach einem umfangreichen Gespräch entschied ich mich, dass ich mit Notfallmedikamenten auch noch die Woche überbrücken könnte.

Tatsächlich habe ich seit dem Gespräch nicht mehr ernsthafte Suizidpläne gehabt. Gedanken daran: Ja, hin und wieder. Aber nie mehr als ein „Urgh, dieser Tag war Scheiße, kann ich bitte einfach sterben?“, nie ernsthaft. Ich glaube, dass der Abend, an dem ich es glücklicherweise nicht geschafft habe, mir etwas anzutun, mich ziemlich geprägt hat. Das heißt leider nicht, dass die Probleme damit vorbei waren, aber sich nicht mehr den Tod zu wünschen, ist auf jeden Fall ein Anfang.

Die nächsten sechs Wochen hab ich auf einer offenen psychiatrischen Station verbracht. „Offen“ heißt, dass ich zwischen den Mahlzeiten und Therapien ziemlich freien Ausgang hatte. Auf geschlossenen Stationen ist in aller Regel die Tür geschlossen (daher der Name) und der Ausgang nur unter harten Regeln erlaubt – zumindest ist diese Aufteilung die, wie ich sie mache. Ich glaube, diese Einteilung ist eher eine Einteilung, die von Patienten und Angehörigen genutzt wird, offizielle Bezeichnungen sind meinem Eindruck nach etwas komplizierter. Das ist aber jedenfalls wie ich diese Begriffe verwende.

In meinen sechs Wochen auf Station hab ich endlich realisiert, was im August (und schon vorher) mein Befinden beeinflusst hat. Ich habe zwei Din A4-Seiten mit Dingen beschrieben, die mich belastet haben, allen voran die soziale Isolation. Ich begann vieles aufzuarbeiten und Ideen zu entwickeln, die mir helfen würden, in Zukunft diese Eskalation zu vermeiden. Alles waren aber nur Anfänge – in sechs Wochen kann das nicht alles abgeschlossen werden.

Trotzdem fühlte ich mich sicherer, als ich die Klinik verließ. Ich hatte zwar viele Prüfungen verpasst und kam direkt im neuen Semester wieder zurück an die Uni, hatte also auch keine Zeit, verpasste Prüfungen nachzuholen, fühlte mich aber in der Lage, meinen Alltag wieder aufzunehmen, wenn ich es langsam anging. Und genau das tat ich.

Bis heute hab ich nicht alles nachgearbeitet, was ich durch meinen Klinikaufenthalt verpasst habe. Viele Leute reden gern von „faulen Studenten“, aber zumindest im Bachelor/Master System ist das einfach nicht die Realität. Ja, ich hab den Einstieg in das letzte Semester langsam angehen lassen, aber insgesamt hätte ich auch nicht viel mehr aufholen können, als ich es jetzt habe. Uni ist halt weit mehr als hin und wieder Vorlesungen besuchen, insbesondere, wenn eins auf Bafög angewiesen ist, welches ohne gute Gründe für eine Verlängerung nur in der Regelstudienzeit gezahlt wird. Studieren ist deutlich schwerer als sein Ruf behauptet.

Wer meine Streams verfolgt, hat längst gemerkt, dass ich seit Februar nicht mehr zum Streamen komme. Das liegt nicht daran, dass ich daran keine Freude mehr hätte. Es ist vielmehr so, dass ich dafür seit Februar einfach gar keine Zeit mehr hatte. Meine Verpflichtungen, ein großer Teil davon Unikram, haben mir nur wenig Freizeit gelassen. Da Streams für mich auch zu einem guten Teil Arbeit sind, konnte ich mir dieses Hobby einfach nicht erlauben. Überarbeiten möchte ich mich so schnell nicht nochmal.

Bevor ich diesen Post beende, ist es mir ein Anliegen auch hier noch einmal darauf hinzuweisen, wie zynisch und eklig das Leben sein kann: Am 29.8.2016, wenige Tage, nachdem ich mir das Leben nehmen wollte, endete das Leben meiner guten Freundin und Ex-Partnerin Mica (micatheneco). Mögest du in Frieden ruhen. Ich weiß, dass ich für viele, viele Menschen spreche, wenn ich sage: Ich vermisse dich schmerzlich, aber hoffe, dass du jetzt zumindest an einem besseren Ort bist.

Freunde von Mica sind herzlich willkommen, sich an mich zu wenden, wenn sie mit ihrer Familie Kontakt aufbauen möchten oder sie auf dem Friedhof besuchen möchten.

Ich weiß, dass dieser Beitrag kein fröhlicher geworden ist, aber leider ist mein Leben das bei weitem nicht immer. Falls es nicht deutlich wurde: Mir geht es aktuell besser und ich habe viel, vielleicht sogar das meiste, aufgearbeitet. Ich befinde mich in ambulanter therapeutischer und psychiatrischer Behandlung und fühle mich wohl damit, beides hilft mir. Aber einfach ist mein Leben leider nun einmal nicht. Mir ist es wichtig, hier auch hin und wieder die Schattenseiten zu zeigen, denn viel zu oft werden „schwere“ Themen, gerade auch Depressionen oder gar Suizid, totgeschwiegen.

