Libido

Contentwarning: Dieser Artikel umfasst die folgenden Themen: Sex

Ich möchte in diesem Post über ein Thema sprechen, über das ich bisher nie öffentlich gesprochen habe, nämlich über den Einfluss der Hormone auf meine Libido. Ich werde hier nicht auf irgendwelche Vorlieben oder derlei Dinge eingehen, sondern möchte einfach aufzeigen, was für einen starken Einfluss Hormone auf diesen Aspekt meines Lebens hatten und haben. Ich hab lange überlegt, ob ich dieses Thema ansprechen möchte, hab es ja auch etwa 1,5 Jahre tatsächlich nicht angesprochen, fühle mich mittlerweile bei dem Thema aber sicherer und halte es sowieso für ein eigentlich wichtiges Thema.

Die Hormone hatten und haben einen ziemlich großen Einfluss auf meine Libido. Vor meiner Hormontherapie war sie für mein Wohlgefühl unangenehm hoch. Ich hatte ziemlich oft sexuelles Verlangen, selbst wenn ich es in den Momenten als störend und ablenkend empfand, was mir tatsächlich auch viel Freude am Sex genommen hat. Wie gesagt will ich nicht zu sehr in die Details gehen, aber das war anstrengend.

Mit der Hormontherapie ließ die Libido deutlich nach. Diese Wirkung setzte tatsächlich ziemlich früh ein, nach wenigen Wochen, wenn ich mich recht erinnere. Ich empfand es als große Entlastung. Das Interesse an Sex mit anderen oder mir selbst war lange Zeit kaum vorhanden. Dass ich vorher ständig das Bedürfnis danach hatte und Sex dadurch zur reinen Bedürfnisstillung geworden ist, hatte die Konsequenz, dass jetzt ohne das Bedürfnis erst recht kein Interesse daran vorhanden war. Erst einige Monate später entwickelte ich wieder ein Interesse an Sex und eigentlich zum ersten Mal „aus freien Stücken“, ohne dass ich ein körperliches Verlangen danach verspürte.

Ich bin mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem ich Sex endlich als etwas schönes empfinde. Eins könnte also fast schon sagen, dass mir die Hormone dabei geholfen haben, mich selbst besser kennen zu lernen. Leider kommt das aber auch mit hohen Kosten. Die fehlende Libido sorgt dafür, dass ich es deutlich schwerer habe, körperlich zu klassischem Sex in der Lage zu sein. Ich habe mittlerweile oft genug erlebt, dass ich nicht dazu in der Lage war, eine Erektion zu bekommen. Ich habe daher mittlerweile das auch gar nicht mehr als Ziel, wenn ich mit Menschen intim werde – die Intimität ist Selbstzweck, ein Orgasmus ein i-Tüpfelchen. Das war gerade anfangs ungewohnt und frustrierend, weil ich es so bis dahin nicht kannte, aber nach einer Zeit der Umgewöhnung muss ich sagen, dass es mir so eigentlich fast besser gefällt. Seit nicht mehr ein Orgasmus das Ziel von Intimität und Sex ist, nehme ich mir mehr Zeit für Dinge, die ich bis dahin höchstens als Vorspiel betrachtet habe und lerne, dass diese auch einen ganz eigenen Reiz haben und für mich auch schön sind. Sehr anders, aber schön.

Kurzum: Durch die Hormone ist es deutlich schwerer, eine Erektion zu bekommen und auch das Bedürfnis nach Sex ist deutlich gefallen. Insgesamt war das für mich direkt mehrmals eine Umstellung, mittlerweile bin ich aber ziemlich glücklich mit dem Status Quo.

Pen and Paper

Immer mal wieder habe ich in diesem Blog schon von sogenannten Pen and Paper Rollenspielen, oder kürzer P’n’Ps oder P&Ps, gesprochen. Ich habe aber noch nie wirklich erklärt, was diese Spiele eigentlich sind und was für welche ich spiele. Ich verwende in diesem Artikel wieder an einigen Stellen geschlechtsneutrale Sprache.

P&Ps funktionieren sind Spiele, bei denen einer SpielleiterNin eine Geschichte erzählt, während die MitspielerNinnen jeweils einen Charakter spielen. Diese Charaktere sind die ProtagonistNinnen der Geschichte. Während die SpielerNinnen also mit diesen Charakteren Einfluss auf die Geschichte nehmen können, wird diese von diem SpielleiterNin erzählt, xier bestimmt was passiert und was nicht, xier erzählt, wie die Welt aussieht, was die Charaktere wahrnehmen, wie andere Charaktere auf die SpielerNinnencharaktere reagieren und so weiter und so fort. Dier SpielleiterNin ist in den meisten P&P-Systemen allmächtig, darf alles einfach beschließen, aber xieser Aufgabe ist es, eine Geschichte zu erzählen, an der alle beteiligten Spaß haben.

Ich erwähnte gerade so nebenher, dass es verschiedene „Systeme“ gibt – die meisten dieser Systeme sind eine Mischung aus Weltbeschreibung und Regelwerk. Schauen wir uns diese beiden Dinge doch mal etwas genauer an.

