Ein wenig Geschichte, Teil 5: Erkenntnisse und erste Schritte

Wer schon 2011 mitgelesen hat, kennt vielleicht noch die Reihe „Ein wenig Geschichte“, die ich damals im Adventskalender angefangen habe und in der ich meine Entwicklung im Bezug auf meine Transsexualität festgehalten habe. Wer sie nicht kennt: Hier findet ihr Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4. Wer die Einträge erst jetzt nachliest, sei gewarnt: Mein Schreibstil ist meiner Meinung nach deutlich schlechter in diesen alten Beiträgen. Außerdem sind viele Ansichten nicht mehr Up-To-Date, aber ich möchte sie nicht überarbeiten, sondern unverfälscht stehen lassen, wie ich die Dinge damals gesehen habe.

Der vierte Teil der Reihe endete 2011 damit, dass ich mich kurz nach dem Ende einer Beziehung befand, die ich damals als Stütze empfunden hatte und in der ich geglaubte hatte, mich frei entfalten zu können. Rückblickend muss ich sagen: Das stimmt nicht so richtig. Auch in der Beziehung habe ich mehrfach zu hören bekommen, dass Transvestie zwar in Ordnung ginge, und über das Thema waren die Gespräche definitiv offener, aber Transsexualität wurde auch in der Beziehung als Trennungsgrund bezeichnet. Wie schon all die Jahre vorher habe ich daher jeden Gedanken daran, dass ich vielleicht doch wirklich transsexuell sein könnte, weit von mir geschoben. Ich wollte die Beziehung nicht gefährden.

Verloren habe ich die Beziehung dann aber letzten Endes doch.

Es dauerte nach Ende der Beziehung tatsächlich nicht allzu lange, nur etwa zwei Monate, bis ich realisierte, dass ich transsexuell bin. Ich erlaubte mir zum ersten Mal seit Jahren, diese Option ernsthaft in Betracht zu ziehen und realisierte schnell, dass ich nur dann „als Mann“ unter die Leute ging, wenn meine weibliche Kleidung zur Neige ging. Ich hatte damals nicht viel Kleidung aus der Frauenabteilung und muss zugeben: Noch heute fühle ich mich in Sachen aus eben dieser Abteilung wohler, selbst wenn es Mode ist, die selbst von der Gesellschaft kein Geschlechts-Etikett aufgedrückt bekommt. (Heute bin ich allgemein der Meinung, jedmensch solle einfach tragen, was xier gut findet, eine Unterteilung der Mode in „männlich“ und „weiblich“ ist in meinen Augen einfach seltsam. Trotzdem – ich bin leider so sehr von der Gesellschaft geprägt, dass Kleidung aus der Frauenabteilung bis heute für mein Wohlbefinden ziemlich wichtig ist.)

Ich realisierte also, dass ich nur noch dann als Mann auftrat, wenn ich das Gefühl hatte, nicht überzeugend als Frau auftreten zu können. Ich realisierte, dass ich mich als Frau wohler fühlte als als Mann, dass ich mich mehr „Ich selbst“ fühle. Ich realisierte, transsexuell zu sein.

Die Erkenntnis kam Ende Januar  2012 und ich habe seit her nur ein einziges Wochenende, das genau nach dieser Erkenntnis, überhaupt noch „als Mann“ verbracht. Insbesondere im ersten Jahr hatte ich noch viele Probleme mit Misgendering, also dem beim-falschen-Pronomen-genannt-werden, später wurde es deutlich weniger. Genau gegensätzlich verhielt sich meine Empfindlichkeit auf Misgendering. War es anfangs für mich nur etwas nervig, aber nicht weiter tragisch, misgendert zu werden, so tat es immer mehr weh. Mit jedem Tag, mit dem ich mir sicherer war, dass das Leben als Frau für mich genau der richtige Weg war und ist, tat es mehr weh, ein „er“ als Pronomen zu hören. Kurioserweise hatte ich dabei aber selten Probleme in bürokratischen Angelegenheiten meinen alten Namen zu verwenden. Das kam erst deutlich später, mit der Namensänderung.