Das Safer Sex Handbuch

Contentwarning: Dieser Artikel umfasst die folgenden Themen: Sex

Huch. Irgendwie rast dieses Jahr (mal wieder) die Zeit. Dabei hab ich eigentlich immer wieder Ideen gehabt, über die ich gern bloggen würde. Aber wie dem auch sei, heute hab ich Zeit, Lust und dazu noch ein Thema!

Ich habe ja vor ein paar Monaten das erste Mal offen über Sex gesprochen. Auch daraus, polyamor zu leben, mache ich kein Geheimnis. Das bedeutet auch, dass ich mit verschiedenen Menschen Sex habe – was das Thema „Safer Sex“ für mich deutlich wichtiger gemacht hat.
Das Problem hierbei: Für mich persönlich war der Sexualkundeunterricht in der Schule viel zu früh. Im Wesentlichen war das einzige, dass ich damals begriff, dass ein Kondom in aller Regel vor Schwangerschaft schützen würde – wenn es zwischen einem dyacis-Mann und einer dyacis-Frau zu Sex kam (dyacis => dyadisch, nicht inter und cis, nicht trans). Es ging sicher auch um Krankheiten, aber da ich damals noch kein Interesse an Sex hatte, fand ich den Unterricht grässlich. Sex zwischen gleichgeschlechtlichenn Menschen wurde höchstens angeschnitten, trans und inter Menschen nicht erwähnt und überhaupt ist das ja auch ein Sache bei der immer nur zwei Menschen beteiligt sind. Meine Lebensrealität sieht da deutlich anders aus.

Glücklicherweise stolperte ich kurz nachdem ich anfing, polyamor zu leben, über ein kleines Heftchen, welches mir hier genau die Informationen gab, die ich suchte – das Safer Sex Handbuch von Daniela Stegemann.
Was ich an diesem Handbuch mag, ist schon der Preis: Ein Exemplar kostet nur einen Euro und dürfte damit für sehr viele Menschen gut finanzierbar sein. Und genau das ist auch das Ziel von diesem Heft – viele Menschen erreichen.
So geht es in dem Heft nicht nur um dyadische cis Männer die mit ebensolchen Frauen Spaß haben, es geht darum, dass Menschen mit verschiedensten Körpern mit anderen Menschen Sex haben.
Ich mag an dem Buch, dass es nicht davon ausgeht, dass jeder Mann einen Penis und jede Frau Brüste hat. Es werden viele Vorschläge gemacht, wie mit verschieden Körperteilen umgegangen werden kann und welche Risiken es gibt, ohne sie dabei Geschlechtern zuzuordnen. Und es geht nicht davon aus, dass Körper nur zwei Ausprägungen haben, sondern geht absolut selbstverständlich damit um, dass es ein ganzes Spektrum an Körperteilen gibt – es beschränkt sich nicht auf Penis, Klitoris, Hoden und Vagina. An keiner Stelle spricht das Buch von „Du musst unbedingt folgendes beachten, sonst ist der Sex nicht safe!“ sondern es gibt Ratschläge. Es erklärt Risiken und macht Vorschläge, wie mit diesen umgegangen werden kann.
Es bleibt aber nicht beim reinen Sex. Bereits ziemlich zu Anfang behandelt das Handbuch das Thema „wie finde ich eigentlich raus, was ich mag, und wie kann ich drüber reden“. Hier wird sogar darauf eingegangen, dass es Menschen gibt, die Sex eben nicht mögen, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dies zu tun. Es ist okay, keinen Spaß am Sex zu haben – und es ist auch okay, trotzdem welchen zu haben, aus welchen Gründen auch immer.
Das Handbuch thematisiert auch Drogenkonsum und welchen Einfluss dies auf Sex haben kann. Sexspielzeug wird thematisiert. Es gibt eine Liste, welche Gleitmittel mit was für Materialen eingesetzt werden können, ohne dass das Material beeinflusst wird.
Und, und das war für mich ein sehr wichtiger Aspekt, es geht nicht davon aus, dass ich nur mit einem einzigen Menschen Sex habe. Sex mit mehreren Menschen wird zwischendurch immer mal wieder thematisiert.