Regelwerke sind wichtig, da die obrige Beschreibung, wie ein P&P abläuft noch sehr von SpielleiterNinnenwillkür dominiert ist. Wenn dier SpielleiterNin einfach entscheiden darf, welche Aktion der SpielerNinnencharaktere funktionieren und welche scheitern, kann es sich für die SpielerNinnen unfair anfühlen und vor Allem weiß dier SpielleiterNin vielleicht auch gar nicht immer, was klappen kann und was nicht. Dafür gibt es sogenannte Proben und bei diesen kommt der namensgebende Aspekt von Papier und Stift zur Geltung:

Die SpielerNinnen besitzen sogenannte Charakterbögen, die im Wesentlichen Zettel sind, auf denen einige verschiedene Eigenschaften des zugehörigen Charakters notiert sind, oft mit zugehörigen Werten. Aus diesen Werten wiederum werden Proben abgeleitet, die meistens durch Würfelwürfe durchgeführt werden. Das Schwarze Auge, kurz DSA, ein System, dass ich viel spiele, handhabt das zum Beispiel so, dass ich bei einfachen Proben einfach auf meinem Charakterbogen den passenden Wert suche und dann versuche mit einem zwanzigseitigem Würfel den Wert zu treffen oder zu unterbieten. Habe ich einen Mut-Wert von 14, dann bedeutet das, dass eine 1 bis 14 auf einem zwanzigseitigem Würfel einer gelungenen Mut-Probe entsprechen, während 15 bis 20 ein scheitern bedeuten. Diese Probe werden immer dann zu Rate gezogen, wenn dier SpielleiterNin unsicher ist, wie ein Ereignis ausgeht: Bin ich geschickt genug den Baum herauf zu klettern? Bin ich stark genug, eine Tür aufzubrechen?

Die meisten Systeme bieten aber wie gesagt nicht nur einen Regelkatalog, sondern beschreiben oft auch eine erfundene Welt. Bei DSA ist das zum Beispiel die Welt Dere und vor allem der Kontinent Aventurien, der beschrieben wird. Dadurch, dass die Autoren des Systems die Welt schon ziemlich detailiert beschrieben haben, weiß ich zum Beispiel, dass in der südlichen Hälfte Aventuriens eine große Wüste liegt und das es verschiedene zauberbegabte Wesen gibt. Ich weiß, dass die Welt an das Mittelalter angelehnt ist, es aber Drachen und andere Fabelwesen gibt. Ich kann nachschlagen, wie teuer genau diese eine Taverne in diesem einem Ort ist und kann vielleicht sogar erfahren, dass der Wirt dort mit seiner Frau drei Kinder hat. Ja, DSA geht an einigen Stellen tatsächlich so weit in die Tiefe. Einerseits ist das ein Vorteil, weil sich andere die Mühe gemacht haben, eine möglichst konsistente Welt zu erfinden, andererseits kann dieser Detailgrad auch einengen. Wie sehr eins sich also an offizielle Quellen hält, ist Geschmackssache. (Die Konsistenz ist übrigens natürlich trotzdem nicht perfekt; es gab Publikationen zu DSA, die den Preis von Weizen teurer ansetzten als den der Menge Brot, welches aus diesem hergestellt werden konnte. Bäcker müssten also Verluste machen.)

Es gibt immer wieder Systeme, die ohne Regelwerk oder ohne Welt daher kommen. Die Systeme ohne Welt versuchen meist, die Regeln so offen zu halten, dass sie in beliebigen Welten spielbar sind. Zumindest im kommerziellen Bereich sind Systeme ohne Regeln dafür eher selten. Vermutlich, weil potentielle Kunden dann auch noch ein System mit Regeln dazu kaufen müssten, was viele verschrecken könnte. Was es häufiger gibt, sind jedoch Abenteuer, die an kein System gebunden sind.

Abenteuer sind im Wesentlichen einzelne Geschichten. Dort steht dann drin, das die Königin auf die SpielerNinnencharaktere zukommt, weil ihr einziges Kind von einem Drachen entführt wurde und beschreibt möglichst alles, was für die Rettung nötig ist, inklusive des Plottwists, dass in Wahrheit der Spross der Königsfamilie den Drachen entführt hat, nicht umgekehrt. Abenteuer sind oft für bestimmte Systeme und ihre Regeln und Welten beschrieben, aber gerade bei HobbyautorNinnen finden sich oft Abenteuer, die an kein System gebunden sind. Dazu gehört auch Tiefenrausch, ein Abenteuer in einem Horror-Setting, das zwar ein System vorschlägt, aber nicht in der offiziellen Welt spielt und auch mit beliebigen anderen Regeln gespielt werden könnte. Tiefenrausch hat Trial, hier im Blog in den Zeiten, in denen ich keine Namen nannte auch als „Der Biertige“ bekannt, erfunden und ich bin gerade dabei dieses Abenteuer zu überarbeiten und in einen Zustand zu übertragen, in dem es vielleicht sogar veröffentlicht werden könnte.

Nun habe ich zumindest zwei „Systeme“ bereits erwähnt, die ich spiele: DSA spiele ich wöchentlich und auch für Tiefenrausch habe ich aktuell wieder eine Runde. Bei DSA bin ich Spielerin, Tiefenrausch leite ich. Weiterhin spiele ich Dungeons and Dragons, ein Urgestein unter den Rollenspielen mit starken Fokus aufs Kämpfen. Es spielt zwar wie DSA an in einer Fantasy-Welt, aber es spielt sich durch den anderen Fokus vollkommen anders. Eine Weile ausprobiert habe ich noch Vampire: The Masquerade und Shadowrun. Vampire spielt in einer Variation der Realität, in der es Vampire gibt, die im Hintergrund die Fäden ziehen und versuchen ihre Parallelgesellschaft geheim zu halten, während Shadowrun dem Cyberpunk-Genre angehört – es spielt auf der Erde in rund 50 bis 60 Jahren, in einer Welt, in die Magie eingekehrt ist, die aber gleichzeitig hochtechnologisiert und dazu unglaublich korrupt ist. Immer Mal wieder probiere ich aber auch hier und dort andere Systeme aus, zum Beispiel Ratten!, Los Muertos oder Dungeon Slayers. Unbedingt mal ausprobieren will ich Plüsch, Power & Plunder, bei dem eins Plüschtiere spielt.