Ich hatte das Glück, 2012 ein paar weitere trans Frauen in meiner Altersgruppe kennen zu lernen, die bereits Erfahrung mit Therapie, Hormonen, Namensänderung und ähnlichen Themen hatten. Im Austausch mit diesen stellte ich schnell fest, dass ich mich mit dem verbreitesten Weg recht gut anfreunden konnte – einzig einer Geschlechtsangleichenden OP stand ich immer skeptisch gegenüber und fühle mich bis heute ohne wohl. Durch die beiden nahm ich Kontakt zu meiner Therapeutin auf, die mich bis heute begleitet, und erfuhr auch von einer Studie in Aachen, bei der es um Stimmen und Stimmwahrnehmung von trans Menschen ging und durch die ich eine Heilmittelverordnung für Logopädie bekam. Ob ich zuerst mit der Logopädie oder der Therapie anfing, weiß ich gar nicht mehr sicher, auch wenn ich glaube, dass es die Logopädie war.

Für mich waren dies die ersten großen Schritte. Über die Therapie erhoffte ich mir, irgendwann eine Indikation für eine Hormontherapie zu bekommen, was letztlich ja auch klappte, die Logopädie half mir sehr dabei, eine Stimme zu finden, die zu meinem Passing passt. Hab ich früher zwar keine tiefe, aber doch markant nach Stimmbruch klingende Stimme gehabt, so spreche ich heute deutlich sanfter und meine Stimme wird damit in aller Regel als weiblich wahrgenommen.

Im sechsten Teil dieser Reihe möchte ich auf die noch jüngeren Entwicklungen eingehen, ins Besondere auf die Auswirkungen der Hormone und die Namensänderung, aber auch darauf, wie sich allgemein mein Denken über Transsexualität verändert hat. Gerade das letzte Jahr hat mich sehr geprägt.

Alina

Misgendering im eigenen Kopf

Ins Besondere auf ask.fm und Twitter habe ich in letzter Zeit immer wieder eine Frage mitbekommen: „Manchmal gebe ich mir in Gedanken das Pronomen, das früher für mich verwendet wurde. Heißt das, dass ich ich gar nicht trans bin?“

Ich kann euch beruhigen. Das heißt es nicht. Quasi alle Antworten, die ich auf diese Frage gelesen habe, waren sich einig: Das passiert uns allen. Und es ist kaum verwunderlich: Ich zum Beispiel hab rund 20 Jahre mit dem Pronomen „er“ gelebt. Natürlich hat sich das ziemlich eingebrannt. Natürlich dauert es dann, bis eins sich umgewöhnt hat und für sich selbst konsequent das Pronomen verwendet, welches sich besser anfühlt.

Für mich ist es bis heute so, dass ich mich immer noch hin und wieder misgendere. Das passiert besonders, wenn ich an Situationen zurückdenke, bei denen ich das Gefühl habe, sie wären anders verlaufen, hätte ich schon damals gezeigt, dass ich kein Junge bin. Ins Besondere kommt mir da spontan meine Zivildienstzeit in den Sinn. Mal ganz davon ab, dass ich keinen Zivildienst hätte machen müssen, wäre ich damals schon als Frau anerkannt worden, hatte ich dort auch transfeindliche Mitarbeiter. Diese haben glücklicherweise nie erfahren, dass ich schon damals mein Geschlecht hinterfragte, aber sie haben nicht nur zu trans Menschen, sondern auch insbesondere zu Schwulen und Lesben so viel Hass verbreitet, dass ich weiß, dass ich Schwierigkeiten bekommen hätte. Wenn ich an diese Zeit zurückdenke, dann drängen sich mir für mich mein falscher Name und das falsche Pronomen auf.

Mir ist außerdem aufgefallen, dass ich erwarte, beim falschen Namen gerufen zu werden, wenn ich in meinem Elternhaus bin. Das passiert dort nicht und ich bin auch froh drüber, aber ich habe bis heute die Erwartungshaltung, mit diesem Namen angesprochen zu werden. Gedanklich fange ich dort auch immer wieder selbst genau damit an.

Bin ich deshalb weniger Frau? Nein. 20 Jahre haben mich jedoch definitiv geprägt und Erwartungshaltungen trainiert. Ich fühle mich so unglaublich viel freier, seit ich als Frau lebe, für mich steht dieses Misgendering nicht im Widerspruch zum Frau-sein. Unangenehm ist es aber dennoch und ich bin froh, dass das mittlerweile nur noch selten passiert.