Für mich ist Safer Sex mittlerweile ein wichtiges Thema. Da ich mit mehreren Menschen sexuellen Kontakt habe, ist es mir wichtig, das Risiko von Krankheiten gering zu halten. Passe ich nicht auf, könnte ich eine Krankheit von einer Person auf eine andere übertragen. Ich habe einfach für mehr Menschen Verantwortung als ich es in mono-Beziehungen hatte. Das Safer Sex Handbuch ist dabei mein Nachschlagewerk geworden, wenn ich Unsicherheiten habe. Mittlerweile verteil ich es munter in meinem Polycule (Polycule: Ich, meine PartnerNinnen, deren PartnerNinnen und so weiter), weil ich so begeistert davon bin.
Grundsätzlich würde ich mir sehr wünschen, dass das Handbuch weite Verbreitung findet. Es ist einfach ein super Nachschlagewerk für alle Menschen, die Sex haben. Falls das für euch interessant klingt, schaut doch gern auch mal auf der Website vorbei – daniela-stegemann.de

Alina

Herzmenschen

Mindestens die Personen, die mir auf Twitter folgen, werden schon hin und wieder über den Begriff „Herzmensch“ gestolpert sein, den ich ziemlich häufig verwende. Ich hab immer wieder gesehen, dass andere Leute den Begriff anders verwenden als ich, deshalb möchte ich an dieser Stelle erklären, was er für mich bedeutet.

Herzmenschen meint für mich meine PartnerNinnen. Ich bevorzuge den Begriff dabei allerdings aus mehreren Gründen.

Der Begriff Herzmensch ist in meinen Augen geschlechtsneutral, wie auch das Wort „Mensch“. Da nicht alle meine Herzmenschen männlich oder weiblich sind, macht dieses Wort das Sprechen über sie einfacher. Sie gehören verschiedenen Geschlechtern an, nicht alle sind überhaupt männlich oder weiblich. Ich brauche also in einigen Fällen auch ein Wort, dass auch im Singular Geschlechtsneutral ist. „Partner“/“Partnerin“ oder „Freund“/“Freundin“ trifft es also nicht bei allen meinen Herzmenschen. PartnerNin oder FreundNin ist aber eine Schreib- und Sprechweise, die einfach noch nicht wirklich verbreitet ist und erklärt werden muss, was ich nicht immer möchte. Herzmensch ist hier also eine gute Alternative.

Außerdem macht es auch allgemein das Sprechen im Plural leichter: Von meinen Freunden oder Freundinnen zu reden wird nicht dem gerecht, was zwischen meinen Herzmenschen und mir ist. Es klingt, als seien wir einfach nur befreundet. Das Wort „Partner“ würde hier etwas besser funktionieren, aber trotzdem besteht die Gefahr, dass es nicht als romantische Partner, sondern zu Beispiel als Geschäftspartner verstanden wird.

Eine weitere wichtige Abgrenzung hat sich in den letzten Monaten ergeben: Ich bin nicht mit allen Menschen zusammen, die ich als Herzmenschen bezeichne und von denen auch ich so genannt werde. Ja, es besteht ein romantisches Interesse aneinander. Ja, dies wird auch gemeinsam ausgelebt. Aber jede Person versteht ein bisschen etwas anderes unter dem Wort „Beziehung“. Für mich gehen damit Erwartungen an mich selbst und den betreffenden Herzmenschen einher, nicht immer können diese von meinen Herzmenschen und/oder mir erfüllt werden. Statt aber deshalb „nur“ eine Freundschaft zu führen, lassen wir uns einfach trotzdem auf das ein, was passiert und lassen das Label „Beziehung“ und damit die Erwartungen außen vor. Das funktioniert erstaunlich gut.

Tatsächlich kann ich mir vorstellen, dass ich irgendwann mit den entsprechenden Herzmenschen entscheide, dass die Bezeichnung „Beziehung“ doch auch okay ist. Dann nämlich, wenn sowieso gefestigt ist, wie wir zueinander stehen. Denn letztlich ist es für mich so, dass die meisten Beziehungen in meiner Vergangenheit eh nicht alle Erwartungen erfüllten, sich langsam von meiner „Normvorstellung“ weg entwickelten. Wenn die Bindung zu einem Herzmenschen sehr gefestigt ist, ist es dann nur ein Umdefinieren dessen, was zwischen uns ist, das Austauschen eines Namens ohne damit die Bedeutung zu verändern. Umgekehrt ist es aber so, dass die Bezeichnung „Beziehung“ eben doch Erwartungen mitbringt, wenn die Bindung zu einem Menschen noch nicht gefestigt ist, noch wächst.

Ob ich tatsächlich irgendwann die Verbindungen zu einigen meiner Herzmenschen umdefiniere und Beziehungen nenne, wird sich zeigen. Ich habe damit keine Eile, denn aktuell ist es schön, wie es ist.

Neues Layout

Heute, im letzten Türchen meines Adventskalenders, warte ein neues Layout für diesen Blog auf euch!

Nicht nur ist der Blog jetzt deutlich hübscher auf mobilen Geräten, ich habe mir auch die Mühe gemacht, Hinweisboxen für Contentwarnings und für veraltete Artikel einzubauen. Contentwarnings heißt, dass Artikel mit Inhalten, die für einige Menschen schwierig sein könnten, als solche markiert werden und kurz genannt wird, um welche Themen es dabei geht. Die Hinweise zu veralteten Artikeln finden sich jetzt an Artikeln, die Ansichten kund tun, mit denen ich mich heute nicht mehr identifiziere. Ich möchte sie aber nicht einfach löschen, sie sind ein Teil meiner Vergangenheit. Die Kennzeichnung ist für mich ein guter Kompromiss.