Soviel zum Rundumschlag zum Thema Rollenspiele. Wenn ich in Zukunft von P&Ps berichte, wisst ihr, wovon ich spreche 😀

Alina

Ein wenig Geschichte, Teil 5: Erkenntnisse und erste Schritte

Wer schon 2011 mitgelesen hat, kennt vielleicht noch die Reihe „Ein wenig Geschichte“, die ich damals im Adventskalender angefangen habe und in der ich meine Entwicklung im Bezug auf meine Transsexualität festgehalten habe. Wer sie nicht kennt: Hier findet ihr Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4. Wer die Einträge erst jetzt nachliest, sei gewarnt: Mein Schreibstil ist meiner Meinung nach deutlich schlechter in diesen alten Beiträgen. Außerdem sind viele Ansichten nicht mehr Up-To-Date, aber ich möchte sie nicht überarbeiten, sondern unverfälscht stehen lassen, wie ich die Dinge damals gesehen habe.

Der vierte Teil der Reihe endete 2011 damit, dass ich mich kurz nach dem Ende einer Beziehung befand, die ich damals als Stütze empfunden hatte und in der ich geglaubte hatte, mich frei entfalten zu können. Rückblickend muss ich sagen: Das stimmt nicht so richtig. Auch in der Beziehung habe ich mehrfach zu hören bekommen, dass Transvestie zwar in Ordnung ginge, und über das Thema waren die Gespräche definitiv offener, aber Transsexualität wurde auch in der Beziehung als Trennungsgrund bezeichnet. Wie schon all die Jahre vorher habe ich daher jeden Gedanken daran, dass ich vielleicht doch wirklich transsexuell sein könnte, weit von mir geschoben. Ich wollte die Beziehung nicht gefährden.

Verloren habe ich die Beziehung dann aber letzten Endes doch.

Es dauerte nach Ende der Beziehung tatsächlich nicht allzu lange, nur etwa zwei Monate, bis ich realisierte, dass ich transsexuell bin. Ich erlaubte mir zum ersten Mal seit Jahren, diese Option ernsthaft in Betracht zu ziehen und realisierte schnell, dass ich nur dann „als Mann“ unter die Leute ging, wenn meine weibliche Kleidung zur Neige ging. Ich hatte damals nicht viel Kleidung aus der Frauenabteilung und muss zugeben: Noch heute fühle ich mich in Sachen aus eben dieser Abteilung wohler, selbst wenn es Mode ist, die selbst von der Gesellschaft kein Geschlechts-Etikett aufgedrückt bekommt. (Heute bin ich allgemein der Meinung, jedmensch solle einfach tragen, was xier gut findet, eine Unterteilung der Mode in „männlich“ und „weiblich“ ist in meinen Augen einfach seltsam. Trotzdem – ich bin leider so sehr von der Gesellschaft geprägt, dass Kleidung aus der Frauenabteilung bis heute für mein Wohlbefinden ziemlich wichtig ist.)

Ich realisierte also, dass ich nur noch dann als Mann auftrat, wenn ich das Gefühl hatte, nicht überzeugend als Frau auftreten zu können. Ich realisierte, dass ich mich als Frau wohler fühlte als als Mann, dass ich mich mehr „Ich selbst“ fühle. Ich realisierte, transsexuell zu sein.

Die Erkenntnis kam Ende Januar  2012 und ich habe seit her nur ein einziges Wochenende, das genau nach dieser Erkenntnis, überhaupt noch „als Mann“ verbracht. Insbesondere im ersten Jahr hatte ich noch viele Probleme mit Misgendering, also dem beim-falschen-Pronomen-genannt-werden, später wurde es deutlich weniger. Genau gegensätzlich verhielt sich meine Empfindlichkeit auf Misgendering. War es anfangs für mich nur etwas nervig, aber nicht weiter tragisch, misgendert zu werden, so tat es immer mehr weh. Mit jedem Tag, mit dem ich mir sicherer war, dass das Leben als Frau für mich genau der richtige Weg war und ist, tat es mehr weh, ein „er“ als Pronomen zu hören. Kurioserweise hatte ich dabei aber selten Probleme in bürokratischen Angelegenheiten meinen alten Namen zu verwenden. Das kam erst deutlich später, mit der Namensänderung.

Ich hatte das Glück, 2012 ein paar weitere trans Frauen in meiner Altersgruppe kennen zu lernen, die bereits Erfahrung mit Therapie, Hormonen, Namensänderung und ähnlichen Themen hatten. Im Austausch mit diesen stellte ich schnell fest, dass ich mich mit dem verbreitesten Weg recht gut anfreunden konnte – einzig einer Geschlechtsangleichenden OP stand ich immer skeptisch gegenüber und fühle mich bis heute ohne wohl. Durch die beiden nahm ich Kontakt zu meiner Therapeutin auf, die mich bis heute begleitet, und erfuhr auch von einer Studie in Aachen, bei der es um Stimmen und Stimmwahrnehmung von trans Menschen ging und durch die ich eine Heilmittelverordnung für Logopädie bekam. Ob ich zuerst mit der Logopädie oder der Therapie anfing, weiß ich gar nicht mehr sicher, auch wenn ich glaube, dass es die Logopädie war.