Typische Fettnäpfchen im Umgang mit trans Menschen, Teil 1

Ich hab es endlich geschafft. Die Idee hab ich schon im Juni 2014 festgehalten, seit knapp eineinhalb Monaten plane ich konkreter und heute geht endlich mein Artikel zu Fettnäpfchen im Umgang mit trans Menschen online. Es ist dazu zu sagen, dass der Artikel bei Weitem nicht fertig ist. Ich habe noch eine lange Liste mit Punkten, die ich dort ansprechen möchte, in der Hinterhand und stolpere immer wieder über weitere Punkte. Nichts desto trotz wollte ich den Artikel schon einmal veröffentlichen und von Zeit zu Zeit neue Fettnäpfchen ergänzen und vielleicht auch dann und wann die Struktur des Artikels überarbeiten, sollte er zu unübersichtlich werden. Ihr findet ihn unter dem Link gerade eben oder in der Navigation dieses Blogs.

Viel Spaß beim Lesen und falls ihr noch Anregungen habt: Immer her damit! 🙂

Alina

Wieder ein Jahr vorbei

Contentwarning: Dieser Artikel umfasst die folgenden Themen: Depressionen (am Rande erwähnt)

Nun ist bereits Dezember und damit schon wieder ein Jahr fast rum. Gerade die letzten Monate wurde es auf meinem Blog wieder sehr ruhig. Das hat zwei Gründe: Zum einen gab es nicht viel, von dem ich hier hätte bloggen wollen. Ich hab in letzter Zeit viele tolle Dinge erlebt, aber so richtig etwas großes, das ich gern gebloggt hätte, gab es nicht wirklich. Zum Anderen… nun ja. Schrieb ich vor zwei Monaten noch im Artikel über Depressionen, dass ich hoffte, meine seien Überwunden, erwischten sie mich kurz darauf doch wieder. Sie sind gefühlt ähnlich schlimm wie die, die ich letztes Jahr erlebt habe, aber dieses Mal hab ich die oben erwähnten tollen Erfahrungen, die mich noch gut über Wasser halten. Die Depressionen haben aktuell wenig Einfluss auf meinen Alltag, halten mich aber in meiner Freizeit davon ab, meinen Hobbys groß nach zu gehen. Stattdessen pflege ich meine sozialen Kontakte, ein weiterer wichtiger, stützender Faktor.

Ich kann mich aber darauf nicht ausruhen. Soziale Kontakte und gute Ablenkung mögen mich vorerst stützen, aber das wird natürlich nicht ewig gut gehen. Aus diesem Grunde habe ich mich mittlerweile an eine Tagesklinik gewendet und werde dort im Januar einen Platz bekommen – im Dezember stehen noch einige Termine an, die ich unbedingt wahrnehmen möchte, um vorher etwas Kraft zu tanken. Dazu gehören vor Allem Weihnachten bei meinen Eltern und das erste Furious Feedback – Konzert. Furious Feedback ist das musikalische Projekt von Daniel, den ich ja auch schon hin und wieder hier im Blog erwähnte, und ich verfolge das Projekt vom ersten Demo-Song an mit Begeisterung. Zwischendurch werde ich mich außerdem wieder mit vielen tollen Leuten treffen, die ich sonst viel zu selten sehe.

Ein paar Dinge möchte ich aber doch noch erzählen, die mir in letzter Zeit widerfahren sind. Sie sind alle keinen eigenen Blogpost wert, aber vielleicht trotzdem ganz interessant.

Meine Gesichtszüge werden zunehmend weicher. Vor ein paar Tagen lernte ich eine junge Frau kennen, die mir im Laufe des Abends das Kompliment machte, ich habe so ein schönes Gesicht. Später sprach ich sie darauf an, ob sie gemerkt habe, dass ich Transsexuell bin – ja, hatte sie, aber nur, weil sie mit der Thematik vertraut ist. Insbesondere hob sie hervor, dass sie der festen Überzeugung ist, dass Menschen, die sich nicht mit Transsexualität auskennen, mein Gesicht garantiert als weiblich identifizieren würden.

Vor ein paar Wochen war ich für ein Wochenende in Österreich. Dort traf ich auf ein Pärchen, welches meinte, mich zu erkennen. Nach einigem hin und her wurde uns klar, woher: Die beiden lesen meinen Blog. Hallo an euch zwei 🙂 Ich fand es echt faszinierend, aber auch etwas irritierend, plötzlich und ohne Vorwarnung an einem Ort, an dem ich nie zuvor war, zwei Menschen zu treffen, die meinen Blog lesen und mich dann sogar erkennen. Auf jeden Fall eine sehr interessante Erfahrung!