Nebenher habe ich hier und da noch grobe Rechtschreibfehler ausgebessert und stellenweise seltsam formulierte Sätze lesbarer gemacht. Ich hab mich aber bemüht, dabei dem Stil der Beiträge treu zu bleiben, auch wenn ich finde, dass sich mein Stil über die Jahre deutlich gebessert hat.

In diesem Sinne möchte ich allen schöne Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr wünschen. Wir lesen uns 2016!

Alina

Jahresrückblick 2015

2015 war ein ziemlich wechselhaftes Jahr für mich. Viel ist passiert, anfangs leider auch viel Negatives, auch wenn in der zweiten Jahreshälfte das Positive deutlich überwog. Heute ist es Zeit für einen Rückblick auf dieses Jahr, welches definitiv ziemlich chaotisch war.

Das Jahr begann für mich damit, dass ich trotz der Depressionen, die ich aus 2014 mitbrachte und die schlimmer und schlimmer wurden, in zwei weitere Beziehungen hinein stolperte. Ich entdeckte Polyamorie für mich, etwas, von dem ich bis dato glaubte, es würde für mich auf keinen Fall funktionieren. Trotz der Stützen, die diese insgesamt drei Beziehungen für mich waren und trotz der Hilfe, die ich Anfang des Jahres in der psychiatrischen Tagesklinik bekam, begann es mir immer schlechter zu gehen. Obwohl diese Zeit rund die Hälfte des Jahres ausmachte, habe ich in der Zeit fast nichts geschafft. Erst durch den Wechsel der Medikamente meiner Hormontherapie begann es endlich besser zu werden und erst dadurch begann das Jahr wirklich rund zu laufen.

Zwar verlor ich eine Beziehung und die nächste hielt leider nicht lange, doch hatte ich endlich wieder Energie. Ich hab auf dem M’era Luna eine schöne Zeit verbracht, reiste viel (zum Beispiel auch nach Bern) und fand zurück zu meiner Spontanität. Endlich begann die Uni wieder rund zu laufen. Ich begann eine so positiv veränderte Ausstrahlung zu haben, dass ich von vielen Freunden und sogar in meinen Livestreams darauf angesprochen wurde.

Sehr spontan entschied ich mich dann, dieses Jahr wieder einen Adventskalender zu erstellen. Wenn ich mich recht entsinne, fiel der Entschluss erst am 1.12. und ich war überhaupt nicht sicher, ob ich es schaffen würde. Die unglaubliche Resonanz darauf ließ mich aber am Ball bleiben und ich sprach viele Themen an, die mir schon länger auf der Seele brennen, aber die ich bisher nicht bloggen wollte oder konnte. Ins Besondere die Themen Polyamorie und Libido, aber auch die Nichtbinärität von Geschlecht gehörten zu den Dingen, bei denen ich gezögert habe, ob ich sie verbloggen möchte. Ich war unsicher, wie die diese Themen aufgenommen würden, bin aber sehr froh, sie angesprochen zu haben. Dass auch hier die Resonanz positiv blieb, hat mich in dieser Entscheidung nur bekräftigt.

Kurios finde ich, dass ich im Artikel über Polyamorie noch davon sprach, zu dem Zeitpunkt nur eine Beziehung zu haben. Denn bereits am nächsten Tag änderte sich das. Mittlerweile zähle ich zwischen ein und drei Beziehungen. Zwar ist bei zwei Verbindungen nicht ganz klar, was es nun genau ist, aber es ist schön und fühlt sich richtig an, das ist, was eigentlich zählt.

Und wie geht es jetzt weiter? Das Jahr ist ja noch gar nicht ganz vorbei?

Nun, morgen gibt es ein „Geschenk“, wenn eins so will. Ich habe schon den ganzen Monat im Hintergrund daran gearbeitet und werde es morgen veröffentlichen. Über die Weihnachtsfeiertage werde ich selbst meine Familie wieder besuchen. Vermutlich sitze ich gerade im Zug dort hin, wenn dieser Artikel freigeschaltet wird. Anschließend geht es wieder nach Wien um dort bei meinem guten Freund Daniel Silvester zu verbringen.

Tja, und danach wird wohl alles wieder den gewohnten Weg gehen. Ich werde wieder versuchen so in etwa einmal im Monat zu bloggen. Mehr Einträge kann ich weder mit meiner Zeitplanung noch mit meiner Kreativität vereinbaren. Dann doch lieber Qualität als Quantität.

Also, wir lesen uns morgen noch einmal hier auf diesem Blog und dann erst wieder im neuen Jahr. Bis dann,

Alina

Ein wenig Geschichte, Teil 7: Umdenken

Im letzten Teil dieser Reihe ging ich auf die Veränderungen ein, die die Hormontherapie und die Namensänderung für mich mit sich brachten. Heute möchte ich diese Reihe (vorerst?) abschließen, in dem ich mein Umdenken in jüngerer Vergangenheit schildere. Hier findet ihr Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5 und Teil 6.