Für mich waren dies die ersten großen Schritte. Über die Therapie erhoffte ich mir, irgendwann eine Indikation für eine Hormontherapie zu bekommen, was letztlich ja auch klappte, die Logopädie half mir sehr dabei, eine Stimme zu finden, die zu meinem Passing passt. Hab ich früher zwar keine tiefe, aber doch markant nach Stimmbruch klingende Stimme gehabt, so spreche ich heute deutlich sanfter und meine Stimme wird damit in aller Regel als weiblich wahrgenommen.

Im sechsten Teil dieser Reihe möchte ich auf die noch jüngeren Entwicklungen eingehen, ins Besondere auf die Auswirkungen der Hormone und die Namensänderung, aber auch darauf, wie sich allgemein mein Denken über Transsexualität verändert hat. Gerade das letzte Jahr hat mich sehr geprägt.

Alina

Vom Telefonieren

Wer meinen Blog schon länger liest, wird sich vielleicht noch daran erinnern, dass ich vor einigen Jahren einen „Adventskalender“ hatte – jeden Tag ein Blogpost. Ich möchte das auch dieses Jahr wieder probieren. Es ist zwar gerade schon 23:44 und es wird eng, diesen Blogpost wirklich noch heute fertig zu bekommen, aber ich gebe mir Mühe 😀

Einleiten will ich diesen Advent mit einem Artikel, der mir schon seit Monaten auf dem Herzen liegt, weil es etwas ist, dass mich selbst betroffen hat und wenig Beachtung findet.

In der Zeit meiner schlimmen Depression ist mir etwas besonders bewusst geworden, was mir auch vorher schon bekannt war, aber sich ohne die Depression überwinden ließ und durch sie zu einem ernsten Problem für mich wurde: Ich mag nicht mit fremden Leuten telefonieren, wenn ich ein Anliegen habe. Wenn ich angerufen werde oder es um ein Gespräch mit mir vertrauten Menschen geht, ist das kein Problem, aber wenn nicht, ist telefonieren für mich eine Überwindung. An guten Tagen brauche ich nur einige Augenblicke um mich zu sammeln und auf den grünen Hörer zu drücken, an weniger guten Tagen habe ich die Nummer gewählt und brauche mehrere Minuten, bis ich wirklich anrufe, an schlechten Tagen ist mir telefonieren schlicht nicht möglich.

Das ist keine Sache, die sich mit einem „Reiß dich doch mal zusammen, da beißt schon niemand“ beheben lässt – das Telefonieren ist einfach anstrengend für mich. Anstrengender als so mancher 10 Stunden Uni Tag. Selbst das geistig drauf Einstellen ist manchmal derart anstrengend, dass ich den Versuch abbrechen muss und den Rest des Tages für nichts anderes mehr Energie habe.

Ich weiß, dass das für Menschen, die so etwas nie erlebt haben, schwer vorstellbar ist. Ich weiß, dass es danach klingt, als suche ich nur ausreden, weil ich faul sei. Aber die allermeisten Telefonate sitzen mir dann ewig im Nacken und es belastet mich, sie nicht hinter mir zu haben. Ich will an solchen Tagen nichts lieber, als das Telefonat hinter mich zu bringen, aber mit der Depression war das oft einfach unmöglich, so sehr ich es auch wollte.

In dieser Zeit ist mir eine Sache bewusst geworden: Ich bin damit bei weitem nicht allein. Es gibt viele Menschen, denen es aus verschiedensten Gründen unangenehm ist, zu telefonieren. Das sind nicht nur Menschen mit Depressionen, ich weiß auch von einigen neurologisch-typischen Menschen ohne psychische Leiden, die trotzdem eine Abneigung gegen das Telefonieren haben. Und trotzdem, obwohl es mir ziemlich weit verbreitet scheint, gibt es dort selten Alternativen. Ärzte sind fast ausschließlich telefonisch erreichbar. Kurioserweise sogar psychiatrische Einrichtungen, die mit diesem Problem eigentlich vertraut sein sollten. Ich weiß nicht wie oft ich in der ersten Jahreshälfte E-Mails geschrieben habe, dort möglichst detailliert mein Anliegen geschildert habe und nur die Antwort „bitte rufen Sie uns an!“ bekam. Oft hab ich dann nicht angerufen. Es ging in der Zeit nicht.

Ich bin über diese starke Ausprägung hinweg. Telefonieren ist etwas, was ich immer noch ungern tu, aber ich bekomme es hin, wenn es nötig ist. Aber ich weiß, dass das nicht allen so geht. Für viele Menschen ist das ein unüberwindbares Hindernis und ich finde es mehr als Schade, dass E-Mails sich noch immer nicht als Ersatzmedium etabliert haben. Ja, natürlich, die Antworten sind damit in aller Regel etwas zeitverzögert, aber oft werden Anfragen per Post bearbeitet, aber nicht per Mail. Damit ist das Argument eigentlich hinfällig.