Nach einigem Hin und Her ist meine Bachelorarbeit durch und dieses Semester stehen nur noch zwei Vorlesungen an, bis ich dann auch meinen ersten akademischen Abschluss (Bachelor of Science in Informatik) habe. Auch war meine finanzielle Absicherung zwischendurch wackelig, hat sich nun aber gefangen und ich habe ein recht entspanntes (Rest-)Semester vor mir. Das ist auch gut so, schließlich hab ich ab Januar ja auch noch ein bisschen mehr um die Ohren.

Ansonsten gibt es, denke ich, nicht viel, das erzählenswert wäre, daher belasse ich es an dieser Stelle einfach dabei. Die nächsten Wochen und Monate wird’s dann hier vermutlich wegen dem Rumreisen und dem Klinikaufenthalt auch weniger von mir zu hören geben, aber vielleicht hab ich danach dann wieder mehr interessantes zu erzählen.

Alina

Gastartikel: Die Sicht des Bruder

Endlich gibt es wieder einen Gastartikel. Diesmal habe ich meinen Bruder dazu überreden können, ein bisschen was darüber zu schreiben, wie er zu meiner Transsexualität steht.

Für mich begann alles etwa im Sommer 2011. Unsere Mutter sagte mir, dass Alina die Tage mal mit mir reden müsse. Ich wusste natürlich nicht worum es ging. Als der Tag kam, saßen Alina (damals für mich noch mein Bruder) und ich in der Küche am Esstisch. Ihr Blick ging mehr auf den Tisch als auf mich, woraus ich schließen konnte, wie schwer es ihr eigentlich fiel mir das zu erzählen. Damals outete sie sich mir als „Cross-Dresser“. Unsere Eltern wussten es schon lange und einige Freunde von Alina auch, nur ich wusste nichts davon, bis zu dem Zeitpunkt. Aufmerksam hörte ich mir an was sie sagte. Gestört hat es mich nicht. Für mich hat sich ihr gegenüber nichts verändert oder um es anders zu sagen: es war mir egal. Für mich war und ist sie die selbe Person wie auch vorher. Schließlich ändert sich ihre Art mir gegenüber doch nicht.

Doch das alles war wohl nur die Selbstfindungsphase. Sie wusste wohl damals selbst noch nicht genau was sie nun ist. Schließlich kam der Tag an dem sie sich mit ihrer Transsexualität uns gegenüber geoutet hat. Auch das war mir egal. Sie ist und bleibt meine Familie.

Während dessen war ich noch in der Ausbildung und schnell sprach sich in der Firma herum, dass meine Schwester transsexuell ist. Ich habe daraus auch kein Geheimnis gemacht. Es wirkt aber bis jetzt nicht so als wenn meine Kollegen damit ein Problem hätten. Ab und zu kommen mal „deine Schwester“ Witze, über die ich meistens auch lachen kann, aber wenn es mal zu weit geht, bekommen sie es auch zu spüren. Es kam zwar noch nicht oft vor, dass einer zu weit ging, aber jedes mal hat derjenige sich auch hinter dafür entschuldigt. Meine Arbeitskollegen wissen aber auch, wie locker ich mit dem Thema umgehe. Es gab aber leider auch Ausnahmen. Leute die damit nicht umgehen könnten und genau diese Leute lass ich es auch spüren, dass ich mit Ihnen absolut nichts zu tun haben will! Wenn jemand was gegen meine Schwester hat, will und werde ich auch nichts mit Ihm zu tun haben. Diese Leute sind schlicht weg zurückgeblieben und sind es nicht wert, dass ich mich mit Ihnen beschäftige! Schließlich sucht sich niemand aus transsexuell, homosexuell oder heterosexuell zu sein. Man ist es einfach. Es ist doch keine Entscheidung. Es sind Gefühle. Toleranz und Akzeptanz sollten doch in unser doch modernen und aufgeklärten Welt, in unserer Gesellschaft normal sein. Aber genau das ist leider noch nicht der Fall.

Egal was auch passiert, egal was kommt, ich werde immer zu 100% hinter Alina stehen. Hinter meiner Familie.

Geschlechtsneutrale Pronomen, Artikel und Substantive

Erinnert sich noch jemand daran, wie unglaublich wütend ich war, als ich von der Gender Gap erfahren habe?