Ich habe gerade im ersten Teil der „Geschlecht ist nicht binär“-Reihe erklärt, dass ich Geschlecht längst nicht mehr als binär betrachte. Ich habe erlebt, dass nicht alle Menschen männlich oder weiblich sind. Diese Erfahrung hat mich dazu gebracht, dass bestehende Verständnis von Geschlecht zu hinterfragen.

Ich bin eine Frau. Ich fühle mich wohl als Frau. Ich habe mich nicht wohl gefühlt, als ich versuchte, als Mann zu leben. Aber: Ich glaube nicht, dass mir das in jedem denkbaren Kulturkreis so wäre.

Ich betrachte männlich und weiblich nicht mehr als gegebene Gesetze und glaube nicht, dass Frauen als Kinder tendenziell eher mit Puppen spielen, während Männer begabter in technischen Dingen sind. Ob eine Person gut zuhören kann oder nicht ist nicht durch das Geschlecht gegeben, ebenso wenig, ob sie gern Kleider trägt, sich schminkt und die Nägel lackiert oder sich lieber in Band-Shirts, schwarzen Jeans und Springerstiefeln auf Festivals im Schlamm wälzt. Das sind alles Eigenschaften, die eine Person beliebiger Geschlechter haben kann oder nicht und die zu einem guten Teil anerzogen sind und durch Erwartungshaltungen verstärkt werden.

Das bedeutet für mich, dass ich keine Frau bin, weil ich eine „weibliche Persönlichkeit“ habe, sondern es bedeutet, dass ich meine Persönlichkeit leichter offen ausleben kann, wenn ich als Frau lebe, da sie so weitaus besser toleriert wird. Aufgrund meiner Persönlichkeit fühle ich mich als Frau weitaus wohler als als Mann, aber dies liegt daran, wie diese Persönlichkeit von der westlichen Welt interpretiert wird. Würde ich noch einmal versuchen als Mann zu leben, würde ich den gleichen Druck spüren, den ich damals verspürt habe, als ich es rund 20 Jahre lang versuchte. Ein Druck, der für mich deutlich, deutlich größer ist als der, den ich verspüre, seit ich als Frau lebe.

Aber: Es ist für mich nicht perfekt. Ich achte auf einige Details an mir, bei denen ich glaube, dass es anderen auffallen könnte. Ich habe Angst, dass ich anders behandelt werde, wenn diese Details zu sehr auffallen. In einer Gesellschaft ohne Geschlechtsstereotypen würde ich mir zum Beispiel weniger Gedanken um meinen Bartwuchs oder meine Stimme machen. Aber die Gesellschaft, in der ich lebe hat diese Stereotypen und ich achte auf sie, um nicht schief angesehen zu werden, weil ich es nicht tu. Und ich weiß, dass ich dafür mindestens skeptisch betrachtet werde, wenn ich nicht auf diese Dinge achte. Ich hab glücklicherweise selbst wenig Diskriminierungserfahrung gemacht, aber ich kenne Leute, denen es deutlich schlimmer geht. Weil das aber alles als Mann nur noch schlimmer wäre, lebe ich als Frau. Und wie gesagt, es mag nicht perfekt sein, aber die Erwartungshaltung der Gesellschaft ist so für mich ausreichend leicht zufrieden zu stellen, damit ich mich sehr wohl fühle.

Leider kenne ich aber genug Menschen, die dieses Glück nicht haben. Im letzten Jahr habe ich mich sehr intensiv auch mit Menschen beschäftigt, deren Geschlecht eben nicht männlich oder weiblich ist und damit, wie schwer sie es oft haben, so zu leben, wie es sich für diese Menschen gut anfühlt. Der Druck ist hier viel größer, weil keines der Binärgeschlechter auch nur einigermaßen passt, sie aber trotzdem ständig in eines gedrängt werden und zugehörige Klischees auf sie angewendet werden. Diese zumindest aus zweiter Hand zu erleben, hat bei mir zu einem Umdenken geführt. Ich habe gesehen, wie es diesen Menschen mit ihrem Geschlecht geht. Habe realisiert, dass sie durch die Stereotypen noch viel mehr eingeengt werden, als es bei mir der Fall ist. War ich vorher noch davon überzeugt, dass Geschlechter abseits von männlich und weiblich Blödsinn wären, hat dieser persönliche Bezug zu dem Thema dazu geführt, dass ich heute diesen Text schreibe. Das Thema liegt mir mittlerweile selbst sehr am Herzen.

Ich hoffe, dass irgendwann immer mehr Menschen umdenken und Geschlecht eine andere Rolle in der Gesellschaft spielen wird. Ich hoffe, dass es irgendwann jedem Menschen möglich ist, sich frei zu entfalten. Aber ich weiß, dass das ein weiter Weg ist, den ich selbst noch vor eineinhalb Jahren als völlig unnötig erachtet habe. Vielleicht kann ich ja mit meinem Blog ein paar Menschen dieses Thema näher bringen.