Ich hab auf dieses Thema wenig Einfluss. Ich kann nicht dafür sorgen, dass plötzlich die ganze Welt Mails statt Anrufe akzeptiert. Aber ich hoffe schon, dass dies vielleicht ein, zwei Menschen sehen, die sich noch nie darüber Kopf gemacht haben, wie anstrengend für manch anderen Menschen telefonieren ist, und dafür vielleicht etwas mehr Verständnis haben. Mir hätte das einiges an Problemen erspart.

Alina

Ein wenig Geschichte, Teil 4 (Finale?): Lernen, zu sich zu stehen

Contentwarning: Dieser Artikel umfasst die folgenden Themen: Homofeindlichkeit, Transfeindlichkeit

(Hier geht’s zu den Teilen 1, 2 und 3)

Teil 3 meiner Geschichte endete, als meine letzte Beziehung Anfang letzten Jahres begann.  Seit dem hat sich viel geändert. Dadurch dass meine damalige Freundin generell sehr offen mit dem Thema Transidentität umging, konnte ich mich wesentlich freier entfalten, als in der vorherigen Beziehung immer wieder outete ich mich vor einzelnen Leuten und lernte so sogar eine Frau-zu-Mann-Transgender kennen. Nicht zuletzt davon, endlich jemanden zum Austauschen über Gedanken und Erfahrungen gefunden zu haben, beflügelt, fing ich an, immer offener zu mir zu stehen, glaube aber auch weiterhin, ich sei Transvestit, nicht Transsexuell.

Ich outete mich recht schnell gegenüber engen Freunden, zu denen die räumliche Entfernung groß war (z.B. einer Freundin aus Aachen oder einem Freund aus Wien), da der Kontakt zu diesen seit jeher schwierig war. Sollten sie ablehnend auf mich reagieren und der Kontakt abbrechen, würde sich nicht allzu viel ändern, da man sich eh selten sah. Außerdem glaubte ich, dass sie diese neue Information nicht so sehr aus der Bahn werfen würde, einfach weil sie mich ja nicht oft sehen würden. Tatsächlich waren die Reaktionen aber auch weiterhin nie negativ. Vielleicht überrascht und vielleicht im ersten Moment etwas überfordert, aber nie ablehnend.

Einige Zeit später outete ich mich dann endlich vor einer Hand voll Leuten, denen gegenüber ich mich schon länger outen wollte, aber nie die Überleitung geschafft hatte. Die Überleitung die ich dann verwendete, war mein damaliger Küchenchef: Dieser war und ist wahrscheinlich immer noch homo- und transfeindlich und hätte mir gegenüber direkt geäußert, wie schrecklich er solche Personen finden würde. Tatsächlich sagte er sogar sinngemäß, dass er jede Person, die nicht seiner Norm-Vorstellung (hetero und cis)  entspricht, am liebsten erschießen würde. Meine Überleitung bestand dann darin, dies zu erzählen und nebenher fallen zu lassen, dass ich mich davon ja angesprochen gefühlt hab, auch wenn er das nicht wusste (und bis heute nicht weiß). Natürlich wurde nachgefragt, wie ich das meinen würde und ich erzählte, dass ich Transvestit bin. Die besagten Personen, vor denen ich mich so outete waren die bereits in anderen Posts erwähnten gute Freundin, der Kleine und der Große.

Was danach folgte kann man hier im Blog gut verfolgen. Rückblickend waren folgende Dinge prägend für mich: Der erste Ausflug als Alina, mit meinen gerade genannten Freunden, beziehungsweise schon die Ankündigung dessen, denn ich begann in Frage zu stellen, ob ich wirklich Transvestit bin. Ich merkte, dass ich dem Ausflug mehr entgegen fieberte, als ich erwartet hatte, dass er mir sehr, sehr wichtig war. Als der Ausflug selbst sich dann so normal für mich anfühlte, als sei ich als Mann unterwegs, gab mir dann noch mehr Stoff zum Nachdenken.

Dann das M’era Luna als Alina, zusammen mit der Gewandeten. Das erste Mal, dass ich in einer großen Menschenmenge als Alina anzutreffen war. Das ich zwischendurch einen Security-Mann, der mich abtasten sollte, ziemlich irritiert habe, da er erst glaubte, eine Frau vor sich zu haben, und vor Allem, dass ich auch hier nirgends auf Ablehnung stieß, ließ mich zukünftig mutiger werden und ich begann den Wunsch zu entwickeln, mich endlich offen als Alina zu bewegen. Doch traute ich mich bis zuletzt nicht, dies in meiner Heimat auszuleben. Auf dem Dorf sprechen sich interessante Informationen rasend schnell rum, schließlich kennt jeder jeden. Nimmt man dann hinzu, dass man hier in einer eigenen kleinen Welt lebt, in der Mann Vielfalt und erst recht Transgender fast nur aus dem Fernsehen kennt, wäre Ablehnung fast sicher gewesen und ich war noch lange nicht so weit, dies einfach weg zu stecken.

Dann mein Geburtstag, der mir zeigte, dass ich in meinem Freundeskreis grenzenlosen Rückhalt habe. Niemand reagierte auf mein Outing auch nur neutral, alle freuten sich, dass ich mich ihnen geöffnet habe und waren gespannt darauf, mich einmal als Alina zu erleben.

Schließlich der Umzug, durch den mir endlich ermöglicht wurde, was ich seit dem ersten Ausflug als Alina, spätestens seit dem M’era Luna wünschte: Ich fing an, auch meinen Alltag als Alina zu bestreiten. Nicht täglich, aber immer, wenn ich mich danach fühlte.