Während sich meine Einstellung zur Gender Gap wenig geändert hat, ich empfinde sie immer noch als eine Art Schweigeminute und damit als unangemessen, bin ich längst zum Schluss gekommen, dass das generische Maskulinum eigentlich auch nicht wirklich toll ist. Ja, ich stehe zum Argument, dass das generische Maskulinum ein grammatikalisches Phänomen ist, das halt irgendeine Form für generische Formulierungen gewählt werden musste.

Aber dennoch sehe ich mittlerweile das Problem, dass mit dem generischen Maskulinum meist trotzdem primär Männer verknüpft werden. Spreche ich davon, dass ein Schüler immer aufmerksam sein sollte, dann werden die meisten Menschen einen Jungen oder jungen Mann vor sich sehen, der aufmerksam sein soll. Alternativen habe ich lange nicht wirklich gesehen oder gekannt.

Als ich aber auf Mädchenmannschaft über den Artikel „Pronomen ohne Geschlecht“ stolperte, wurde ich hellhörig. Dort wird zwar nicht direkt auf Alternativen zur Gender Gap eingegangen, die ja Nomen betrifft, aber auf Pronomen und Artikel. Statt von „er“ oder „sie“ zu reden, machen es diese Pronomen möglich von „xier“ zu reden – xier kann immer dort verwendet werden, wo er oder sie verwendet werden könnten, sagt dabei aber nichts über das Geschlecht aus.

Ich recherchierte etwas weiter, denn nun wollte ich bitte auch eine Alternative zur Gender Gap, mit der ich zufrieden sein konnte. Neben Schreibweisen mit Sternchen (Schül* (gesprochen: „Schülstern“) oder Schüler*In (ich weiß bisher nicht, wie dies ausgesprochen wird)), gab es noch das Binnen-N der Syvain-Konvention (SchülerNinnen). Da ich finde Schül* klingt gesprochen eher seltsam und ich bei Schüler*In nicht einmal sicher weiß, wie man es denn nun ausspricht, habe ich mich entschieden, zukünftig die Binnen-N-Schreibweise sowie die oben genannten Pronomen ohne Geschlecht nach AnnaHeger hier im Blog zu verwenden.

Das bedeutet nicht, dass ich auf die klassischen Pronomen jetzt verzichten werde, denn die meisten meiner Freunde, die ich hier erwähne, ordnen sich meines Wissens nach einem der klassischen Geschlechter zu. Da werde ich auch weiterhin das entsprechende Pronomen verwenden. Generalisiere ich aber oder rede von Leuten, deren Geschlecht ich nicht kenne oder nicht preisgeben möchte, so werde ich die Pronomen ohne Geschlecht verwenden (und im generalisierenden Fall auch die Binnen-N-Schreibweise).

Das wird sicherlich anfangs ungewohnt – für mich wie auch für vermutlich viele meiner Leser. Und niemand kann mir sagen, ob diese Kombination, die ich verwenden werde, sich durchsetzen wird. Trotzdem finde ich es mittlerweile wichtig, dass sich die Sprache hier weiterentwickelt. Die Vielfalt, für deren Anerkennung ich kämpfe, sollte sich auch sprachlich wiedergeben lassen, ohne, dass ich dafür Englisch oder Schwedisch sprechen muss – unter anderem diese beiden Sprachen kennen nämlich bereits Pronomen ohne Geschlecht.

Ich werde mich bei Zeiten drum bemühen, meine Begriffe-Seite mal aufzuräumen und um Verweise auf die Pronomen und das Binnen-N zu machen. Bis dahin findet ihr bei Verständnisproblemen aber ja hier die wichtigen Links.

Alina

Umfrage unter queeren Jugendlichen

Noch mag zwar mein Klausurenstress nicht vorbei sein, aber ich bekam gestern eine E-Mail von einem guten Freund, der an einer Studie beteiligt ist, mit der Bitte um Verbreitung eines Textes. Da ich die Sache sehr unterstützenswert finde, möchte ich ihm dabei gerne helfen. Aber lest selbst:

Hallo du,

am Deutschen Jugendinstitut in München wird derzeit die Studie „Coming-out – und dann…?!“ durchgeführt. In dieser sollen erstmalig bundesweit die Erfahrungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans* Jugendlichen und jungen Erwachsenen sichtbar gemacht werden. Dabei geht es vor allem um die eigenen Coming-out-Erfahrungen, Diskriminierungserlebnisse und die Nutzung von Freizeitangeboten sowie um die Frage, was eine_n stärken und unterstützen kann. Dafür wird unter anderem eine Online-Befragung durchgeführt. Bisher haben erst wenige junge Transsexuelle, Transgender, genderqueere und trans*-Menschen teilgenommen. Deswegen versuchen wir nun auf diesem Weg noch weitere Trans*Jugendliche zu erreichen.