Alina

Geschlecht ist nicht binär, Teil 2

Contentwarning: Dieser Artikel umfasst die folgenden Themen: Genitalien

Im ersten Teil dieser Reihe habe ich mich damit befasst, dass die Geschlechtszugehörigkeit von Menschen sich nicht auf nur zwei verschiedene Geschlechter runterbrechen lässt. Heute möchte ich stattdessen vor allem auf den biologischen Aspekt eingehen. Denn ich weiß, dass oft das Argument fällt, dass es biologisch betrachtet doch nur zwei Geschlechter gibt und die seien nun einmal verschieden. So weit dieses Denken auch verbreitet ist: Es ist nicht richtig und ich möchte mir heute die Zeit nehmen darüber zu reden, warum es das nicht ist. Ich werde am Ende dieses Beitrags weiterführende Lektüre verlinken, die sich mit dem Thema „Geschlecht ist nicht binär“ beschäftigt, den Artikel selbst aber nicht zu wissenschaftlich, sondern lieber anschaulich halten.

Geschlecht wird oft auf die Gene zurückgeführt. Es heißt, wenn das letzte Chromosomenpaar XY ist, bist du männlich, wenn es XX ist, bist du weiblich. Schon hier beginnen die Schwierigkeiten. Es gibt Menschen, bei denen das letzte Chromosomenpaar tatsächlich kein Paar, sondern zum Beispiel ein Tripel wie XXY, ist. Nicht nur das: Die Merkmale, mit denen typischerweise das Geschlecht eines Kindes bei der Geburt bestimmt wird, muss nicht immer zu den Chromosomen „passen“ – nicht jeder Mensch mit XY-Chromosomen bildet einen Penis aus, während es einige Menschen mit XX-Chromosomen durchaus tun. Tatsächlich ist der Übergang hier sogar fließend. Es wird im Zweifelsfall die Größe des Genitals gemessen, um das Geschlecht zu bestimmen. Es gibt hier jedoch einen Bereich von einigen Zentimetern, in dem das Kind als weder weiblich noch als männlich eingestuft wird. In aller Regel wird das Kind in diesem Fall operiert, um in die üblichen Grenzen zu passen, manchmal sogar ohne Rücksprache mit den Eltern. Das Kind bekommt demnach hier überhaupt keine Selbstbestimmungsmöglichkeit, obwohl es grundsätzlich durch das Genital nicht in seiner Entwicklung beeinträchtigt werden würde.

Neben dem genitalen und chromosomen Geschlecht können noch mindestens zwei weitere Geschlechter betrachtet werden: Das gonodale (hormonelle) Geschlecht und das gonoduktale Geschlecht. Letzteres betrachtet innere Geschlechtsorgane. Auch zwischen diesen Aspekten körperlicher Geschlechtsmerkmale gibt es fließende Übergange. Alle vier Merkmale können nach klassischer Ansicht untereinander „unpassend“ sein. Es ist also zum Beispiel möglich, dass ein Mensch in drei Aspekten eine Ausprägung hat, die als männlich identifiziert wird, während die letzte Ausprägung weiblich ist. Nicht immer werden genau diese vier Aspekte so voneinander abgegrenzt. Je nach Zählweise können mehr oder weniger Aspekte unterschieden werden.

Es gibt verschiedene Studien, die sich mit der Frage befassen, wie verbreitet es ist, dass nicht alle Aspekte vom körperlichen Geschlecht zueinander „passende“ Ausprägungen haben. Problematisch ist, dass es durchaus möglich ist, ein Leben lang gar nicht zu bemerken, dass eine der Ausprägungen von der Erwartung abweicht. Eine Formulierung, die in meinem Bekanntenkreis mittlerweile recht oft genutzt wird, ist, dass Intersexualität in etwa so verbreitet wie rote Haare sei. Dies entspricht etwa einem von 100 Menschen. Die genauen Zahlen variieren zwischen einem von 2000 und einem von 150 Menschen. Auf jeden Fall ist es nicht so selten, wie viele Menschen intuitiv anzunehmen scheinen. Statistisch betrachtet sind wir alle schon oft intersexuellen Menschen begegnet, meistens vermutlich ohne dies zu bemerken.

Wenn nun Intersexualität so weit verbreitet ist, stellt sich mir die Frage, warum oft behauptet wird, Geschlecht könne nur binär sein. Sicher, zumindest nach aktuellen Studien ist es wohl so, dass Menschen mit eindeutigem männlichen oder weiblichen körperlichen Geschlecht eine Mehrheit bilden, aber die Menge intersexueller Menschen ist nicht vernachlässigbar klein. Es betrifft viele Menschen. Sich also auf körperliche Aspekte zu berufen, um zu belegen, dass Geschlecht nur zwei Ausprägungen kenne, erscheint mir einfach nicht plausibel.