Und nun, nun sitz ich hier im Norden, freue mich, dass Weihnachten ist, ich mittlerweile so gefestigt in meinem Umgang mit mir selbst bin, dass ich mich getraut habe, mit meinen Eltern hier auf den Weihnachtsmarkt zu gehen, und ich nächste Woche auf dem Treffen in Bremen auch einige Tage als Alina verbringen werde.

Und nicht zu Letzt freue ich mich, dass ich mit meinem Blog Leute erreiche. Täglich habe ich zwischen 15 und 30 Besucher und bin mir sehr sicher, dass dies längst nicht alles Leute sind, die ich persönlich kenne. Es freut mich sehr, dass ich scheinbar von Dingen berichte, die nicht nur mich und meine Freunde interessieren, sondern noch einige weitere Menschen.

Ich wünsche euch allen ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Dies ist der letzte Post von mir in diesem Jahr, da es auf dem Treffen nächste Woche kein Internet gibt, aber ich werde sicher Anfang nächsten Jahres wieder einiges zu berichten wissen.

Alina

Das generische Maskulinum: Ein anderer Blickwinkel.

Hinweis: Dieser Artikel ist veraltet und entspricht nicht mehr meinen aktuellen Ansichten.

(Auch wenn es schon in der Hinweisbox steht: Dieser Artikel entspricht bei weitem nicht mehr meinen aktuellen Ansichten zum Thema! Dazu: Mein Text über gendergerechte Sprache.)

Vor ein paar Tagen habe ich einen neuen Artikel über Namen veröffentlicht, heute möchte ich auf einen anderen Artikel zurückblicken: Den, über das generische Maskulinum.

Vor kurzem ist mir ein Artikel über das generische Maskulinum geschickt worden, in dem eine Frau davon berichtet, dass sie es ein Unding findet, dass es immer noch oft verwendet wird. Ihr Argument ist, dass Studien festgestellt haben, dass Testpersonen beim generischen Maskulinum meist im ersten Moment glauben, es ginge ausschließlich um Männer. Die Autorin behauptet, dass somit, auch wenn sie sich bewusst ist, dass das generische Maskulinum ein grammatikalisches Phänomen ist, Frauen ausgeschlossen, diskriminiert werden.

Ich finde diesen Artikel ziemlich gut und lesenswert, obwohl meine Meinung dazu eine andere ist, wie man in meinem Artikel nachlesen kann. Denn, wenn jemand von „Studentinnen und Studenten“ spricht, spricht er längst nicht alle Studierenden an. In meinem Falle mag das noch unproblematisch sein, da ich selbst mich entweder als Student oder als Studentin sehe, aber nie als keines von beiden, aber es gibt Personen, von denen ich weiß und die ich hoffentlich bald endlich ein paar persönlich kennen lerne, die könnten sich nun immer noch nicht einordnen. Die Gender Gap macht das nur noch schlimmer.

Was also tun, um es allen recht zu machen? Meiner Meinung nach müssen wir einfach weiter machen wie bisher. Ich stoße, ohne das ich suche, auf immer mehr Gruppierungen, die sich mit dem Thema Gender befassen und ich glaube, es werden auch prozentual immer mehr Leute für dieses Thema sensibilisiert. Wenn irgendwann eine tatsächliche Gleichstellung nicht nur der Frau, sondern auch von Transgendern erfolgt, dann wird keiner mehr solche Formen wie „Studentinnen und Studenten“ oder „Student Innen“ brauchen, da beim generischen Maskulinum jeder wüsste: „Frauen, Transgender, Männer und auch alle anderen Menschen natürlich inbegriffen“.

Aber das ist meine Meinung. Andere Meinungen sind mir herzlich willkommen, ich lern gerne neue Blickwinkel kennen, auch wenn ich nicht dafür garantiere, dass es meinen Blickwinkel ändert 😉

Alina

[Nachtrag:] Ich habe mich in meinen Artikel nur auf ein Argument der Autorin des verlinkten Artikels bezogen, wie ich gerade feststelle. Sie schneidet noch einige andere Punkte an, die auch sehr interessant sind, lest am Besten selbst: Frauen natürlich ausgenommen

Warum ich blogge

Ich bin vor einigen Tagen von einem guten Freund gefragt wurden, ob ich nicht mal darüber bloggen können, warum ich eigentlich blogge. Eigentlich wollte ich ihm diesen Gefallen längst schon getan haben, aber irgendwie kamen mir dann andere Einträge dazwischen. Meine Schuldigkeit möge hiermit beglichen werden! 😉

Als ich mit dem Blog anfing, ging es mir vor Allem darum, meine Gedanken zu sammeln. Gerade zum Thema Transidentität hatte ich schon damals viel zu erzählen, zumal der Ausflug nach Hamburg bereits bevor stand und ich anfing, meine bisherigen Theorien, wer ich bin, in Frage zu stellen. Aber auch andere Themen bewegten mich, wie man ja schon im ersten Eintrag dieses Blogs lesen kann.

Gedacht war dieser Blog als Sammelsurium meiner Ideen und Theorien, zu mir, zum Leben, zu Gott und der Welt. Das ich mittlerweile hin und wieder über meinen Alltag blogge hat sich dann einfach irgendwann ergeben, nicht zuletzt, um meinen Freunden im Norden Deutschlands zu ermöglichen, zumindest ein wenig an meinem neuen Leben in Karlsruhe teilhaben zu können. Ideal wäre, wenn ich täglich mit all meinen Freunden telefonieren könnte, um ihnen zu erzählen, was ich erlebt habe, aber da ich diese Zeit nicht habe, ist der Blog eine schöne Alternative.