Wenn du also zwischen 14 und 27 Jahre alt bist, wäre es super, wenn du an der Online-Befragung teilnehmen würdest. Die Fragen beziehen sich auf dein Coming-out oder deine Erwartungen dazu, falls du dich bisher nicht geoutet hast. Außerdem gibt es Fragen zu Erfahrungen mit Diskriminierung (doofe Sprüche, Ausgrenzung…) und zu deiner Person. Dabei sind alle Angaben nicht auf dich zurückführbar und du bleibst vollkommen anonym. Die Befragung dauert etwa 20 Minuten. Klick dazu einfach auf den unten stehenden Link.

http://www.dji.de/umfrage_coming_out/

Auch wenn du nicht an der Befragung teilnehmen möchtest oder kannst, wäre eine Unterstützung der Studie toll. Leite diese Nachricht gerne an Freund_innen weiter, teile sie auf Facebook, poste sie in passenden Gruppen oder versende sie als Mail an Bekannte. Wir brauchen deine/eure Unterstützung!

Im Anhang gibt es einige weitere Informationen zur Studie. Falls du Fragen haben solltest, wende dich gerne per Mail an coming-out@dji.de oder per Telefon unter 089-62306-310 an das Projektteam.

Herzlichen Dank und viele Grüße

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr dabei helfen könntet, den Text zu verbreiten und vielleicht auch selbst an der Studie teilnehmt, wenn ihr in die Zielgruppe fallt. Ich halte die Studie wie gesagt für eine sehr gute Sache.

Bald ist meine Klausurenphase übrigens rum und ich werde wieder mehr hier schreiben. Geplant ist schon ein bisschen was 🙂

Alina

Mein Weg zum Nachlesen

Heute hat mein Blog Geburtstag! Seit mittlerweile drei Jahren begleitet er mich und ich schreibe hier meine Gedanken nieder. Nicht nur, aber doch recht viel zum Thema Transsexualität.

Und weil der Weg mittlerweile doch recht lang ist und ich zwischendurch viel Halbwissen gebloggt habe, veröffentliche ich heute eine Zusammenfassung meines Weges, in der steht, wie es denn nun tatsächlich ablief. Die drei Themen, die ich damit vorerst abdecke, sind die Logopädie zwecks Stimmbildung, die Hormontherapie und meine Namensänderung.

Dieses „Geschenk“ wird vermutlich nicht für alle meine Leser wirklich interessant sein, aber für andere Transsexuelle, die sich mit diesen Themen noch nicht allzu sehr beschäftigt haben, hoffentlich hilfreich sein. Ich weiß, ich tat mich bei diesen Themen damals irgendwie schwer, alle nötigen Informationen zusammen zu sammeln und hoffe daher, dass es anderen genau dabei hilft. Und wer weiß: Vielleicht findet es der ein oder andere ja auch so ganz interessant, einmal zu lesen, wie viel Arbeit es für eine Transsexuelle eigentlich ist, einfach nur vernünftig zu leben. 😉

Hoffentlich komme ich demnächst dann auch wieder mehr zum Bloggen, auch wenn ich davon ausgehe, dass es sich dann wieder einmal weniger um Trans*-Themen gehen wird. Auch da ist zwar ein bisschen etwas in Gange (ich will ja gern Bart-frei leben und will mich daher bald um eine dauerhafte Barthaarentfernung kümmern), aber es wird vermutlich eine Weile dauern, bis ich dort etwas zu berichten hab. Aber hey, es ist nicht umsonst das Chaos Kompendium, ich blogge hier halt nicht nur über ein Thema. 😀

Bis also hoffentlich bald,

Alina

Dreister Postbote

Aus gegebenem Anlass direkt noch ein zweiter Beitrag heute.

Ich bekam gestern zwei Pakete. Es sei dazu gesagt, dass diese die ersten zwei Pakete einer dreiteiligen Bestellung waren und ich zum Zeitpunkt der Annahme noch unrasiert war bzw. es gestern schlicht vergessen hatte.