Geschlecht als binär zu betrachten, ist ein gesellschaftliches Konstrukt. Weder auf körperlicher Ebene noch im Miteinander ist Geschlecht starr und unabänderlich. Es gibt viele Kulturkreise, in denen die Rollenbilder von Geschlechtern sich von den westlichen Rollenbildern grundlegend unterscheiden und/oder mehr Geschlechter als zwei anerkannt werden. Thailand ist dafür ein populäres Beispiel, da dort in der Gesellschaft drei Geschlechterrollen verwurzelt sind. Diese lassen sich dabei nicht vollständig auf westliche Vorstellungen von Geschlecht übertragen. Körperlich ist das Geschlecht keineswegs nur binär, wie ich versucht habe, in diesem Artikel zu erklären. Daher empfinde ich es als äußerst schade, dass viele Menschen trotzdem so sehr an diesem binären System festhalten wollen. Ich möchte nicht, dass Menschen wegen dieses Artikels ihr eigenes Leben anders führen. Ich möchte nicht, dass Frauen, die glückliche, zu Hause bleibende Mütter sind, plötzlich Häuser bauen oder Männer, die mit ihrem Job in der IT zufrieden sind, diesen aufgeben, um als Kindergärtner zu arbeiten. Aber ich möchte, dass sich ein Verständnis verbreitet, dass diese Aufgaben nicht typisch für das eine oder andere Geschlecht sind, sondern die Präferenzen eines einzelnen Menschen sind. Ich wünsche mir, dass Menschen nicht aufgrund ihres Geschlechts unterschiedlich behandelt werden und ich wünschte mir, dass auch Geschlechter abseits von männlich und weiblich anerkannt statt abgelehnt werden.

Alina

P.S.: Für Interessierte möchte ich hier noch einige weiterführende Quellen bereitstellen:

Das Ende der Winterdepressionen?

Ich habe im Laufe der zweiten Jahreshälfte immer wieder erwähnt, dass sich meine Depressionen seit meinem Medikamentenwechsel deutlich verbessert haben. Jetzt, am Ende des Jahres, stelle ich aber noch etwas ganz anderes fest: Dieser Winter ist der erste seit meiner Pubertät, in dem ich nicht mit Winterdepressionen und damit zusammenhängend Antriebslosigkeit zu kämpfen habe. Zum ersten Mal seit Jahren bin ich trotz der Dunkelheit energiegeladen und gerade die letzten Wochen fast ständig unterwegs. Seien es Rollenspielrunden, Krimi Dinner, Escape Rooms, Geburtstags- und Weihnachtsfeiern oder, wie gestern, einfach spontane Treffen mit guten Freunden: Ich habe kaum Leerlauf gehabt und hab das genießen können, anstatt mich damit kaputt zu machen.

Das ist für mich ziemlich unglaublich. Bisher habe ich immer den Winter als die Jahreszeit bezeichnet, die ich am wenigsten mag, eben wegen der Antriebslosigkeit. Dieses Jahr muss ich das revidieren: Ich find’s immer noch doof, wie schnell es dunkel wird, aber es zehrt nicht mehr an meinen Nerven. Ich hoffe immer noch, dass der Winter noch so richtig einsetzt und Schnee mit sich bringt, statt wie die letzten Jahre den Frühling herbei zu sehnen.

Ich vermute, dass tatsächlich mein Vitamin D Mangel die Antriebslosigkeit ausgelöst hat. Da dieser jetzt behandelt wird und meine Werte im Normalbereich sind, halte ich dies für eine ziemlich plausible Erklärung. Aber eigentlich ist mir fast egal, was diese Veränderung bewirkt hat, solange es dabei bleibt. Es tut unglaublich gut, all den Dingen tatsächlich nachgehen zu können, auf die ich Lust habe, und dabei nur von meiner Freizeit, nicht von meiner Energie abhängig zu sein.

In diesem Sinne werde ich jetzt erst einmal kochen gehen, denn ich habe heute Abend noch eine Rollenspielrunde zu leiten 😀

Alina

Kreativität

Bereits während meiner Pubertät habe ich etwas wichtiges festgestellt: Ich habe viele Hobbys und wenig Zeit. Über die Jahre ist das nicht besser geworden. Ich habe besseres Zeitmanagement gelernt, aber insgesamt hab ich eher noch mehr Hobbys auf noch weniger Zeit. Bereits als diese Tendenz damals zum ersten Mal abzusehen war, stellte ich mich daher selbst vor eine Entscheidung: Selbst Musik machen oder zeichnen, aber definitiv nur ein kreatives Hobby! Mir war bewusst, dass ich nicht mehreren kreativen Hobbys gleichzeitig nachgehen könnte, ohne dass dadurch sich alle gegenseitig beeinträchtigen.