Hinzu kommt mittlerweile, dass ich mit relativ hoher Sicherheit einige Leser habe, die ich nicht persönlich kenne und ich daher versuche, Dinge zu schreiben, die auch diese Leser interessieren könnten, denn ich habe etwas festgestellt: Es macht mir Spaß zu schreiben und damit ein wachsendes Publikum anzusprechen und ich bin stolz derzeit täglich zwischen 15 und 25 Besucher zu haben.

Trotz dieser zusätzlichen Gründe ist der Blog letztlich aber immer noch primär das, wofür ich ihn anfangs geplant hatte: Ein Kompendium meines gesammelten Chaos. Ein Durcheinander verschiedener Themen, die mich interessieren und mir im Alltag begegnen. Und vor Allem ist mein Blog eines: Etwas, an dem ich Spaß habe.

Von sich selbst als „Er“ und „Sie“

Hinweis: Dieser Artikel ist veraltet und entspricht nicht mehr meinen aktuellen Ansichten.

Sozusagen als Nachfolger zum „gestrigen“ Blogeintrag(, der ja doch erst heute morgen um 00:06 fertig war,) gibt es heute ein Thema, über das ich schon ein paar Tage bloggen wollte. Es geht darum, wie ich über mich selbst rede.

Wie wahrscheinlich bekannt ist, möchte ich es normalerweise vermeiden, zwischen meiner männlichen Hälfte und Alina zu unterscheiden, bzw. eine Trennlinie mitten durch meine Persönlichkeit hindurch zu ziehen. Ich als Ganzes mag Gothic nicht, weil meine männliche Hälfte es mag, oder mag es, wenn mich jemand schminkt, weil das „voll Alinas Ding“ ist, sondern weil ich es bin, die es mag, geschminkt zu werden, und Gothic hört.

Dennoch ist es manchmal nötig, eine Trennlinie zu ziehen. So bin ich, wenn ich als Alina (auf diese nette Formulierung geh ich gleich auch nochmal ein) unterwegs bin, zum Beispiel anfälliger für dumme Sprüche und ängstlicher. Langsam legt sich diese Furcht, aber würde ich als Mann normalerweise keine Angst vor pöbelnden Jugendlichen haben, so sieht die Sache als Alina schon anders aus. Auch hier liegt wahrscheinlich mindestens eine Teilschuld bei der Gesellschaft, die Frauen als leichte Opfer solcher Gruppen ansieht. Und selbst, wenn ich mir klar mache, dass dies ein Vorurteil ist, so macht sich besagte Gruppe das sicher nicht klar und hält Alina für ein leichteres Opfer ihre Sprüche oder gar Handgreiflichkeiten, als meine männliche Hälfte – ganz unabhängig davon, ob sie durchschauen, dass ich trans bin, was ihnen noch neuen Nährboden geben würde.

Auch, wenn es um meine Körpersprache geht, oder darum, wie ich von Fremden angesehen werden möchte, ist eine Unterscheidung nötig, da ich mich anders verhalte und anders angesehen werden möchte.

Um diese Unterscheiden möglich zu machen, habe ich eine Sprechweise entwickelt, die mir eigentlich nicht sehr gut gefällt, aber die ich mangels einer besseren Alternative derzeit noch verwende: „Als Alina“ etwas tun/sein bzw. „Als Mann/Frau“ etwas tun/sein. (vgl. oben, „[…] wenn ich als Alina […] unterwegs bin […]“)

Was mich an dieser Formulierung stört ist vor Allem das „als“, denn es zieht in meinen Augen zum einen zu klare, zum anderen zu starke Grenzen innerhalb meiner Persönlichkeit. Soll die Formulierung eigentlich nur die wenigen Unterschiede klar machen, so wirkt sie auf mich jedes Mal so, als trenne ich damit meine Persönlichkeit, mein Wesen, in zwei Hälften. Aber wie bereits gesagt, gibt es diese zwei Hälften nicht, das bin alles ich.

Daher möchte ich an dieser Stelle zum ersten Mal um die Meinung meiner Leser bitten: Findet ihr auch, dass die Formulierung mit dem „Als“ eine zu starke Grenze zieht, oder bilde ich mir das nur ein? Habt ihr alternative Formulierungen, um die auf die Unterschiede zwischen meiner weiblichen und meiner männlichen Seite hinzuweisen?

Abschließend muss ich noch dazu sagen, dass ich gerade merke, dass die von mir oft verwendete Formulierung „meine männliche Hälfte“ eigentlich sogar noch stärker eine ungewollte Grenze zieht, da „Hälfte“ eigentlich eine exakte Trennung impliziert… Das macht mir diese Formulierung auch glatt unsympathisch, aber lasst mich auch hier wissen, ob ihr das anders seht.

Alina

Sind Namen Schal und Rauch?

Hinweis: Dieser Artikel ist veraltet und entspricht nicht mehr meinen aktuellen Ansichten.

So, auf die letzten paar Minuten des Tages endlich der heutige Eintrag für den Adventskalender. Thema sind mal wieder meine Namen.

Ein guter Bekannter, vor dem ich mich vor ein paar Tage geoutet habe, merkte an, dass er gern versuchen würde, zwischen meinen Namen hin und her zu wechseln, er finde aber generell solche Wechsel seltsam, auch bei Nicknames, also Online-Spitznamen. Das hat mich noch einmal zum Nachdenken, warum mir der „korrekte“ Name wichtig ist, gebracht.