Heute dann kam Paket drei. Es klingelt, ich geh zur Tür, selber Postbote wie gestern. Er beginnt also auf dem Gerät rumzutippen, mit dem das Paket gescannt wird und fragt beiläufig: „Darf ich sie mal was fragen? Ist auch nicht böse gemeint“ – „Öhm, ja?“ – „Sind Sie TS?“

Verwirrung. TS? Ach Moment. Transsexuell wird in einigen Kreisen so abgekürzt. Ich werde skeptisch, denn so direkt bin ich selten gefragt worden und die Verwendung dieser Abkürzung spricht davon, dass er zumindest rudimentär weiß, was das bedeutet, er sich damit beschäftigt hat. Ich antwortete dennoch wahrheitsgemäß mit „Ja“, denn ich geh ja offen mit der Thematik um, machte mir aber bereits Gedanken. Er fragte weiter. „Hast du denn einen Freund?“ Okay, es geht in die befürchtete Richtung, mehr im Affekt als überlegt antwortete ich wahrheitsgemäß mit einem „Nein“. „Willst auch keinen?“ Hier dann hörte dann meine Wahrheitsliebe auf. Als Pansexuelle spielt für mich das Geschlecht bei der Partnerwahl eigentlich keine Rolle und ich hätte ja zugegebener Maßen schon gern mal wieder eine Beziehung, aber das braucht er nun wirklich nicht wissen, denn das Gespräch war zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich gruselig. Meine Antwort lautet daher „Nein, nicht wirklich“. Trotzdem lässt der Postbote nicht locker „Darf ich dich dann mal einladen?“

In der Zwischenzeit hatte ich glücklicherweise auf dem Gerät unterschrieben und das Paket in der Hand. Ein doch wieder wahrheitsgemäßes „Nein!“ bewegte ihn zu einem „Oh, danke.“, als sich unsere Wege endlich wieder trennten.

Warum ich das alles so gruselig finde? Nun, wenn es dafür nicht reicht, dass so direkte anmachen und das offensichtliche ignorieren eines ersten „Neins“ dafür nicht ausreichen kommt folgendes hinzu: Ich weiß, dass es Fetish-Kreise gibt, in denen mindestens Fantasien davon vorherrschen, dass Männer andere Männer in Frauenkleidern, die sich dann als transsexuell bezeichnen (lassen), dominieren. Ob diese Sorge nun begründet ist oder nicht, diese Assoziation kam bei dieser dreisten Anmache bei mir hoch. Das ist ganz sicher nicht meine Welt. (Und nur um das nochmal festzuhalten: Besagte Männer sind keine Transsexuellen (zumindest im Regelfall nicht), sondern Damenwäschefetischisten.)

Danke also, lieber Postbote, mein Vormittag war mit diesem Erlebnis versaut. Ich bin recht froh drüber, dass ich die einzige Bestellung, die ich demnächst bekommen werde, eh beim Zollamt abholen werden muss.

Alina

Unerwartete Nebenwirkungen

Ich hab schon seit einiger Zeit ein ziemlich empfindliches Zahnfleisch. Oft genug hatte ich beim Zähne putzen Zahnfleischbluten, da kam es mir doch ganz gelegen, dass mal wieder ein Kontrolltermin beim Zahnarzt anstand. Also hin zum Zahnarzt und Problem geschildert. Blick in den Mund ergab: Ja, das Zahnfleisch ist gereizt. Es folgte die Frage, ob ich Medikamente nehmen würde. Naja, eigentlich nicht. Halt nur Hormone. Tja. Und genau die sind es wohl.

Es kommt wohl auch bei schwangeren Frauen vor, dass diese ein empfindliches Zahnfleisch bekommen und von meiner Mutter weiß ich mittlerweile, dass ihres auch immer empfindlich ist, wenn sie ihre Tage bekommt. Das Zahnfleisch scheint bei manchen Menschen einfach sehr sensibel auf Hormone zu reagieren und ich hab’s wohl von meiner Mom geerbt. Liebe Frau Mutter, hättest du mir nicht was anderes vererben können? Mist. 😀

Konsequenz für mich ist, dass ich jetzt nach Möglichkeit dreimal täglich Zähne putzen soll – inklusive Verwendung von Zahnseide und Zahnzwischenraum-Bürsten bei jedem Putzen. Aber mein Gott, die paar Minuten für erweiterte Zahnpflege werd ich dann wohl auch noch aufbringen können 😀

Alina