Ich entschied mich damals für Musik. Mir wurde immer wieder gesagt, dass ich wohl ein gewisses Talent für’s Singen und ein recht gutes Gehör hätte, während ich beim Zeichnen den Eindruck hatte, nie auch nur im Ansatz die Dinge zu Papier bringen zu können, die ich mir wünschte. Die Entscheidung fiel daher auf die Musik. Ich habe mir irgendwann eine Gitarre zugelegt und angefangen, mir nach und nach das Spielen etwas beizubringen. Ich habe immer wieder gemeinsam mit einem guten Freund Musik gemacht, beziehungsweise in einigen seiner Songs gesungen. Das beste Beispiel ist wohl unsere Cover-Version von All Of My Angels (im Original von Machinae Supremacy). Die Rede ist von Daniel, dem Frontmann von Furious Feedback.

Allerdings kam es letztlich deutlich anders als erwartet. Für meine Gitarre finde ich deutlich weniger Zeit, als ich mir wünschen würde und Musik selbst zu machen blieb immer die Ausnahme. Statt dessen kristallisierte sich mehr und mehr heraus, dass ein anderes kreatives Hobby für mich viel relevanter werden würde. Ein Hobby, dass ich lange Zeit überhaupt nicht beachtet habe. Die Rede ist vom Schreiben.

Wie ihr vermutlich gemerkt habt, schreibe ich diesen Blog. Das ist aber längst nicht alles, was ich schreibe. Seit einigen Jahren nehme ich regelmäßig am so genannten NaNoWriMo teil – einem Schreibwettbewerb, bei dem es darum geht, 50000 Wörter nur im November zu schreiben. Es gibt nichts zu gewinnen, der Ansporn ist dabei vor Allem das miteinander. Es macht einfach Spaß zu wissen, dass außer dir selbst noch einige gute Freunde genau da gleiche Ziel haben.

Leider hab ich es auch dieses Jahr wieder nicht geschafft die 50000 zu erreichen, da ich einfach zu viel mit der Uni und anderen Hobbys ausgelastet war, aber ich habe jedes Jahr wieder Spaß daran. Ich schreibe dort an einer Geschichte weiter, die in nicht allzu ferner Zukunft in einer von einem Konzern regierten Stadt spielt. Während dem Konzern das Wohlergehen der Bewohner der Stadt aber tatsächlich am Herzen liegt, ist diese Welt doch nicht perfekt und so kommt es gegen Ende des Jahre 2099 dazu, dass eine künstliche Intelligenz aufgrund eines „Fehlers“ in der Datenverarbeitung wahnsinnig wird und die Infrastruktur der Stadt zerstört. Dazu gehört neben dem Internet auch essenzielle Dinge wie die Strom- und Wasserversorgung. Inmitten des Chaos, welches diese Zwischenfälle auslösen, versucht eine Studentin ihrer Vergangenheit zu entkommen, während ein Detektiv einfach darauf hofft, genug Aufträge zu bekommen um seinen Lebensstandard halten zu können. Durch einen Zufall treffen die ungleichen Charaktere aufeinander und werden tiefer in die Geschehnisse verwickelt, als ihnen lieb ist. Der Titel der Geschichte ist Tertia – Inmitten des Chaos. Ich tweete über diese und meine anderen Geschichten von Zeit zu Zeit auf twitter.com/schreibe_grufty.

Besagte andere Geschichten sind vor Allem meine Fragments of Memories. Es handelt sich dabei um eine Welt, in der ich viele Kurzgeschichten spielen lasse, die am ehesten ins Genre „Horror“ fallen. Aktuell bin ich dort dabei, die Hintergründe der Welt zu beleuchten, ihre Entstehung. Ich weiß, dass fünf Zeitalter kamen und gingen, bis die Welt in etwa so aussah, wie ich sie in den bisherigen Geschichten beschrieben habe und gestallte diese Zeitalter aus. Es geht hier um den Kampf mächtiger Wesen und wie sie mit den sterblichen Bewohnern der Welt umgehen. Gerade in den ersten Zeitaltern werden Politik und Intrige eine wichtige Rolle spielen, aber es geht auch oft um Einzelschicksale deren, die in einer grausamen Welt um ihr Überleben kämpfen.

Die ersten Fragments schrieb ich 2012 und hatte immer wieder angedacht, sie auch einmal zu veröffentlichen, was dann doch nie geschah. Aktuell spiele ich wieder mit diesem Gedanken, müsste sie dafür aber vorher noch einmal überarbeiten.

Zu diesem Blog wiederum muss ich vermutlich nicht viel sagen. Seit 2011 blogge ich hier immer wieder und er ist damit das älteste meiner Schreibprojekte. Und das einzige, welches schon öffentlich zugänglich ist.

Kurzum: Weder die Musik noch das Zeichnen sind zu meinem aktiven kreativen Hobby geworden, sondern das Schreiben. Bereut habe ich das nie. Ich würd gern noch zusätzlich Musik machen und Zeichnen, aber ich kann leider nicht alles haben. Und wenn die Wahl daher zwischen diesen drei Hobbys stattfinden muss, dann würde ich jederzeit wieder das Schreiben wählen. Es ist ein tolles Ventil und ich hab Spaß daran. Und es scheint mir zu liegen, sonst hätte ich kaum so viele Besucher auf diesem Blog.

Alina