Tatsache ist: Meine Lerngruppe hat den Nameswechsel größtenteils noch nicht drauf. Ich habe vor einiger Zeit mal den Link zu meinem alten Post zum Thema Namen  rumgegeben, denke auch, dass sie ihn gelesen haben, aber dran gewöhnt haben sie sich noch nicht. Tatsache ist auch: Es stört mich nur selten und in der Öffentlichkeit mehr als im kleinen Kreis.

Ich denke, dass dies mit einer anderen Erkenntnis zu tun hat, die ich schon vor einer Weile hatte: Von Fremden möchte ich gern als Frau gesehen werden, wenn ich als Alina unterwegs bin, ich möchte bewusst in einer anderen Schublade laden. Von Freunden und guten Bekannten erwarte ich aber, dass sie mich gar nicht erst in Schubladen einordnen. Mit diesen Schubladen gehen auch die Namen einher. Mich in Gesellschaft von Fremden und flüchtigen Bekannten mit „Alina“ anzusprechen (bzw. wenn ich mich so vorstelle) setzt ein Zeichen: „Hey, diese Person ist zwar biologisch ein Mann, möchte aber als Frau anerkannt werden“. Wird mein männlicher Name verwendet kommt dieses Signal nicht, im Gegenteil: Das Signal ist eher, ich hätte einfach nur einen ungewöhnlichen Stil.

Anders gesagt: In der Öffentlichkeit empfinde ich meinen männlichen Namen tatsächlich als störend, wenn ich gerade Alina bin. Im kleinen Kreis würde ich auch Alina bevorzugen, weil ich mich dann anerkannter fühle, aber empfinde es kaum als negativ, wenn mein männlicher Name verwendet wird. Höchstens schade, aber nicht schlimm.

Warum ich überhaupt zwei Namen brauche und mir damit ein kompliziertes hin- und herwechseln wünsche, ist wohl einfach Druck der Gesellschaft: Wer keinen weiblichen Namen hat, ist keine Frau. Dieses Grundprinzip ist einfach in meinem Kopf, wie in den Köpfen von vielen anderen Leuten auch, verwurzelt. Warum ich dann nicht einen geschlechtsneutralen Namen gewählt habe und ihn immer verwende liegt wohl an der Zeit, in der ich mir den Namen gegeben habe, denn damals wollte ich noch eine Trennung zwischen der Frau und dem Mann in mir. Mittlerweile mag ich jedoch auf keinen der Namen mehr verzichten und mal ehrlich: Wenn ich mich plötzlich, egal wie ich unterwegs bin, Alex oder Rene(e)  oder so nennen würde, dann würde es das für Leute, die meinen alten männlichen Namen kannten, auch nicht leichter machen. Und für Leute, denen ich neu begegne, dürfte es auch nicht schwerer fallen, beide Namen zu lernen, als wenn ich einen Doppelnamen hätte. Denke ich…

Wie dem auch sei, jetzt bin ich doch schon zu spät dran. Mist. Ich hoffe, der Endspurt des Adventskalenders wird besser laufen 😉

Alina

P.S.: Ich habe die Uhrzeit dieses Eintrag mal ein wenig zurück gedreht, damit der Eintrag wieder am zugehörigen Tag erscheint und als Entschädigung, dass ich so spät dran bin, den nächsten Eintrag auch gleich veröffentlicht. 😉

Teamouting: Check!

So. Die Mail ist raus, vor dem Kernteam habe ich mich nun geoutet, ebenso vor den Orgas und einigen weiteren Leuten, die ich auf der Veranstaltung treffen werde. Erste Reaktionen: Durchweg positiv und innerhalb von wenigen Minuten da. Bin gerade erstaunt, wie schnell die geantwortet haben 😉

Eine der Reaktionen war die eines der Orgas. Sinngemäß lautete sie: Cool, dass du damit jetzt offen umgehen möchtest und ich kann mir keinen besseren Ort als dieses Treffen vorstellen. Und wenn du wieder erwarten doch Probleme damit hast: Meld dich bei uns Orgas!

Ich find das toll. 🙂 Zwar hatte ich selbst mir bisher keinen Kopf gemacht, was bei Problemen ist, da ich mit keinen rechne, aber den Rückhalt der Orgaschaft zu haben ist wirklich etwas tolles 🙂

Ich freu mich gerade sehr aufs Treffen. So viele tolle Leute hat man selten auf einem Haufen.

Ich schreib gerade schon seit einer Stunde an diesem Post, da ich ständig wieder Antworten auf mein Outing bekomme. Bisher bekam ich 3 mal: „Hey, cool, dass du so offen damit umgehen willst“ und einmal „Hmm… okay. Wird seltsam für mich, aber lass dich davon nicht aufhalten“. Da ich letzteres nicht als positive Rückmeldung bezeichnen will, sag ich einfach mal, dass ich nur nicht-negative Rückmeldungen bekommen habe. (Ja, bei der Formulierung „nicht-negativ“ lässt der Mathe-Anteil des Studiums grüßen 😉 )

So, leider wird dieser Post nun etwas kürzer als geplant, dafür sind in nächster Zeit einige längere Einträge geplant über Themen, die nicht meinen Alltag betreffen, sondern allgemeinere Themen sind. Lasst euch überraschen, ich hoffe, es wird interessant 😉

Alina